Wie alles begann

Meine Jungens wollten immer ein Pferd haben.

Scannen0015

„Na ja“, dachte ich, „fangen wir erst einmal klein an!“ und kaufte einen Wellensittich.

‚Kiki‘ hieß das Flattertier und da man die Jugend ja schon frühzeitig zur Tierliebe erziehen soll, kam der Vogelkäfig ins Kinderzimmer. Die Knaben waren begeistert, der Vogel eher weniger, denn er zeigte bald Anzeichen einer Persönlichkeitsspaltung. Zuweilen war er wirklich handzahm und ich konnte ihn vorsichtig streicheln. Dann wieder hackte er bei der kleinsten Annäherung um sich.

Als ich einmal überraschend das Kinderzimmer betrat, verstand ich dieses seltsame Verhalten. Johannes (mein Jüngstgeborener), damals noch im Kindergartenalter, hatte das Tier in seine Martinslaterne gestopft und trug ihn laut singend durch das Zimmer, während der Vogel verzweifelt versuchte, aus dem schaukelnden Gefängnis zu entkommen.

„Na wenigstens hat der die Laterne nicht auch noch angesteckt“, das war mein erster Gedanke.

Ich redete dem Knaben eindringlich ins Gewissen, was wenig Wirkung zeigte, denn ein paar Tage später erwischte ich den kleinen Tierquäler wieder.

Dieses Mal hatte er den Vogel am Schwanz gepackt und schwenkte ihn lustig lachend hin und her, während der völlig verzweifelte Kiki  versuchte, dem Knaben in die Hand zu hacken.

Ich muss zu meiner Schande gestehen, dass ich nicht an mich halten konnte und Johannes eine Ohrfeige verpasste. Der heulte auch gleich los, ließ aber wenigstens den seekranken Vogel fallen.

Also kam der Vogelkäfig samt Inhalt in die Küche und die Jungen verloren schlagartig jedes Interesse. Kiki führte hinfort ein stressfreies, aber uninteressantes Leben. Allerdings hatte er durch seinen Aufenthalt im Kinderzimmer irreparable psychische Schäden davongetragen. Er verließ seinen Käfig kaum noch und reagierte auf die Anwesenheit von Johannes mit lautem Gezeter.

Bleibt nur noch zu bemerken, dass der bedauernswerte Wellensittich ein gutes halbes Jahr später unserem (neuerworbenen) Dackel zu nahe gekommen ist und auf tragische Weise verstarb…

Zurück zur Erziehung der Jugend:  Dieses Projekt war gescheitert, aber ich gab nicht auf.

Was gibt es schöneres für ein Kind, als einen treuen Gefährten an seiner Seite zu haben, einen Freund, der mit ihm durch dick und dünn geht! Was lag also näher, als einen Hund anzuschaffen.

Zufällig ergab es sich, dass eine Bekannte ihren Dackel abgeben wollte…

… und so bin ich zu meiner Jeany gekommen.

Dackel003

Jeany

‚Pini vom Modestübchen‘ war damals ein Jahr alt und sehr gut erzogen. Für einen Dackel jedenfalls, denn diese Hunderasse ist bekanntlich ein wenig eigen und ziemlich dickköpfig.
Es war sofort Liebe auf den ersten Blick. ‚Jeany‘, wie ich den Hund umtaufte, war eigentlich von Anfang an mein Hund. Ich hatte als Kind nie ein Tier besessen und hätte mir nicht träumen lassen, wie bedingungslos man von einem Hund angenommen wird.
Klar habe ich oft genug vor einer Wiese gestanden und wutschnaubend auf meinen Dackel gewartet, der einem Karnickel auf den Fersen war und es nie gekriegt hat. Einmal hat sie es geschafft, sich derart in einem Karnickelbau zu verkeilen, dass wir sie ausgraben mussten!
Oder ich habe Jeany wieder einmal aus einem Güllehaufen gezogen, weil die Dackeldame sich ein neues Parfum zulegen wollte.
Auch weigerte sie sich grundsätzlich, bei Regenwetter das Haus zu verlassen und hätte lieber einen Darmverschluss bekommen, als sich auf die nasse Wiese zu setzen – schließlich war sie von Adel.Einer ihrer Vorfahren trug den ehrenwerten Namen “Waldmann von Hallali”.
Jeani hat alle Höhen und Tiefen mit mir erlebt, hat immer gemerkt wenn ich traurig, völlig nieder oder erschöpft war, setzte sich in solchen Situationen zu mir und versuchte mich zu trösten. Wie oft ich aus dem treuen Dackelblick und dem anschließenden, abgrundtiefen Seufzer neue Kraft geschöpft habe, kann ich gar nicht sagen.
Ich glaube, dass man ein solches Tier nur einmal im Leben hat.

Die Attacken meines Jüngstgeborenen ertrug Jeany mit Würde und wenn es gar zu arg wurde, dann zwickte sie ihn gehörig – was den Knaben dazu veranlasste, hinfort etwas vorsichtiger im Umgang mit dem Dackel zu sein.
Natürlich stellte er eine Menge Unfug mit dem Hund an. Einmal organisierte er tatsächlich einen Hahnenkampf. Will sagen einen Kampf Hahn versus Dackel.
Weiß der Geier, wo der Knabe den Hahn „ausgeliehen“ hatte. Johannes war schon von Kindesbeinen an sehr kreativ.
Jedenfalls muss er eine Menge „Publikum“ zusammengetrommelt haben und nahm (natürlich) Wetten an. Er hatte die Rechnung allerdings ohne die Hauptakteurin gemacht. Jeany musterte den wohl ziemlich aggressiven Gockel eindringlich und gab dann Fersengeld. Sie wird ihre Gründe gehabt haben.
Mein Kind, der kleine Mafiosi, hat anschließend noch lange auf sein Taschengeld verzichten müssen, denn Wettschulden sind schließlich Ehrenschulden….

Jeany hat mich 18 Jahre lang begleitet und als sie nicht mehr leben wollte, habe ich versucht für sie da zu sein. Ich habe die bisher schwerste Entscheidung meines Lebens getroffen und sie bis zum Ende im Arm gehabt, gestreichelt und getröstet. Sie ist ganz friedlich eingeschlafen.

Irgendwann, Jeany war schon ganz altersgrau und schwerhörig, hatte mein Liebster eine richtig gute Idee.
„Was würdest du davon halten, wenn wir uns noch einen Jungdackel zulegen? Jeany ist schließlich schon ein Jahr gewesen, als du sie bekommen hast. Ihre Erziehung war abgeschlossen. Einen Welpen könnten wir uns selbst erziehen!“
Der Mann, der es nicht fertig bringt, unseren Kindern irgendeine Bitte abzuschlagen wollte also erzieherisch tätig werden….
„Warum nicht“, sagte ich. Was dazu führte, dass wir ein neues Familienmitglied bekamen.

2

Murphy

Dackel Murphy ist inzwischen 4 Jahre alt. Er kam als Welpe von 6 Wochen zu uns. Dieses Mal hat mein Rob unser neues Familienmitglied ausgesucht. Allerdings ist nicht ganz klar wer hier wen aussuchte, denn Murphy ist sofort auf uns zugestürzt und hat sich intensiv mit unseren Schuhen beschäftigt.

Murphy ist zu einem selbstbewussten, aber lieben Rüden herangewachsen, der unsere Kapriolen mit einer gesunden Portion Gelassenheit  erträgt.

So und jetzt kann es losgehen…..

Dackel


  • Auf die Idee, einen Wellensittich als Pferdersatz zu kaufen, muss man auch erstmal kommen ;-)
    Herzlich willkommen bei den Netzkritzlern!

    • Hi Andrea, na ja – “Tier ist Tier” dachte ich. War ja noch jung und unerfahren!!!
      Danke für die Hilfe!!
      LG

  • Oh Gott, wie wird es dem armen Dackel ergehen!! Bei euch geht es ja mörderisch zu! ;)
    Freu mich auf die Fortsetzung, herzlich Willkommen!

    • Hi Mum Pitz, jep – total mörderisch! Seit wir ne Katze haben, pflastern lauter Mäuseleichen unsere Terrasse……
      Danke für die nette Hilfe!!!
      LG

  • Warum kommen so viele Mütter eigentlich immer auf die gleiche glorreiche Idee?!
    Da wünscht kind sich Freiheit und Abenteuer auf dem Rücken eines warm und weich pelzigen Pferdes – und dann bekommt es so ein kreischendes und hackendes Federvieh, bei dem noch nicht einmal das Fenster geöffnet werden darf, damit es nicht schnurstracks davon fliegt … und einem zeigt, wie wenig es an einem hängt!
    Ich fand mich in deinen Söhnen gänzlich wieder ;o)

    • Hallo Fritzi, wie wahr, wie wahr! Aber auch wir Eltern sind lernfähig! Bei den Kindern hat es nur zum Dackel gereicht, aber falls ich mal Enkel kriege……..;-)))
      LG

  • der Kinder Freud – der Mütter Leid :smile:
    bin auch schon sehr gespannt auf den “Leidensweg” von Jeany…

    • Hi Manu, das klingt nach “Wellensitticherfahrung”??
      LG

      • jau – vonne Stange gefallene, einfach so – versteht sich ;-)
        Mäuschen Katze Hunde – das Pferd war aber nur geliehen
        :-D

        und Koka – ja!!! Eltern sind lernfähig – wenn vielleicht auch manchmal langsam…

  • Ein Wellensittich für Kinder? Absurd. Selbst manch Erwachsener kann den Piepsern nichts abgewinnen. Ich bin überhaupt dagegen, Kindern Tiere anzuvertrauen und schon gar nicht solche, die sie eh nicht wollen. Eltern sind lernfähig? Mh!! Okay, wenn lernfähig bedeutet, nach dem Erwerb eines Sittichs, einen Dackel zu kaufen, ist die Lernfähigkeit tatsächlich überschaubar. Witzige, bissige, Geschichte. Aber nicht frei erfunden, oder? Koka

    • Nana, ma nich so bissig. Meine Geschichten sind selten frei erfunden. Aber sie sind natürlich auch nie wirklich so passiert. Wie das so ist mit dem Körnchen Wahrheit….In erster Linie sollen sie Spass machen!
      LG

  • bei uns waren die wellensittiche hamster – und auch pferdeersatz. die große (damals 3) kam eines schönen sonntags kurz nach sieben an mein bett – knallte mir den plattgedrückten hamster aufs bett und sagte: hamster putt. – sie hat versucht auf ihm zu reiten. :-(

    • Tja,die süßen Kleinen….ne Hamstergeschichte kann ich auch beitragen: Meine Nichte hatte ein solches bedauerswertes Geschöpf – dem hat sie eines schönen Tages den Pelz gewaschen und ihn anschließend trocken geföhnt. Der arme Hamster ist wohl an einem Herzinfarkt gestorben, denn meine Schwägerin konnte nur nich sein tragisches Ableben feststellen…….

  • Der ARME Hamster!