Soforthilfe per Radio

Liebes RADIO Team.
Gerade habe ich gehört, dass man sich am Feiertag einen Song wünschen kann.
Also: Ich würde mir den Titel „Wonderful tonight“ von Eric Clapton für Alan, meinen Liebsten, wünschen.
Dieser Song hat für uns eine ganz besondere Bedeutung – es wäre schön, wenn Sie den Titel spielen würden und damit vielleicht ein kleines Wunder ermöglichen würden.
***
„Hier ist RADIO, ihr Sender. Wir spielen Musik zu munter machen.“ Die aufdringlich fröhliche Stimme des Radiosprechers bohrte sich in mein Ohr. Entschlossen nicht aufzuwachen, wurstelte ich mich tiefer in die Bettdecke.
„Am heutigen Feiertag spielen wir Musiktitel, die sie sich gewünscht haben. Männer für Frauen oder Frauen für Männer. Jetzt kommt der erste Musikwunsch von…“, diese Ansage ließ mich den Komaschlaf vergessen und kerzengerade im Bett sitzen. Um ein Haar hätte ich es verpennt! Mein Musikwunsch war schon vor zwei Tagen beim Sender eingegangen, sofort nachdem ich von der Aktion gehört hatte. Vielleicht würde es ja helfen.
Mein Alan und ich waren im verflixten siebten Ehejahr angekommen und was ich nie für möglich gehalten hatte, war eingetreten: Wir stritten, fetzten, verletzten uns ohne Unterlass. Es schien keinen Ausweg aus der Misere zu geben, denn jede Diskussion endete in einem Desaster, entfernte uns noch weiter von einander. Ein friedliches, liebevolles Miteinander schien nicht mehr möglich zu sein. Der Aufruf des Radiosenders kam mir in dieser Situation gerade recht. Ich wollte versuchen unsere Ehe zu retten, meinem Liebsten einfach in die Arme nehmen und allen dummen Streit vergessen.
Alan betrat das Schlafzimmer, zwei Tassen mit frisch gebrühtem Kaffee in der Hand. „Ich hoffe das Radio stört dich nicht“, sagte er vorsichtig tastend, wie so häufig in letzter Zeit.
Ich strahlte ihn an. „Natürlich nicht, ich höre gern Musik, das weißt du doch!“
„Na dann!“ Er reichte mir einen Kaffeebecher, wir nippten einträchtig an unserem Kaffee und hörten Radio. Bisher war mein Musikwunsch nicht gespielt worden, doch das war eine Frage der Zeit. Seltsam, sonst stellte ich direkt nach dem Aufwachen das Radio an, während Alan unwillig brummelte und sich tiefer in seinen Kissen vergrub. Verstohlen musterte ich ihn. Ob er wohl ahnte, dass ich mir dieses besondere Lied gewünscht hatte?
Alan wandte sich zu mir, nahm mich in den Arm. „Ach Kleine“, seufzte er. „Du schaust aber brummelig drein.“
Ich kuschelte mich wortlos an ihn, streichelte gedankenverloren seine Brust. „Weißt du…“, begann ich, wurde aber von Radiosprecher unterbrochen. „Jetzt ein ganz besonderer Song…“, dröhnte er. Ich hielt den Atem an. Bestimmt würde jetzt unser Lied gespielt.
„…von Karin für ihren Jupp.“
Enttäuscht atmete ich aus.
Alan sah mich prüfend an. „Ist irgendwas?“, fragte er.
„Nein, nein, alles in Ordnung“, antwortete ich schnell, während ich frustriert dem Musikwunsch von Karin lauschte.

Ich wurde weiterhin enttäuscht, denn auch in den nächsten Stunden gab es zwar tolle Musik im Radio, doch keinen Claptonsong. Ich wunderte mich etwas über meinen Liebsten, denn er bestand darauf, selbst auf der Terrasse Radio zu hören, was sonst so gar nicht seine Art war. Nun, mir war das ganz recht, schließlich wartete ich immer noch auf meinen Musikwunsch. Seltsamerweise verlief der Tag insgesamt sehr harmonisch. Wir gingen sorgsam miteinander um, verstanden uns richtig gut.
„Jetzt noch ein Traumtitel für verliebte Paare!“, säuselte es.
Inzwischen war der Radiosprecher in den Feierabend gegangen, hatte den Platz für eine Dame geräumt, die mit sanfter Stimme fortfuhr:
„Wir spielen jetzt den Titel „Wonderful Tonight“ von Eric Clapton. Gewünscht hat ihn sich Alan für seine Angie. Er hofft, dass ein kleines Wunder wahr wird.“
***
Liebes RADIO Team,
danke für Claptons „Wonderful tonight“!
Der Song ist gerade von Alan für Angie gespielt worden.
Beim Anhören haben wir festgestellt, dass wir uns den Titel unabhängig von einander gewünscht haben.
Beide saßen wir den ganzen Tag mit mindestens einem Ohr vor dem Radio und wunderten uns über die plötzlich auftretende Radioverrücktheit des Partners.
Vielen Dank für Eure Hilfe, denn das Wunder, dass wir uns erhofft hatten ist eingetreten.
Wir werden den Weg weiterhin Hand in Hand gehen und uns nie wieder verlieren!

Irrwege

„Wo warst du nur, ich habe dich gesucht!”
Er lächelt leise, wie es seine Art ist. „Immer hier, mein Liebes, wartend, abwartend und doch ein kleines bisschen ungeduldig. Vielleicht hast du mich nur nicht gesehen?”
„Der Nebel war so dicht, ich hatte mich wohl verlaufen, fand den Weg zu dir nicht mehr, konnte nicht klar sehen”, sie seufzt erleichtert. „Doch jetzt habe ich dich wiedergefunden.”
Er nimmt sie in die Arme, zögernd, ein wenig hilflos und noch unvertraut. „Dann bleib’ doch einfach hier, vertraue mir, dann werden wir uns nie wieder verirren…”

Schattenlos

Ich kann sie nicht ertragen,
 diese Minuten, Stunden, Tage.

Lebenszeit, in der du in schweigender Starre verharrst.


Momente, in denen die Zeit stillsteht,
 luftleerer Raum um mich herum.



Jenseits deiner Wahrnehmung
 bin ich plötzlich:

schattenlos durch Nichtbeachtung,
spiegelbildlos durch fehlende Wahrnehmung
und so hilflos.



Dann, ganz plötzlich
 siehst du mich wieder.

Doch du siehst nicht mich!

Schweigen

Das Schweigen dehnt sich aus. Stülpt sich über uns, lässt uns zunächst frösteln, frieren, dann erstarren. Erstickt das Leben zwischen dir und mir.

Keine Worte mehr, kein Lächeln, auch keine Gefühle außer Hilflosigkeit.
Unendliche Traurigkeit. Trauer um den Verlust. Was wir verloren war uns einst kostbar, bedeutet nun nichts mehr.

Wir werden den Weg nicht mehr gemeinsam gehen können, das Schweigen trennt uns, lässt dich fremd erscheinen. Entfremdung, ein seltsames Wort und doch so passend.

Ein letzter Blick über die Schulter, ein kurzes Wiedererkennen.
„Pass gut auf dich auf…“

“Weil ich dich liebe”

Er blieb sitzen, ließ sie gehen. War wie betäubt, des Denkens unfähig.

Ihre Worte hallten in ihm nach.
„Ich verlasse dich.“

„Warum!“

„Weil ich dich liebe!“

Die Dämmerung zog auf, tanzende Schatten.

Ein Lufthauch ließ ihn erschauern.
Ihre Hände auf seinem Gesicht, vorsichtig tastend.

„Ich kann nicht gehen.“
„Warum?“
Er spürte ihr lächeln, zögernd, traurig.

„Weil ich dich liebe…“



Abschied

„Dieses Mal meinst du es wirklich ernst, nicht wahr?“
„Ich habe es immer ernst gemeint“, antwortete sie sanft.
„Du brichst mir das Herz.“
„Ach du“, sie lächelte ihn zärtlich an, murmelte: „Was ist das schon, ein gebrochenes Herz!“
„Ich werde dich nicht gehen lassen, dich wieder gewinnen.“
Sie fuhr sich durchs Haar, eine vertraute Geste. „Du hast mich nie verloren.“
„Dann bleib!“
Sie stand auf. „Nein, das geht nicht.“
„Warum?“
Ihre letzen Worte, im Hinausgehen, kaum verständlich.
„Weil ich dich liebe!“

Zu viel

Kommunikationsüberdruss;

wünsche endlich Stille um mich herum.

Menschenüberdruss;
möchte 
mit mir allein sein.

Liebesüberdruss;

will nur mir gehören!

Lebensüberdruss;

kann ich auf ewig Frieden finden?

Weihnachtseinkäufe – eine wahre Geschichte (gekürzte Fassung)

Handlungsort: Ein Geschäft in einer Kleinstadt

Handelnde: Eine Kundin mittleren Alters,
 ihr Mann
, Verkäuferin

Es ist kurz vor Feierabend, das Pärchen betritt den Laden.
Verkäuferin:

Guten Abend

Er:
N‘ Abend

Sie:

Ach ist es schon so spät?

Verkäuferin:

Es ist fünf vor halb, wir schließen um halb sieben, sie können sich gerne noch umschauen.

Sie: (mit einem leichten Kieker):
Ach sie haben ja noch die schönen Armbänder und Ketten und die passenden Anhänger! Das ist doch echtes Silber?
Verkäuferin:

Ja sicher.

Sie: (an ihrem Mann gewandt)
Jetzt schau doch mal, du musst mithelfen auszusuchen.

Er: (uninteressiert)

Such du das ruhig aus, mein kleiner Hase, du hast einen guten Geschmack.

Sie: Das ist aber jetzt unfair, immer muss ich alles für die Zwillinge aussuchen.

(Sie kramt eine Weile im Schmuck, legt verschiedene Anhänger auf die Ladentheke)

So, jetzt suchst du was aus, Bernd! Entweder das Herz oder das Kleeblatt.

Er: (weist auf das Kleeblatt)

Das da.

Sie:

Oder doch lieber das Herz? Ach und ich wollte ja noch eine Kette für jeden Zwilling kaufen. Was meinst du, welche Anhänger wollten wir denn dafür aussuchen.

Er: (verdreht die Augen)

Das ist mir völlig egal. Such doch einfach etwas aus.

Verkäuferin: (schaut auf die Uhr)

Sie:
Ich weiß nicht, vielleicht den Teddy, och nö, der geht nachher so schnell kaputt! Was wäre mit diesem Herz für die Kette? Aber da ist ja ein Schlüsselloch drin! Da fragt ja jeder, wo der Schlüssel ist!

Er:
Urks

Verkäuferin:
???

Sie: (an die Verkäuferin)
Überhaupt, wissen sie wie lang die Ketten sind? Muss da nicht was schweres dran damit die Kette vernünftig nach unten hängt
?
Er:
Ja, ein Ziegelstein!

Verkäuferin:
Die Ketten sind 60 cm lang, aber sie können auch einen kleineren Anhänger nehmen, das ist in Ordnung! Der Herzanhänger ist doch süß, sie können ja einen Anhänger in Schlüsselform für das Armband nehmen. Dann ist das Rätsel des Schlüsselloches auch gelöst.

Er: (grinst)
Mach hinne, die Frau will Feierabend machen.

Verkäuferin (lächelt dankbar)

Sie: (vorwurfsvoll)

Ja ICH wäre schon längst zu Hause, wenn du dich mal entscheiden könntest! Was sollen wir denn jetzt für Anhänger nehmen?

Er: (energisch)

Wir nehmen jetzt die Herzen und die Kleeblätter und Ketten und Armbänder! Ich habe echt keine Lust mehr!

Sie:
du hast ja gar nicht richtig geguckt! Schließlich sind es auch deine Kinder! Vielleicht möchten die Zwillinge gar nicht, dass die Anhänger gleich sind!

Er: (legt die entsprechenden Teile vor der Verkäuferin ab)
I
ch bezahle das jetzt, Schluss!

Verkäuferin: (bemüht sich den Schmuck möglichst schnell einzuscannen)

Es sind ja noch zwei Tage bis Heiligen Abend, sie hätten also die Möglichkeit alles mehrmals umzutauschen!

Er: (lacht laut)
Sie:

Sie haben völlig recht, ich kann es mir noch überlegen!
Jetzt wollen wir auch nicht weiter stören, sie möchten sicher Feierabend machen.

Verkäuferin:

………..


Allen Netzkritzlern ein frohes, geruhsames Weihnachtsfest!

…denn nicht jeder Schatz besteht aus Silber und Gold

Ich habe eine Schatzkiste! Und obwohl sie randvoll ist, so passt immer noch etwas hinein.

Das ist gut so, denn immer wieder finde ich etwas kostbares, das unbedingt aufbewahrt werden muss. Wenn ich traurig, niedergeschlagen oder einfach melancholisch bin, öffne ich mein Kästchen und schaue mir das bunte Chaos an.
Das sind sie, meine Schätze: Hier ein glücklicher Augenblick, dort ein Moment der Ruhe.

Eine rosarote Schäfchenwolke mit himmelblauen Punkten will sich selbstständig machen. Ich fange sie schnell wieder ein, packe einfach einen ganz besonderen Brief mit nur einem Satz darauf. „Ich liebe dich“, steht ganz klein in einer Ecke.

Das erste zahnlose Lächeln meiner Kinder. Ein gemaltes Bild zum Muttertag. An einem bonbonklebrigen Küsschen pappt ein Zettel: „Ich hab‘ dich lieb, Mama“, steht drauf.

Hier ist ein hochoffizieller Eintrag, der mich unsagbar glücklich macht: „Ich danke meinen Eltern.“ Wo ist sie nur gleich, ach ja, hier ganz in der Ecke. Eine Einladung: „Mama, dein Sohn heiratet!“

Die atemlose Spannung unserer ersten Begegnung, die Erleichterung: „Ja, das ist ER!“

Ein geflüstertes „ich liebe dich“, noch ganz schlaftrunken, während du mich in deine Arme nimmst, beschützend, aber nicht besitzergreifend.

Auch der Moment aus tiefer Narkose zu erwachen und dich neben mir zu wissen ist mir kostbar, gehört für ewig zu meinen Schätzen.

Genau so, wie ein tiefer Seufzer, begleitet von den Worten: „Papa und ich – wir haben ganz schön Glück mit unseren Frauen.“ Daneben schwebt ein grinsendes Jungengesicht: „Wenn du ihn nicht heiratest, dann tu ich das, der Typ ist klasse!“

24 leicht zerdrückte, doch immer noch duftende rote Rosen – der schönste Adventskalender der Welt. 24 Songs, die uns ganz viel bedeuten.

An lauen Sommerabenden im Garten sitzen, nicht reden und sich trotzdem nah sein.
 Zu wissen: Hier ist jemand der dich liebt. So wie du bist, mit all deinen Macken und Ecken. Dem du vertrauen kannst. Der dich niemals wissentlich verletzen wird und für den du die Einzige bist – All das gehört in meine Schatzkiste.

All das macht mich unsagbar reich und ich möchte meine Schätze nicht für alles Geld der Welt hergeben.


Steppenliebe

Wenn‘s Flusspferd jeck im Wasser planscht,

das Krokoweibchen Walzer tanzt,

die Klapperschlange sanft sich ringelt,

die Boa sich zu Schleifchen kringelt.

Das Löwenmännchen baden geht,

der Halsbandsittich lauthals kräht.
Frau Straußen sich die Federn putzt,

ihr Mann die Gunst der Stunde nutzt.

Ein Elefant Trompete spielt,

obwohl der Jäger auf ihn zielt!

Der Hase seine Frau anschmachtet

und gar nicht auf Hyänen achtet.

Dann ist es wieder mal so weit,

die Steppenliebe macht sich breit.

Sie mischt die ganze Tierwelt auf

und die Natur nimmt ihren Lauf!

Es knuddelt, kuschelt allenthalben.

Die Störche tun es und die Schwalben.

Die Spatzen pfeifen es vom Dach;

die Sehnsucht hält sie alle wach.

Der dicke Vollmond lächelt mild,

beleuchte sanft das traute Bild
.
Denn diese Steppenliebelei

ist ja bekanntlich sündenfrei…