Zivilisationskritik mit Niveau

Die Plünderung der Kulturschätze – eine Rezension

Cover: Die Plünderung der Kulturschätze


Claudia Wädlich legt nach!
Die wortgewaltige Autorin aus Oberhausen übt auch in ihrem zweiten Gedichtband Zivilisationskritik mit Niveau. Die studierte Rechtsgelehrte (mit Spezialisierung in Kriminologie) betreibt in ihren lyrischen Bildern beherzt Ursachenforschung in Sachen Kulturverfall und benennt genauso furchtlos die Folgen einer klandestinen politischen Einflussnahme.

Claudia Wädlich


Als Überlebende des Aufsehen erregenden Terroranschlags in Luxor (1997) ist sie für diese brisante Thematik besonders sensibilisiert. Die Erinnerungen an die Bluttat, bei der mehr als 60 Touristen ums Leben kamen, prägen nachhaltig die Gedichte, welche die Ägyptenkennerin seither verfasst.
Die Texte muten beinahe analytisch an. Sie beinhalten und wecken Zweifel, sind hochpolitisch, lassen nicht kalt.

Verstärkt wird die emotionale Wirkung der Verse durch ein ungewöhnliches optisches Arrangement. Es wurde viel mit unterschiedlichen Schriftauszeichnungen und -arten gearbeitet, mit Wortabständen und Leerzeilen. Infolgedessen drängt sich dem Leser unwillkürlich die Warum-Frage auf. Das Überlesen gewichtiger Aussagen wird so unmöglich gemacht, die Bedeutung auf originelle Weise unterstrichen.
Ein höchst ungewöhnliches Buch – nicht bloß inhaltlich, sondern auch in Bezug auf das Layout.

Verlassene Orte
zu betretendes Schweigen
um den ausgefransten Kulturnachlass
der Vergangenheit
gierige Aasgeier
kreisen

Claudia Wädlich bei einer Lesung

Die Plünderung der Kulturschätze
Claudia Wädlich (Autor)
Verlag: dlv (im Karin Fischer Verlag)
ISBN: 978-3895149047

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