Archiv für Februar 2010

Zur Jagd

Im Wald leben Hase, Fuchs, Wildschwein und Hirsch,
nicht nur, weil´s sich reimt, geht der Jäger zur Pirsch.
Im dichten Gebüsch liegt er leis auf der Lauer –
da fliegt vor die Flinte ein Hahn namens Auer.
Der Jäger denkt: Seltsam – das kann´s doch nicht geben,
der seltene Auerhahn – den lass ich leben!
Der Hahn lacht verschmitzt: Die Verkleidung [...]

Weiterlesen »

Deckung

Als Kinder haben wir Buden gebaut,
mit Stühlen und Decken.
Zum drinnen verstecken.
Wir haben uns sonst was getraut,
im schleierlabilen Gebilde
begeistert verkrochen.
Wir heckten aus, führten im Schilde
und haben einander gerochen.
Ein Gedanke, während ich schreib:
Zwillinge im Mutterleib.
Nur nicht ans Licht!
Jetzt nicht! Jetzt noch nicht!
Verzeiht mein Lauschen, ich wollte nicht stören -
nur wieder einmal Budenkinderkichern hören.

Weiterlesen »

Nasenbummel

Manchmal geh ich Nasenbummeln.
Sie ist ein Engel, hat sie doch Flügel -
und ist dazu gleichzeitig Höhle und Hügel.
Mich in Schnupperwolken mummeln,
mit geschlossenen Augen
Farben einsaugen.
Ein Hans-Guck-In-den-Duft.
Zum Beispiel aus dem Bäckerladen
ziehen knusprig bräunlich-gelbe Schwaden.
Die Penner vor dem Bahnhof müffeln bläulich
traurig gräulich.
Und triefend rote Töne sickern lüstern
aus einer jungen Schönen in geblähte Nüstern.
Im frisch gemähten Rasen dünsten grüne [...]

Weiterlesen »

Was sie wohl gerade macht?

Was sie wohl gerade macht?
Hat sie heut – ab und zu -
an mich gedacht?
Fühlt sie mein du?
Wer stellt die Tagtraum-Rohr-
post durch die Luft ihr zu?
Klingt hin und wieder
ihr leis in Kopf und Ohr
eins meiner Lieder?
Ich träume wunderlich
und seh sie bügeln –
Sie tut es nackt für mich -
gehörnt mit Flügeln…

Weiterlesen »

Des Nachts

Als ich des Nachts erwachte,
mein Herz schlug rasend wild,
weil sich die Angst entfachte
an traumverzerrtem Bild,
da fand dein Arm mein Beben,
die Hand strich sanft mein Bein.
Ich kuschelte mein Leben
an dich und schlief bald ein.

Weiterlesen »

Hinter eines Vorhangs Gaze

Wer kennt ihn nicht: Heinz Erhardt, einer der ganz Großen im Bereich der komischen Dichtung. Und wer kennt es nicht, sein Gedicht “Die Made”: “Hiner eines Baumes Rinde…” Mit der folgenden kleinen Parodie auf diese Verse möchte ich mich vor dem Meister dieser Kunst verbeugen. Also Heinz: für dich!
Hinter eines Vorhangs Gaze
sitzt die Mücke mit [...]

Weiterlesen »

Zu Grabe getragen

Im Regen saß ein Hättichdoch,
zusammengesunken.
Ein Augenblick, der gewunken
hatte: „Jetzt oder nie!, verkroch
sich irgendwo in den Ritzen.
Das Hättichdoch blieb sitzen.
Bald schlenderte ein Irgendwann
durchs triste Gepfütze.
Die Schulter als Stütze
bot es dem Hättichdoch an.
Die beiden sind Freunde geworden,
sie schwelgten in Zukunftsmusik,
verliehen sich Tapferkeitsorden
und übten am Andern Kritik.
Dass sie zu Grabe
sich trugen habe
ich erst nach Jahren
erfahren.

Weiterlesen »

Katzenbuckel

Draußen vor dem Stadtcafé,
hinten bei den Blumenkübeln
schlürfe ich ein Tässchen Tee
um so vor mich hin zu grübeln.
Nicht, dass ich traurig bin,
oh nein, mitnichten!
Ich suche Vers und Reim:
ich möchte dichten.
Ein denkender Poet
allein am Stammtisch,
um den die Welt sich dreht –
ach wie romantisch!
Da küsst die Muse mich – in Form von Pflastersteinen.
Sie glänzen matt und grau im [...]

Weiterlesen »

Goldrausch

Herr Morgenstund
hat Gold im Mund.
Ein ganzer Lotto-Hauptgewinn
blitzt zwischen Nasenbein und Kinn.
Doch wer will ihn beneiden
um sein dentales Leiden?
(mit erhobenem Zeigefinger:)
Das Glück wird nicht auf Erden
in Gold bemessen werden!
Doch kein Mitleid! Ich beschwichtige -
er hat ja noch sechs Richtige.

Weiterlesen »

Lied vom Bade

Ein Weib liegt in der Wanne,
statt Wasser perlt der Sekt,
mit einem reichen Manne,
der prickelt und gut schmeckt.
Sie tuscheln und sie gibbeln,
es schwippelt und es schwappt,
ein Krabbeln und ein Kribbeln,
es schnippelt und es schnappt.
Doch in die Lustidylle
schleicht sich ein Stressgefühl:
Ihm fehlt zwar nicht der Wille –
nur ist der Sekt zu kühl.
Bald steigt er aus dem Bade,
nicht [...]

Weiterlesen »