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	<title>Herzflüstern &#187; Kurz erzählt</title>
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		<title>Der Fund im Forst</title>
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		<pubDate>Sat, 19 May 2012 19:18:22 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Songline</dc:creator>
				<category><![CDATA[Bilder zaubern Worte]]></category>
		<category><![CDATA[Kurz erzählt]]></category>
		<category><![CDATA[Ferrari]]></category>
		<category><![CDATA[Fuß]]></category>
		<category><![CDATA[Raub]]></category>
		<category><![CDATA[Überfall]]></category>

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		<description><![CDATA[„Verdammt nochmal!“ Mucke fluchte laut vor sich hin, nachdem er sich von dem ersten Schreck erholt hatte. Es wäre besser gewesen, Rocky nicht von der Leine zu lassen, aber er konnte doch nicht damit rechnen, dass der Pit Bull ihm einen Fuß anbringen würde. Aus der Ferne hatte er es für ein Teil einer Schaufensterpuppe [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>„Verdammt nochmal!“ Mucke fluchte laut vor sich hin, nachdem er sich von dem ersten Schreck erholt hatte. Es wäre besser gewesen, Rocky nicht von der Leine zu lassen, aber er konnte doch nicht damit rechnen, dass der Pit Bull ihm einen Fuß anbringen würde. Aus der Ferne hatte er es für ein Teil einer Schaufensterpuppe gehalten, aber nun, da Rocky unmittelbar vor ihm stand, blickte Mucke auf ein Stück Fleisch mit seltsam verformten Zehen. Übelkeit stieg in ihm hoch und er wandte sich ab. Rocky ließ sich davon keineswegs beirren und sprang schwanzwedelnd um ihn herum, so dass Mucke der erneute Anblick einzelner Sehnen, Muskeln und hervorstehender Knochen nicht erspart blieb. „Rocky! Aus!“ Der Hund gehorchte aufs Wort und legte seinen Fund ab. </p>
<p>Mucke entfernte sich ein paar Schritte. Das hatte ihm gerade noch gefehlt. Die Polizei war ihm auf der Spur, da konnte er unmöglich diesen Fund melden. Erstens würden sie ihn dann verhaften und ihm zweitens womöglich noch einen Mord anhängen, wo er doch nur …<br />
„Stopp“, unterbrach Mucke seinen eigenen Gedankenstrom. Gehörte der Fuß überhaupt zu einer Leiche? Eigentlich sah er ja noch recht frisch aus, als ob er eben erst … Hatte etwa Rocky …? Mucke ging zurück und betrachtete den Fuß genauer. Die Abdrücke von Rockys Zähnen waren deutlich zu erkennen, kein Wunder, schließlich hatte er den Fuß hierher gebracht, wie er es sonst mit dicken Stöcken tat. Aber es sah nicht so aus, als hätte Rocky den Fuß abgetrennt. „Gottseidank“, schoss es Mucke durch den Kopf.<br />
<span id="more-1107"></span><br />
Was nun? Eines war klar: Der Fuß musste weg. Mucke konnte ihn unmöglich mitten auf dem Weg liegenlassen, wo auch Familien mit Kindern spazieren gingen. Die würden sich zu Tode erschrecken. Das Beste wäre, Rocky brächte den Fuß dahin zurück, wo er ihn gefunden hatte. Aber wo zum Teufel war das? Mucke ließ Rocky an dem Fuß schnüffeln und befahl: „Such!“ Leider war der Pit Bull kein ausgebildeter Spürhund und so blieb er einfach schwanzwedelnd sitzen, was Mucke zu einem erneuten „verdammt“ veranlasste.  </p>
<p>Mucke sah sich um, rupfte das riesige Blatt einer Waldstaude ab, hob den Fuß damit hoch und ging in die Richtung, aus der Rocky gekommen war. Dieser trottete brav neben ihm her, bis er plötzlich scharf nach rechts ins Unterholz abbog. Dann bellte er kurz. Mucke kämpfte sich durch tiefe Äste und Gestrüpp. Auch wenn er die Leiche nicht finden würde: Hier konnte er zumindest den Fuß loswerden. Als er Rocky erreichte, stockte ihm der Atem. Neben dem Hund lag, nur mit Unterwäsche bekleidet, ein Mann, der aufstöhnte, als er Mucke erblickte. Dem blieb nun keine Wahl mehr: Er nahm sein Handy und wählte den Notruf. Dann wandte er sich wieder dem Mann zu.<br />
„Keine Angst, gleich kommt Hilfe. Mucke zog seinen Gürtel aus den Hosenschlaufen und band dem Mann das Bein ab, um die Blutung zu stillen. Dann legte er ihn auf die Seite und tastete nach dem kaum spürbaren Puls.<br />
„Gerhard Berger“, flüsterte der Mann. „Ich bin Gerhard Berger.“<br />
„Ganz ruhig, Herr Berger, strengen Sie sich nicht an.“<br />
„F 40, 100.000, Schneider.“<br />
„Nicht sprechen, schonen Sie Ihre Kräfte.“<br />
„Überfall.“<br />
„Bleiben Sie ruhig, gleich kommt Hilfe.“<br />
Herr Berger stöhnte auf.<br />
„Oh, wie konnte ich das nur vergessen. Ihnen ist kalt, oder?“ Mucke zog seine Jacke aus und legte sie Herrn Berger über.<br />
„F 40, 100.000, Schneider“, stammelte dieser und wurde bewusstlos. </p>
<p>Mucke brachte Rocky auf den Weg und ließ ihn dort ablegen, damit der Notarzt Herrn Berger finden konnte. Als er zu diesem zurückkehrte, fühlte er keinen Puls mehr. Während Mucke noch überlegte, ob er mit einer Herzmassage beginnen sollte, kamen die Rettungskräfte. „Er heißt Gerhard Berger.“ Mehr konnte Mucke nicht sagen. Die ganze Situation hatte ihn doch ziemlich überfordert. Erst der Fuß, dann der halbnackte Herr Berger, jetzt dessen Leiche – so hatte sich Mucke seinen Vormittag nicht vorgestellt . Als die Sanitäter den Defibrillator brachten, kroch Mucke aus dem Unterholz. Das musste er sich nicht auch noch ansehen. Er nahm Rocky an die Leine und machte sich auf den Weg nach Hause. Dass Herr Berger wiederbelebt und mitsamt seinem Fuß ins Krankenhaus gebracht wurde, bekam Mucke schon nicht mehr mit. </p>
<p>„Überfall im Forst!“ prangte am nächsten Morgen von der Titelseite der Tageszeitung. „Wer schlug dem Opfer den Fuß ab? Zeuge dringend gesucht!“ Mucke legte 50 Cent auf den Tresen des Kiosks und wunderte sich zuhause über die Berichterstattung. Demnach war der Geschäftsmann Gerhard B. am Vortag nackt im Wald aufgefunden worden und lag nun im Koma. Offensichtlich handele es sich um einen Überfall, denn man habe ihm die Zehen gebrochen und anschließend den Fuß abgehackt. Der Zeuge, der das Opfer gefunden habe, werde gebeten, sich mit der Polizei in Verbindung zu setzen. „Ihr könnt mich mal“, dachte Mucke, „der Kerl ist versorgt und gut.“ Zum Tathergang konnte er ja wirklich keine Angaben machen. Die Reporter wussten auch noch zu berichten, dass Herr B. am Vortag 100.000 Euro von der Bank abgeholt habe und von dem Geld nun jede Spur fehle. „100.000“, dachte Mucke, „die könnte ich auch gebrauchen.“ Und er fragte sich, wie jemand so blöd sein könne, mit so viel Bargeld durch die Gegend zu laufen. </p>
<p>Dann fiel ihm das Gestammel von Herrn Berger wieder ein. „F 40, 100.000, Schneider“, hatte er gesagt. F 40? Ein Ferrari? Wollte Herr Berger ein Auto kaufen und hatte deswegen so viel Geld bei sich? Man hörte doch jetzt so viel von Betrügern, die arglose Interessenten zur Probefahrt einluden und dann ausraubten. Muckes kriminalistisches Gespür erwachte. Er recherchierte im Internet und fand tatsächlich einige F 40, die zum Verkauf standen, davon zwei ganz in der Nähe. Mucke packte ein paar Sachen in seinen Rucksack, machte sich auf den Weg zu einer öffentlichen Telefonzelle und rief die Verkäufer an. Beim zweiten hatte er Glück.<br />
„Schneider“, meldete sich der Mann am anderen Ende.<br />
„Das mit dem Fuß war ein Fehler“, sagte Mucke.<br />
Herr Schneider schwieg einen Moment. Dann fragte er: „Was wollen Sie?“<br />
„Die 100.000 und den Wagen.“<br />
„Ich weiß nicht, wovon Sie sprechen.“<br />
„Die Polizei wird es wissen.“<br />
„Wer sind Sie?“<br />
„Das tut nichts zur Sache. Bringen Sie den Wagen in das Parkhaus am Hauptbahnhof. Packen Sie das Geld in einen Stoffbeutel, den Beutel in einen Aktenkoffer. Mit dem Koffer gehen Sie zur Herrentoilette unter Gleis 3. Verbergen Sie den Beutel dort im Papiermüll und steigen Sie mit dem Koffer in den Zug um 10.55 Uhr nach Köln. Wenn ich Sie nicht abfahren sehe, rufe ich um 10.56 Uhr die Polizei an.“<br />
„Sie sind ja verrückt!“ Herr Schneider wurde laut.<br />
„Sie haben noch 25 Minuten, um zum Bahnhof zu kommen.“ Mucke legte auf und schlenderte binnen zehn Minuten zu seinem Ziel. Aus einem sicheren Versteck heraus beobachtete er gespannt die Herrentoilette. Er musste nicht lange warten. Schon bald darauf kam ein Mann mit Anzug und Aktenkoffer, ging hinein,  kam wieder hinaus und stieg dann die Stufen zu Gleis 3 hinauf. Mucke wartete, bis der Zug nach Köln abgefahren war, und holte das Geld aus der Toilette.<br />
„Venedig bitte“ sagte er auf die Frage des Schalterbeamten, wohin er denn fahren wolle.<br />
„Mit Rückfahrt?“<br />
„Ja, mit Rückfahrt. Ich bleibe eine Woche.“<br />
„141,30 Euro bitte. Die Rückfahrt ist ein Sparpreis. Der Zug geht um 11.31 Uhr von Gleis 7.“<br />
Mucke zahlte, ging zu den Telefonen und rief die Polizei an. „Im Bahnhofsparkhaus steht ein Ferrari F 40.“<br />
„Ja, und?“, fragte der Beamte.<br />
„Ich wette, da stimmt was nicht. Haben Sie schon mal einen Ferrari in einem Bahnhofsparkhaus gesehen? Der Kerl, der da ausgestiegen ist, sitzt im 10.55 Zug Richtung Köln.“<br />
„Und wer sind sie?“<br />
„Der Penner, der den Kerl gesehen hat.“ Mucke legte auf, ging zum Bahnsteig und stieg in den Zug Richtung Venedig. </p>
<p>„Das gibt`s doch nicht!“, rief Kalle aus und Rocky spitzte die Ohren. „Weißt du, wo Mucke ist? In der Karibik!“ Kalle drehte die Postkarte in seinen Händen und atmete erleichtert aus. Er hatte sich schon Sorgen gemacht. Seit dem Tag, als Mucke seinen Hund ausgeführt hatte, hatte er nichts mehr von ihm gehört. Aber die Polizei war da gewesen und hatte gefragt, wo Rocky an diesem Tag gewesen war und ob Kalle etwas von dem Überfall im Forst wisse, was er verneinte. Dann waren Reporter gekommen und hatte ihm überall aufgelauert. Schließlich stand ein Herr Berger vor der Tür und bat darum, Rocky ansehen zu dürfen. Der Pit Bull hatte ihn schwanzwedelnd begrüßt.<br />
 „Ohne Ihren Hund wäre ich tot“, hatte Herr Berger erzählt. „Ich wollte einen F 40 kaufen und nahm die Anzahlung mit zur Probefahrt. Wir fuhren auf die Autobahn und durch die Stadt, bis Herr Schneider in den Forst abbog und sagte, er müsse mal ein Geschäft erledigen. Als ich auch ausstieg, schlug er mich nieder, schleppte mich ins Gebüsch und zog mich bis auf die Unterwäsche aus. Ich war halb bewusstlos und bekam kaum mit, dass er mir den Fuß abschlug, wohl damit ich nicht fliehen und ihn verraten konnte. Hätte Ihr Hund nicht mit dem Fuß Hilfe geholt, wäre ich wohl zu spät gefunden worden. Ich habe viel Blut verloren, wissen Sie?“<br />
„Das kann ich mir denken.“<br />
„Ich habe einige Erinnerungslücken, aber ich weiß noch alles bis zu dem Moment, als der Hund kam. Die Polizei hat Herrn Schneider und den Ferrari gefunden, aber mein Geld nicht. Wissen Sie, das Geld ist mir egal, Hauptsache, ich lebe. Ich möchte mich dafür erkenntlich zeigen, dass ihr Hund mich gerettet hat.“ Mit diesen Worten hatte Herr Berger Kalle einen Umschlag überreicht und ihm zugezwinkert. „Es sind 9.900 Euro. 10.000 Euro müssten gemeldet werden, Sie wissen schon, Geldwäschegesetz. Ich hoffe nur, dass man den Mann findet, der den Ferrari im Bahnhofsparkhaus gemeldet hat. Durch ihn ist die Polizei auf die Spur von Herrn Schneider gekommen. Ich würde mich auch gern bei ihm bedanken.“ Mit diesen Worten hatte sich Herr Berger verabschiedet. </p>
<p>„Mensch, Mucke!“ Kalle wendete die Postkarte mehrfach hin und her. Auf der Vorderseite war ein Palmenstrand, auf der Rückseite stand: „Ich lege die Füße hoch. Grüß Rocky. Mucke“ Wie immer es der Kerl angestellt hatte, das Dankeschön von Herrn Berger war wohl bei ihm angekommen.</p>
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		<title>Über den Hügel</title>
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		<pubDate>Tue, 15 May 2012 17:00:58 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Songline</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kurz erzählt]]></category>

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		<description><![CDATA[Ich kam lange nicht mehr über den Hügel gefahren. Ich erblicke den Kirschbaum jenseits des Tales: mein Ort glücklicher Kindertage, mein Schutz, meine Welt, Start- und Zielpunkt aller Traumreisen, Ausguck auf die sonnengetauchten Felder ringsherum. Der Baum am Hang, in dem du mich fürs Leben lernen ließest; darüber das Haus. Deine Wäsche hängt nicht mehr [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ich kam lange nicht mehr über den Hügel gefahren. Ich erblicke den Kirschbaum jenseits des Tales: mein Ort glücklicher Kindertage, mein Schutz, meine Welt, Start- und Zielpunkt aller Traumreisen, Ausguck auf die sonnengetauchten Felder ringsherum. Der Baum am Hang, in dem du mich fürs Leben lernen ließest; darüber das Haus. Deine Wäsche hängt nicht mehr am Pääsch neben der Scheune. Darin hast du auf dem  Holzfeuer das Wasser erhitzt, das zum Waschen ebenso wie das für den Zinkzuber, in dem wir gebadet wurden. Und auch das für die Rübenschnitzel, deren Geruch mir wohlwollend durch die Nase streicht. </p>
<p>Ich fahre den Hügel hinunter, durch die Senke und dann rechts die Straße hoch, die auf das Haus zuführt. Du kommst über den Hof, wischst dir die Hände an der Schürze ab und begrüßt uns mit einer Herzlichkeit, die ich von niemandem sonst kenne. Ich bleibe zwei Wochen in eurem Haus, dessen Tür direkt in die Küche führt, das klein ist und kein separates Bett für mich hat und kein Bad, aber das ich heute noch nenne, wenn man mich fragt, was für mich Heimat ist. Die Heimat im Haus warst du.<br />
<span id="more-1101"></span><br />
Ich kam lange nicht mehr über den Hügel gefahren. Seltsam, nicht zum Haus abzubiegen, sondern der Straße zu folgen, dort vorbei, wo früher der Laden war und der Schuster, um dann auf die Kirche zuzufahren, die über dem Unterdorf thront. Eines ist geblieben, von damals: Es kommen noch immer alle zusammen, wenn es Abschied zu nehmen gilt, diesmal von dir. Unter den Rasen möchtest du, hast du gesagt, weil es so praktisch ist und es niemandem Arbeit macht. Doch ich sehe dich immer noch über den Hof kommen und die Hände an der Schürze abwischen, um mich zu begrüßen. </p>
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		<title>Aufbruch!</title>
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		<pubDate>Fri, 20 Apr 2012 16:29:13 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Songline</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kurz erzählt]]></category>

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		<description><![CDATA[„Aufbruch!“, hast du gesagt. Würdest du mich fragen, wohin, würde ich dir von dem Haus mit der roten Tür und den Sprossenfenstern erzählen, aus Naturstein gebaut und mit Gauben im Dach. Der Blick von dort geht über die weite Bucht auf die andere Seite, wo der nackte Fels die Landschaft prägt. Im Westen kannst du [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>„Aufbruch!“, hast du gesagt. Würdest du mich fragen, wohin, würde ich dir von dem Haus mit der roten Tür und den Sprossenfenstern erzählen, aus Naturstein gebaut und mit Gauben im Dach. Der Blick von dort geht über die weite Bucht auf die andere Seite, wo der nackte Fels die Landschaft prägt. Im Westen kannst du die drei Inseln sehen, auf einer blickte ich von den Klippen ins Meer hinab, bäuchlings liegend, den Wind im Gesicht. Dort träume ich mich hin.</p>
<p>„Aufbruch!“, sagtest du und meintest im Hier und Jetzt und meintest es gut. Während ich mir online das Haus ansehe, das noch immer zum Verkauf steht, läuft mein Hier und Jetzt an mir vorbei und ich weiß es. „Real“ höre ich seit Tagen schon, von ihm, von ihr, von dir. Und nun, da ich es dir schreibe, sehe ich: Es ist kein Oder. Nicht: träumen oder leben. Sondern leben im Hier und Jetzt, bis ich das Haus erreiche, von dem ich träume. </p>
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		<title>Markttag</title>
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		<pubDate>Sun, 08 Apr 2012 07:37:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Songline</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kurz erzählt]]></category>

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		<description><![CDATA[Mit pochenden Herzen erreichten sie den Hinterhof.
„Meinst du, es hat jemand gesehen?“
„Egal, wir haben ihn.“
„Aber wenn nun doch …?“
„Der ist es wert.“
Die beiden Kinder starrten auf ihr Diebesgut.
„Du zuerst.“
„Okay.“
Es war nicht der Hunger, der sie trieb.  Nur die Neugier auf die Sorte, die Mutter nie kaufte, und die Spannung, etwas Verbotenes zu tun.
Sie teilten [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Mit pochenden Herzen erreichten sie den Hinterhof.<br />
„Meinst du, es hat jemand gesehen?“<br />
„Egal, wir haben ihn.“<br />
„Aber wenn nun doch …?“<br />
„Der ist es wert.“<br />
Die beiden Kinder starrten auf ihr Diebesgut.<br />
„Du zuerst.“<br />
„Okay.“<br />
Es war nicht der Hunger, der sie trieb.  Nur die Neugier auf die Sorte, die Mutter nie kaufte, und die Spannung, etwas Verbotenes zu tun.<br />
Sie teilten gerecht.<br />
Doch der Apfel schmeckte ihnen nicht. </p>
]]></content:encoded>
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		<title>Odem</title>
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		<pubDate>Fri, 06 Apr 2012 16:59:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Songline</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kurz erzählt]]></category>

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		<description><![CDATA[Ich atmete den Frühlingsduft, der noch Winter trug, und spürte im sonnigen Abendlicht den Graupel des nächsten Morgens. Doch diesem Tag folgte ein nächster. Über die weißen Pfade bin ich gezogen, um zu den grünen zu gelangen. Die Schatten am Abgrund hielten mich nicht auf. Und stehe ich einst am Ort, der allen Fragen Antwort [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ich atmete den Frühlingsduft, der noch Winter trug, und spürte im sonnigen Abendlicht den Graupel des nächsten Morgens. Doch diesem Tag folgte ein nächster. Über die weißen Pfade bin ich gezogen, um zu den grünen zu gelangen. Die Schatten am Abgrund hielten mich nicht auf. Und stehe ich einst am Ort, der allen Fragen Antwort ist, wird die Geschichte mein Richter sein.</p>
]]></content:encoded>
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		<title>Süße Versuchung</title>
		<link>http://netzkritzler.de/herzfluestern/2012/04/suse-versuchung/</link>
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		<pubDate>Wed, 04 Apr 2012 16:01:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Songline</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kurz erzählt]]></category>

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		<description><![CDATA[Auf dem Picknicktisch im Wald lag Schokoladenpapier. Jemand hatte es mit einem Stein beschwert und war gegangen. Als Herbert und Gertrud den Platz erreichten, schüttelte Herbert den Kopf und entsorgte das Papier im Müllbehälter. Den Stein, einen runden Flusskiesel, nahm sich Gertrud als Handschmeichler in ihre Jackentasche. 
Am Abend zuvor war Josy hier gewesen. Was [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Auf dem Picknicktisch im Wald lag Schokoladenpapier. Jemand hatte es mit einem Stein beschwert und war gegangen. Als Herbert und Gertrud den Platz erreichten, schüttelte Herbert den Kopf und entsorgte das Papier im Müllbehälter. Den Stein, einen runden Flusskiesel, nahm sich Gertrud als Handschmeichler in ihre Jackentasche. </p>
<p>Am Abend zuvor war Josy hier gewesen. Was wohl von ihr bliebe, wenn sie ginge, hatte sie sich gefragt und die letzte Reihe Cacaoyere Esmeraldas ausgepackt. 71% Cacaoanteil.  Der Blick des grünen Papageis auf dem Papier war mit der zarten Versuchung verschmolzen und beide erzählten von Ecuador. </p>
<p>Es war niemand mehr da, um den sie sich kümmern musste. Mit dem letzten Stück Schokolade hatte Josy beschlossen, ihrer Sehnsucht nachzugeben.  Das Papier ließ sie mit der Vorstellung zurück, dass der geheimnisvolle Blick des Papageis auch jemand anderen in die Ferne zog. </p>
<p>Daran dachte sie, als sie lächelnd in ihr Flugzeug stieg. Zur gleichen Zeit wurde das Papier ordnungsgemäß entsorgt.  </p>
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		<title>Die Schuld</title>
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		<pubDate>Sat, 31 Mar 2012 22:01:53 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Songline</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kurz erzählt]]></category>

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		<description><![CDATA[Sie nahm das Brett und setzte die Figuren, auf die eine Seite zwei weiße Löwen, auf die andere drei Graue im Kreis, dazwischen die Reihe der Schwarzen, die das Schicksal lenkten. In Gedanken spann sie Fäden, fügte bei den Löwen zwei Figuren hinzu und wob nun aus allen ein Geschehen. Dann trat sie zurück. 
Nur [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Sie nahm das Brett und setzte die Figuren, auf die eine Seite zwei weiße Löwen, auf die andere drei Graue im Kreis, dazwischen die Reihe der Schwarzen, die das Schicksal lenkten. In Gedanken spann sie Fäden, fügte bei den Löwen zwei Figuren hinzu und wob nun aus allen ein Geschehen. Dann trat sie zurück. </p>
<p>Nur im Abstand wird der Blinde sehend.</p>
<p>Die weiße Löwin schmiegte ihren Kopf an die Schulter des Löwen und begab sich an den Rand des Feldes. Ein Grauer kam auf sie zu und blieb vor ihr stehen, nahe genug, um sich in ihren Augen zu spiegeln.  „Erkennst du mich?“, fragte er. „Der Löwe schweigt“, antwortete sie. Er senkte den Kopf. „Und nun?“, flüsterte er. Die Löwin blickte zurück und sah den Löwen nicken. Dann sagte sie: „Nun wird es gut.“</p>
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		<title>Rot &#8211; gelb &#8211;</title>
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		<pubDate>Tue, 27 Mar 2012 17:02:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Songline</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kurz erzählt]]></category>

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		<description><![CDATA[Eines Tages beschloss das grüne Ampelmännchen, einfach über die Straße zu laufen. Dort angekommen, kletterte es am Mast hoch, umarmte das rote Ampelmännchen und sagte ihm Adieu. Dann verschwand es im Stadtpark und wurde nie wieder gesehen.
]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Eines Tages beschloss das grüne Ampelmännchen, einfach über die Straße zu laufen. Dort angekommen, kletterte es am Mast hoch, umarmte das rote Ampelmännchen und sagte ihm Adieu. Dann verschwand es im Stadtpark und wurde nie wieder gesehen.</p>
]]></content:encoded>
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		<title>Walgesang</title>
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		<pubDate>Sat, 24 Mar 2012 06:23:29 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Songline</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kurz erzählt]]></category>
		<category><![CDATA[Hilflosigkeit]]></category>

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		<description><![CDATA[Als ich dich nackt auf dem Tisch sitzen sah, zusammengekauert, den Blick ins Leere gerichtet, zog ich mich zurück. Drei Atemzüge lang hörte ich Wale singen, sah eine Fluke aufsteigen und wieder im Meer versinken. „Gleich bläst er“, wusste ich, und als er es tat, trat ich wieder in dein Zimmer. 
Du wiegtest dich in [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Als ich dich nackt auf dem Tisch sitzen sah, zusammengekauert, den Blick ins Leere gerichtet, zog ich mich zurück. Drei Atemzüge lang hörte ich Wale singen, sah eine Fluke aufsteigen und wieder im Meer versinken. „Gleich bläst er“, wusste ich, und als er es tat, trat ich wieder in dein Zimmer. </p>
<p>Du wiegtest dich in ungewolltem Sein. „Wie kann ich …“, fragtest du und hieltest inne.<br />
„Was?“, flüsterte ich.<br />
„Damit leben.“<br />
Ich wünschte, ich hätte eine Antwort gewusst. </p>
]]></content:encoded>
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		<title>Jenseits von Marathon</title>
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		<pubDate>Sat, 17 Mar 2012 09:28:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Songline</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kurz erzählt]]></category>

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		<description><![CDATA[„Pheidippides hatte es einfacher“, sage ich und du lachst mich aus.
„Er rannte 42 Kilometer, ich 3“, sagst du und ich sehe dein Temperament in dir hochkochen.
„Er hatte sein Ziel immer vor sich, 42 Kilometer weit, von Marathon nach Athen. Du läufst im Stadionrund, lässt das Ziel immer wieder hinter dir, verlierst es aus den Augen, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>„Pheidippides hatte es einfacher“, sage ich und du lachst mich aus.</p>
<p>„Er rannte 42 Kilometer, ich 3“, sagst du und ich sehe dein Temperament in dir hochkochen.</p>
<p>„Er hatte sein Ziel immer vor sich, 42 Kilometer weit, von Marathon nach Athen. Du läufst im Stadionrund, lässt das Ziel immer wieder hinter dir, verlierst es aus den Augen, bevor du wieder um die Kurve kommst“, antworte ich. Du schweigst. „Weißt du, Pheidippides musste nur laufen. Und wie leicht läuft es sich mit einer frohen Kunde vom Sieg dem Ziel entgegen. Du aber passierst immer wieder die Linie und es ist noch nicht genug. Immer wieder neue Hindernisse. Immer wieder noch eine Runde. Immer neue Hürden. Da vergisst man schon mal seinen Weg. Zeichne ihn dir neu auf, damit du wieder weißt, wofür du läufst.“</p>
<p>„Mit dir hinter dem Ziel?“, fragst du.<br />
„Mit mir hinter dem Ziel“, lächle ich. </p>
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