Im Tal

Durch das Unterholz bricht rasend ein Keiler,
der ist angeschossen.
Im Tal steht ein Brückenpfeiler,
aus Beton gegossen.

Man ahnt schon, was passiert:
Das Tier kollidiert,
kollabiert,
zuckt noch mal
und krepiert,
unauffindbar im Tal.

Oder nee…

Der Eber versteckt
sich hinter der Säule,
ruht und leckt
an der Hinterkeule
seine Wunden
um bald zu gesunden.

Wie auch immer es endet,
wie man es dreht oder wendet
ist nichtig.
Nur dass der Jäger diesmal
leer ausgeht im Tal
ist wichtig.

  • mir ist das ende lieber, wo der eber wieder gesund wird ;-)

    toll wie du das mit dem versmaß so hinkriegst – quasi jede strophe ein anderes – und trotzdem liest es sich flüssig

    • natürlich, Hule, die erste ist ja auch die Hardchore-Männerversion, hihi… ;)
      Das Versmaß ist gar nicht sooo doll wirr, ich freu mich, dass du darauf achtest. Wir haben zunächst mal 3-2-3-2 mit Kreuzreim. Dann noch ein Kreuzreim, aber “mit Anlauf” sozusagen. Das Versmaß beginnt genauso wie in Strophe 1, “kollabiert” dann aber sozusagen. Strophe 3 ist die harmonische, säuselige Variante, immer glatt mit 2 Betonungen pro Zeile, erzählend im Kreuzreim mit einem glatten Paarreim-Happy-end.
      In der letzten Strphe zielt das Versmaß auf “wichtig” und “nichtig” um zu betonen, worauf es ankommt.
      Und alles zusammen genommen ergibt ein Gedicht. Alles klar? ;)

  • ja – ich bin ja schon froh, dass es nicht wieder irgendeine bezeichnung für dieses versmaß gibt – wie sonett oder omnipseudales quintjektiv … sowas kenn ich nämlich alles gar nicht ;-) letzteres könnte es auch gar nicht geben – evt.

    • Ich mag das Versmaß und den Reim gern als stilistisches Mittel zur Unterstützung dessen, was der Text sagen oder fühlen lassen will. Ein Gedicht zu schreiben ist schon Zwang genug. So ist eben Zylinderkopfdichtung!

  • Hilfe, wenn ich mir bei meiner Lyrik so viel Gedanken um Versmaß und Reim machen würde, brächte ich nie was zustande. Drum schreibe ich ja auch nur Pöme, keine Gedichte. ;-)
    Mit gefallen sprachlich beide Alternativen sehr gut, wobei ich natürlich um des Ebers willen auch die zweite bevorzuge.

  • Wenn ich an Wildschweingulasch denke, gefällt mir die erste Version und wenn ich an den Tierschutz denke, die zweite. Weil ich beide gut finde, gefällt mir beides. So bin ich nun mal.

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