Berührt

Hände haben mich angefasst
Arme haben mich umschlungen
Körper haben sich mit meinem vereint
Berührt hat mich nur dein Wort

De Engel mim Turbo

turbo

Geschdern hänn mir so e ganz klari Nacht gehatt, so ääni, wo mer määnt, mer kennt die Sterncher vumm Himmel picke, gerad wie vumme Kerschebaam.
Unn do hann ich an moin Babba gedenkt, der wo so frieh hott sterbe misse, unn an moin Bub, wie er , gerad emol acht Johr alt, mit mer in soner Nacht in de Himmel geguckt hott.

„Babba“ hott der klaah Stobbes mich sellemols gefroochd „wann de Oopa jetzt do obbe iss, wie du verzählt hoscht, isser donn jetzt son Stern?“

„Jo , moin Bub. Ganz bestimmt isser ääner vunn dene gonz Helle.“

„Komisch“ hotter gonz nochdenklich gemäänt „des iss doch soo weit weg, do der Himmel.
Abber wann du vum Oopa verzähle duhschd, waser der all beigebrung hott, unn jetzt derf ich des aach lerne und ausprowiere. Ich denke alsemol, der Oopa iss garnet do obbe, der iss noch bei uns, unn hockt in de Kich, uff de Eckbank. Nur, mer sieht ne net weil…..“ er hott en Moment long ibberleht „weil des mit dem Oopa grad wie mit denne Engel iss, die sinn jo aach do, abber mer sieht se halt net.“

Do hann ich eerschd emol geschluckt, um denne Kloß aussm Hals zu dricke.
„Vieleicht hoschd recht Bub, unn vieleicht iss der Stern nur dodefier do, dess de Oopa sich dort ausruhe kann, wonner vunn uns genervt iss.“
Ibberzeuchend wars net, was ich do vunn mer gebbe hatt, donn moin Junior hott e ganzi Zeit lang nur enuff geguckt unn nix gesahd.

„Des is arg weit, Babba“ sahder donn unn mer hott gesieh, er glaabt mer dess mit dem Stern net so richtich.

„Abber! Wann de Oopa jetzd so was wie en Engel iss, donn hotter jo Flichel. Unn bestimmt hänn die heit aach schunn son Turboahntrieb. Donn packt der des bestimmt, äämol do hunne unn donn aach wieder do obbe zu soi.“

„Kumm Bub“ hann ich leis gesahd „es werd longsam kalt do drausse.“

Wie er zufridde vor mer hergesprunge iss, hann ich mer mim Ärmel ibbers Gsichd gefahre, weil mer Träne ibber die Backe geloff sinn. Aussem ääne Aach, weil ich on moin Babba gedenkt hann, aussem Annere, weil ich glicklich war, so en gescheite Bub zu hann.

Ostern

Du fragst mich, ob ich an die Auferstehung von den Toten glaube.

Weißt du, ich stelle mir den Jesus immer als einen Mann vor, der nichts Übermenschliches ausstrahlte, obwohl er Gottes Sohn war. Ich sehe in ihm jemanden, der ein offenes, freundliches Wesen hatte und der mit seiner klaren, überzeugten Sprache die Menschen dazu brachte, ihm zuzuhören. Wenn er die Mengen um sich versammelte und in seinen Gleichnissen das ganz normale Leben aufzeigte, um die Liebe Gottes zu erklären, dann fühlten die Menschen schon, dass ein ganz besonderer Mann zu ihnen sprach und wenn sie nach den Treffen mit ihm sich voller Mut und Trost ihrem Alltag zuwandten, dann war ihnen oft leicht zumute, weil sie die Liebe spürten.

Manchmal, da begegnen mir Menschen, die geben können, die für jeden ein Lächeln übrig haben und die soviel Liebe ausstrahlen, dass man sich sofort wünscht, von ihnen umarmt zu werden. Und dann stelle ich mir immer vor, dass er so gewesen ist, der Jesus und dass er mit seiner liebevollen Ausstrahlung in manchen Menschen soviel positive Energie auslösen konnte, dass sie ihre Leiden und Ängste und manche gar ihre schweren Behinderungen besiegt haben. Das waren die Wunder, von denen berichtet wird.
Weißt du, für mich ist es auch heute ein Wunder, wenn Vertrauen -und Vertrauen ist wohl die schönste Form der Liebe-, so groß ist, dass Menschen ihre Ängste und Leiden besiegen können.

Und jetzt, in der Osterzeit, da wird mir bewusst, welch schwere Aufgabe Gott seinem Sohn aufgebürdet hat, um den Menschen seine Liebe zu beweisen. Dass die Regierenden und die Priester seine Erfolge und seine immer größer werdende Anhängerschar mit Sorge und Missmut beobachtet hatten und ihnen letztendlich klar wurde, dass er untragbar für das bestehende System war, das verwundert mich nicht. Auch heute erlebe ich, dass Menschen, welche mit ihrer positiven Botschaft und ihrer Fähigkeit, zu begeistern, andere Menschen mitreißen und um sich scharen. Und manchem stößt plötzlich etwas zu. Namen wie John F. Kennedy, Martin Luther King und auch John Lennon drängen sich in meine Gedanken.

Die Momente seiner Hinrichtung sind mir schmerzhafter aber auch überzeugender Beweis dafür, dass Jesus ein sterblicher Mensch gewesen ist und, dass er im Sterben geschrieen und uns damit gelehrt hat, dass auch wir unseren Schmerz annehmen und hinausschreien dürfen.

Aber was?, frage ich mich schon manchmal, was ist in der Nacht zum Sonntag geschehen?
Scheitert da mein Glaube an das Natürliche in allem Göttlichen?
Ich glaube, dass das Vertrauen in den Vater so groß war, dass Jesus selbst den Tod besiegen konnte, weil die Liebe soviel positive Energie in ihm erzeugte.

Und weißt du, was für mich das Schönste an der Osterbotschaft ist?
Jesus konnte sich mit all den Wunden am Körper und in der Seele, auch wenn er Gottes Sohn ist, in die Obhut von Freunden geben, die voll von dieser mutigen, nichts fordernden Liebe waren.

Ich weiß, dass es solche Menschen auch heute noch gibt. In ihnen lebt er weiter und das Wort Auferstehung erhält für mich damit einen ganz besonderen Sinn.

Hühnertraum

stolz kräht der bunte Hahn
tut das, was er nur einzig kann
im großen Freigehege
auf das sich was bewege
im Korb mit dem Gelege

und jene die als Henne nie
bekommen hat, was er verspricht
die hadert nicht, übt gern Verzicht
auf so ein dummes Federvieh

denn so ein Hahn, der eins nur kann
der ist bestimmt kein Gentlemann
und flüstert ihr auch nie davor
ich liebe dich ins Hühnerohr
und stößt nicht mit Prosecco an

glaubt gar, sein Flattern wäre Fliegen
sie lässt ihn schrein mit rotem Kopf
sieht insgeheim im Suppentopf
ihn ohne bunte Federn liegen

ungefragt

Immer vorwärts, Schritt für Schritt
auf die Füße schaun, doch halt dich grad
such immer nur den ausgetretnen Pfad
gerate niemals aus dem Tritt

Und keiner fragte, ob ich wollte
als ich laufen lernen sollte

Immer vorwärts, Wort für Wort
sprich gewählt und klug und laut und rein
sag nie ich will und lass das Nein
rede nie am falschen Ort

Und Keiner fragte, ob ich wollte
als ich sprechen lernen sollte

Immer vorwärts, Jahr für Jahr
schreib das Wort, lies jenen Satz, lern diese Zahl
nicht was du denkst, was du lernst ist erste Wahl
frag nicht, was ist davon wahr

Und Keiner fragte, ob ich wollte
als ich wissen lernen sollte

Immer vorwärts, Ruf für Ruf
heb das Gewehr und triff fürs Vaterland
der Befehl alleine zählt, nicht dein Verstand
such nicht, was diesen Wahnsinn schuf

Und Keiner fragte, ob ich wollte
als ich schiessen lernen sollte

Immer vorwärts, Glück für Glück
bau dein Haus, zeug dein Kind und pflanz den Baum
verlier dich nicht im unerfüllten Traum
lern deinen Text und spiel dein Stück

Und Keiner fragte, ob ich wollte
als ich leben lernen sollte

Immer ruhiger, Blick für Blick
der Herbst hat reichlich Raum in den Gedanken
stillgelegte Gleise führn durch offne Schranken
versöhnt schau ich den Weg zurück

Und ich frag Keinen, was ich sollte
und leb den Rest, so wie ich wollte

Talsohle

Meine Schuhe wurden schwer. Wie ein Schwamm hatten sie sich auf dem matschigen Weg vollgesogen. Wenig später würden sie den Strümpfen und dann der Haut keinen Schutz mehr bieten. Kein Windhauch brachte die Tropfen aus ihrer Bahn. Unablässig fielen sie auf Buchenblätter, um das monotone Rauschen zu erzeugen, welches meine Unruhe verstärkte.

Wie ein befreiendes, reinigendes Weinen erschien mir der Regen, nicht traurig, sondern voller Trost. Ich wünschte mir, endlich wieder so weinen zu können. In den letzten Jahren war nur jenes trockene, quälende Weinen geblieben, bei dem die Augen brennen und der Körper sich wie im Fieber schüttelt.

An jenem Tag hatte Rebecca angerufen und mich zur Premiere ihres neuen Stückes eingeladen. Es war ihr erster Anruf seit einem Jahr. Rebecca hatte mich verlassen, weil sie unter meiner Melancholie litt und Angst davor hatte, dass ich sie in meine Welt aus dunklen Löchern und Schwermut ziehen könnte. Mit der Lüge, dass ich an dem Abend eine Lesung habe, lehnte ich ab. Als ich fragen wollte, wie es ihr geht, hatte sie bereits aufgelegt.

Danach saß ich vor den unzähligen Ausdrucken und handgeschriebenen Notitzblättern. Seit Monaten hatte ich nichts mehr geschrieben, was den Namen Autor zu Recht verdiehnt hätte. Die Stapel angefangener Gedichte und Textideen bedeckten meinen Schreibtisch. Lustlos blätterte ich in einigen Seiten. Ein Gedichtanfang trug den Titel: Am See. Meine Gedanken zeichneten sein Bild, wie er zwischen den Wiesenhügeln eigebettet lag. Völlig unspektakulär, eine graublaue Wasserfläche, kaum größer, als zwei Fußballfelder. Nur der Bootssteeg und der schmale Weg, welcher vom tausend Schritte entfernten Buchenwald herunterführte, zeugten davon, dass Menschenhände eingegriffen hatten.
Das Bild hielt nur Sekunden an, aber je mehr es verblasste, desto stärker wurde mein Wunsch, dort zu sein. Eine fremde Stimmung hatte mich erfasst. Es war nicht mehr das antriebslose Gelähmtsein der Depression, aber auch fern jeder Euphorie oder Vorfreude, eher ein Gefühl der Benommenheit. Ich fühlte mich, als sei eine große Glaskuppel über mich gestülpt. Das monotone Hin und Her der Scheibenwischer, der gleichmäßige Regen und die menschenleere Straße verstärkten auf der Fahrt zu dem Waldparkplatz diesen dumpfen Zustand.

Von weit erreichten mich Gedankenfetzen. Erinnerungen an meine Ehen und andere Beziehungen, immer waren sie an meiner Schwermut und der Bereitschaft Schuld zu fühlen gescheitert. Meine Misserfolge als Geschäftsmann zogen an mir vorüber. Ich war immer auf der Suche nach dem, was ich für Liebe hielt. Die Bestätigung, dass ich ein liebenswerter Mensch bin war mir wichtiger gewesen, als gesunder Erfolg, nichtahnend, dass ich meine Verantwortung für Famile und Mitarbeiter missachtete. Wieviele hatte ich verletzt? Wer sollte mir die Schuld vergeben?

Mittlerweile hatten nicht nur meine Schuhe, sondern auch der Rest der Kleidung den Kampf gegen den Regen verloren. Ich registrierte, dass meine Haut nass war, aber ich empfand weder Kälte noch Nässe als unangenehm. Es war ein Zustand, mehr nicht.

Dann lag er vor mir. Grau schimmerte die unbewegte Fläche, auf der die Regentropfen ein gleichmäßiges Muster zeichneten. Der Weg führte etwa hundert Meter weit am Ufer entlang.
Ich hoffte, eine Ente würde erschrocken hochfliegen oder wenigstens ein Frosch mit einem vernehmlichen Platsch ins Wasser springen. Es bleib still. Als ich den Bootssteeg betrat, knarrte
keines der alten Bretter. Am Ende des Steeges begann ich die Tiefe des Sees zu ahnen. Auf dem Grund musste es sicher geräuschlos und warm sein. Eine große Geborgenheit stellte ich mir dort unten vor. Der See würde mich umarmen und jede Erinnerung von mir fern halten.
Ein großes Verlangen erfasste mich, einfach hinunter zu gleiten und Ruhe zu finden.

Innerhalb von wenigen Minuten wurde der Regen schwächer und erste, zögernde Wellen kräuselten die Wasseroberfläche. Ein leichter Windhauch ließ mich spüren, dass meine Kleider vollkommen durchnässt waren. Ich zog mich aus und versuchte möglichst viel Wasser aus jedem Kleidungsstück zu wringen. Das Anziehen war unangenehm, aber ich spürte den mittlerweile auflebenden Wind weniger kalt.

Bevor ich den Buchenwald erreichte, drehte ich mich um. Das Bild hatte sich nicht verändert. Nur das Grau des See`s hatte einen Blauschimmer bekommen. Ich begann zu laufen, fiel mehrmals auf dem matschigen Weg zu Boden. Noch ausser Atem fuhr ich vom Parkplatz.

wer hat in mein Öhrchen?

die schönste Frau im ganzen Land
hat von meinem Teller reichlich viel
nicht nur vom Rand gekostet
und dann sich kräftig zugeprostet
die hat an meinem Becher nicht nur leicht genippt
erst klang iher Lachen zart duch die Gemächer
dann immer frecher
ist sie schlussendlich in mein kleines Bett gekippt

da stand ich nun mit meinen sechs Kollegen
und jeder hätte gern bei ihr gelegen
voller Lust
doch dann. ein derber Laut verlässt die Brust
schwillt an zu wüster Schnarcherei
da war bei sieben heiß verliebten Zwergen
jede Lust vorbei

und sieben Jungs, die hoffen bang
dass über garnicht lang
hinter sieben Bergen
ein Prinz hervorgeritten käme
und das wüste Witchen mit sich nehme

Sehnsucht nach Wahrheit

Weißt Du, immer wenn ich glaube, müde genug zu sein, um in einen traumlosen Schlaf zu finden, dann warten sie schon unter dem Kopfkissen, die Sehnsüchte. Und alle haben sie verschiedene Farben und ihre Melodien sind von ganz unterschiedlichem Klang.

Oft sind es wunderbare, bunte Bilder mit geliebten Zügen und leise Melodien, die meinen Leib spannen und mein Blut zum Pochen bringen. Ahnungsvolle Bilder, welche die Tiefe der Gefühle und das Begreifen und das Zulassen meines Körpers in glühende Momente tauchen.
Aber es sind nicht nur die bunten, die sinnlichen Bilder, welche meiner Brust tiefe Seufzer entlocken.

Es gibt Nächte, da hat die Sehnsucht eine dunkelblaue, schwere Farbe und klingt in tiefen, langen Tönen. Dann sehnt nicht der Körper, sondern die Seele.
Und glaub mir, solche Nächte sind jene, vor denen ich mich sehr fürchte. Oft ist das Verlangen, endlich zu verstehen und den Weg zu erkennen so groß, dass mir der Atem stockt.
Und während die Gedanken sich Schicht um Schicht in die Vergangenheit graben, zucken grelle, weißgelbe Schmerzblitze durch das Dunkelblau und die tiefen Töne wandeln sich in ein ohrenbetäubendes Pfeifen. Und gekrümmt höre ich hinein in die grellen Töne und versuche im gleißenden Licht der Blitze Bilder zu erkennen.
Wenn die Schmerzen abklingen und das Dunkelblau und die tiefen Töne zurück kommen, dann spüre ich, wie meine Seele in ihrer unerfüllten Sehnsucht aufbegehrt.

Weißt Du, in solchen Nächten muss ich an Moses denken, und an die Tafeln mit den Geboten. Dort steht, dass man nicht lügen soll.
Ich glaube, dass die Sehnsucht nach Wahrheit die tiefste und elementarste aller Sehnsüchte ist.
Und deswegen spüre ich, dass die vielen Lügen die Ursache aller Schmerzen sind. Jene, die wir erleiden und die unser Vertrauen Lüge für Lüge zerstören und jene, welche wir anderen antun und dabei Achtsamkeit und Liebe mit Füßen treten.
Und glaub mir, die grausamsten aller Lügen , jene, die wie Feuer auf der Seele brennen, das sind solche, die wir uns selbst antun. Aber um uns nicht mehr zu belügen, müssen wir die Angst besiegen.

Und weißt Du, manchmal da wartet eine ganz besondere Sehnsucht unter meinem Kopfkissen.
Sie ist glutrot und ihre Melodie gleicht heiligen Corälen. In solchen Nächten liege ich ganz ruhig auf dem Rücken und sehne mich danach, endlich so fest zu glauben, dass ich mutig in all meine Ängste fallen kann. Dann, weißt Du, dann brauch` ich niemals mehr lügen.

Heute

Gestern
lange her
zählt nicht mehr
allenfalls Erinnerungen
abgerungen

Morgen
hinterm Horrizont
fern und unbewohnt
lohnt dafür ein Traum?
kaum

Heute
denken und handeln
Dämonen in Elfen verwandeln
erleben mit allen Sinnen
und gewinnen

Magnolia

180px-Magnolia_BMKüber Knospen
rund und  fest
gleiten Blicke
und die Hand
sie lässt

samtnen Flaum
sanft erspüren
wie ein Traum
ist Berühren
wo die zarten
Häute im Verborgnen warten

und im Abendglühen
fühl ich dich bereit
öffnest leis das rosa Kleid
gern seh ich dich blühen