Knall auf Fall allein – eine Rezension
Plötzlich allein!
Wer kennt das nicht? Eben noch wähnte man sich beschützt und geborgen, wichtig und geschätzt, eingeengt und überbeansprucht, angekettet und leibeigen, und dann steht man urplötzlich allein da. Von allen guten (oder bösen) Geistern verlassen! So ein Fall aus allen Wolken kann sehr schmerzvoll sein – muss es aber nicht!
Ausgehend vom Zitat “Dem Verlorenen folgt die Sehnsucht” des bedeutenden altrömischen Dichters Horaz, machte sich eine breite Autorenriege so ihre Gedanken zum Verlassenwerden und Verlassensein. Wer meint, eine Anthologie zu diesem Thema könne nur schwermütig ausfallen, sieht sich getäuscht. Natürlich wird in den Texten geklammert, gegrübelt und mit dem Schicksal gehadert. Aber plötzlich allein zu sein, kann auch eine Erlösung sein, oft bietet sich auch die Chance zu einem längst fälligen Neuanfang. Es stimmt schon, dass dem Verlorenen die Sehnsucht folgt. Aber häufig ist es das Verlangen nach etwas Neuem und eben nicht nach jenen Personen oder Dingen, von denen man Abschied nehmen musste.
Ebenso tiefgründig wie unterhaltsam sind die hier versammelten Kurzgeschichten und Gedichte über Beziehungsbrüche, Trennungsschmerz, Freiheit, Tod, Einsamkeit und Illusionen. Von Sinnkrisen ist hier nichts zu merken. Wie sagte schon der US-amerikanische Philosoph Ralph Waldo Emerson: “Ich bin nicht allein, während ich lese und schreibe, obschon niemand bei mir ist.”
Anlesetipps:
Martina Zimmermann: Luftherz
Regina Schleheck: Himmel in Flammen
J.B. Deluder: Festgefroren
Knall auf Fall allein. Vom Verlassensein; Cenarius-Verlag,
Jürgen Ludwig & Julia Schunk (Hrsg.); ISBN: 978-3-940680-19-8;
zeitgenössische Literatur, 143 Seiten; 14,80 Eur[D] (UVP; inkl. MwSt)


Mumpitz
2. Mai 2011
Wie immer ein Lustmacher, deine Rezension!
Dirty Harry
4. Mai 2011
Danke Dir! Wobei ich mittlerweile, was das Schreiben angeht, zu nichts anderem mehr komme als Rezensionen zu verfassen. Hihi, vielleicht sattle ich um.
Gruß
Marcel Reich-Harricki
deludis
9. Mai 2011
Mal ehrlich. Das geht runter wie Öl – und offenbar ist unsere Antho wirklich so gut. Damit habe ich nicht gerechntet und danke nochmals allen – wirklich – allen – Mitwirkenden!