Dackelliebe
Der Dackel Murphy ist gewitzt,
zuweilen grinst er frech-verschmitzt.
Dann ist der große Coup gelungen,
die Speisekammertür bezwungen.
Dahinter hängen gute Sachen,
die Leib und Seele Freude machen.
Drum isst er, was das Herz begehrt
und was ansonsten ihm verwehrt.
Die Folge dieser Freveltat
bleibt ihm natürlich nicht erspart,
doch denkt er: „Herrchen, bleib mal taff,
den Schinken hab ich nicht geschafft.“
Ansonsten ist der Dackel brav,
genießt die Ruhe und den Schlaf.
Von ausgeglichenem Temperament,
hat er das Meiste schlicht verpennt.
Doch wird selbst er zuweilen wach,
vergisst das Futter und den Schlaf:
wenn laue Lüfte lockend weh ’n,
allüberall die Blümchen stehen,
die Bienen summend Nektar sammeln,
der Jüngling öfter kommt ins Stammeln,
Steckt Dackels Nase in der Luft
und wittert ganz besonderen Duft.
Die holde Weiblichkeit, sie lockt,
des Rüden Atem plötzlich stockt:
Wie zauberhaft kann sie nur sein,
wenn ihr Geruch so wunderfein.
Er folgt den Spuren ganz verzückt,
wird schier vor Aufregung verrückt.
Hier muss es sein, der Duft betört,
der Dackel ist bereit für ’n Flirt.
Drängt sich erregt durchs Gartentor,
wie Romeo kommt er sich vor.
Die Tür geht auf und Julien naht,
ihr Romeo verzückt erstarrt-
was allerdings nicht lange währt!
„Was stimmt hier nicht, was ist verkehrt?“
Dies dralle Weibchen geifert, tobt,
ist riesig, hässlich, schon verlobt.
Ihr Freier folgt ihr, knurrt und spricht
„Verschwinde schnell, du kleiner Wicht.
Dies Weibchen hier ist nichts für dich,
denn es steht einzig nur auf mich.
Wenn du dich nicht von hinnen machst,
so kriegst du kräftig was aufs Dach.“
Die Argumente überzeugen,
und Murphy muss sich ihnen beugen.
Er zieht von dannen, ist geknickt,
Tristesse ist da, wohin er blickt.
„Der Liebe will ich nun entsagen
und denk‘ forthin nur an den Magen.
Was nutzt der schönste Zauberduft,
wenn er nichts ist, als heiße Luft!“
Spricht er zu sich und geht nach Haus‘,
schläft sich von seinem Kummer aus.
Drum merke: wenn die Lüfte schwirren,
Und Düfte dich vielleicht verwirren.
Wenn Hummeln brummeln, Blumen blühen,
des Jünglings Wangen sachte glühen,
die Nächte lau, die Sterne blinken,
und Mädchen lachend nach dir winken,
dann prüfe langsam, mit Bedacht,
ob neue Liebe glücklich macht.
Anthologie “Trübsalkiller”, erscheint in Kürze im Wendepunktverlag

Songline
24. Jul 2011
Wie heißt es so schön: Versuch macht kluch
Hab dein witzig verdichtetes Hundeabenteuer gern gelesen.
Mumpitz
25. Jul 2011
Oh, mit Moral! Ok, ich merke! Nette Zeilen!