Hand in Hand

Urlaub in Ägypten, früher Abend, ein Pärchen, nach Jahren immer noch verliebt, bummelt durch ein kleines Einkaufszentrum. An einem Café halten sie an.

„Sollen wir hier etwas trinken?“, fragt er.
Ehe sie antworten kann, ertönen leise Klänge aus der Musikanlage.

„Hör bloss mal, sie spielen unser Lied!“, strahlt sie ihn an.

Auch er lächelt, nimmt sie in den Arm.

„Du willst wirklich?“

Ehe sie es sich versieht tanzt sie mit ihm nach den Klängen des langsamen Liebesliedes.
Als der letzte Ton verklungen ist lässt er sie zögernd los und sie schaut, ein wenig verschämt um sich. „So etwas macht man doch nicht und gerade hier…“

An einem der runden Tische sieht sie ein Paar sitzen, beide sind schon weißhaarig und das Leben lässt sich an ihren Gesichtszügen ablesen. Die Frau nickt ihr freundlich zu lächelt ein wenig verschmitzt.
Doch das allerwichtigste registriert sie erst jetzt: Die beiden sitzen dort Hand in Hand.

Sie wendet sich ihm zu. „Siehst du das Pärchen dort drüben? Das könnten wir sein, jedenfalls irgendwann.“

Er schaut ihr einen Moment lang in die Augen. „Ja, doch vorher würde ich zu unserem Lied mit dir tanzen, egal wo!“

Nur geträumt

Es war wie ein kurzer Traum.


Ich erwachte zögerlich,

wollte die flüchtigen Gespinste festhalten.

Doch sie entzogen sich mir,

waren vergangen

ehe ich sie begreifen konnte.


Ich hatte ja nur geträumt. 


40 Wochen

Vierzig Wochen habe ich auf dich gewartet! Dich sehnlichst erwartet! Dir ein Zuhause geschaffen und mich auf dich eingestellt! Jetzt endlich meldest du dich an. Du hast dich etwas verspätet, ich hätte eigentlich früher mit dir gerechnet. Doch du hast dir Zeit gelassen, konntest dich nicht trennen. Wolltest in der warmen Höhle bleiben, die dir vertraut war und Sicherheit versprach. Doch letztendlich wirst du das Wagnis eingehen, willst nun mit aller Macht das Licht der Welt erblicken.
„Atmen“, die Hebamme streicht mir über den Bauch und ich atme gehorsam tief ein. Konzentriere mich darauf, damit ich die Schmerzen irgendwie ertragen kann. Nicht überrollt werde, denn alle Geburtsvorbereitungen haben mich nicht gegen dieses Urgefühlt wappnen können, das ich vergleichbar noch nie erlebt habe. Panik steigt in mir auf; werde ich das durchstehen?

Wieder überrollt mich eine Wehe, wieder atme ich, blende alles aus, bin allein mit mir – allein mit dir, der endlich die Schwärze und Enge hinter sich lassen will.

„Pressen, los, gleich hast du es geschafft“, ich gleite für einen Moment in die Wirklichkeit zurück, fühle den unglaublichen Schmerz mit aller Wucht. 
Fühle mich trotzdem unwirklich. „Das kann mir nicht passieren, das erlebe nicht ich!“ Doch ich bin schnell in meiner Wirklichkeit zurück, fühle dein Drängen, du bist so ungeduldig, willst endlich ins Licht. Ich kann gar nicht anders, presse dich aus mir heraus.

Unglaublich – wir haben es geschafft! Du liegst auf meinem Bauch, ringst nach Luft. Doch du wirst mit jedem Atemzug sicherer, atmest nach einer Weile regelmäßig und fühlst dich ganz nah bei mir wohl. Und ich? Oh – ich lebe, erlebe, bin so sehr glücklich, wie ich es noch nie im Leben war, vielleicht nie wieder sein werde. Alle Schmerzen, all die Pein ist vergessen, denn ich habe Leben schenken dürfen.

Nun lass uns das Wagnis Leben gemeinsam meistern, lass mach dich begleiten so lange du mich brauchst. Irgendwann werde ich loslassen müssen, doch bis dahin möchte ich dich behüten und gut auf dich aufpassen, mein Freund.

Stalker

Hallo Ihr Lieben!
Ich werde im Moment von einem Stalker per Internet ganz massiv belästigt. Er bedroht, verunglimpft mich, versucht Kritiken zu posten, die völlig daneben sind oder Drohungen enthalten.
Natürlich läuft das anonym ab, denn solche Leute sind ja unglaublich feige und verstecken sich in der Regel hinter irgendwelchen merkwürdigen Mailadressen usw.
Allerdings weiß ich, wer dahinter steckt, doch das ist natürlich schwer zu beweisen (wenn auch nicht unmöglich).
Hat jemand eine Idee, wie ich vorgehen sollte? Wie ich dem kranken Typen beikommen kann? Ob ich einfach eine Anzeige bei der Polizei erstatte oder ob es auch eine Handhabe per Internet gibt? Gibt es eigentlich eine “Internetpolizei”, in welcher Form auch immer?
Denn ich werde dieses Verhalten nicht weiter dulden, das ist ganz klar!!!
Es ist unglaublich, mit welch kranken Menschen man sich auseinandersetzen muss!

Yesterday is here

Hier die Story zum Song:
Glasgow: Frank hat ein kleines Tonstudio im Westend. Dort besucht ihn Johannes, er studiert an der Uni. Die beiden Musikbegeisterten beschließen spontan ein Stück aufzunehmen.
„Probieren wir doch mal das“, schlägt Frank vor.
„Tom Waits? Wie kommste du den darauf?” Johannes ist erstaunt, lässt sich aber auf den Song ein. Es klopft, Lance und seine Freundin Ana kommen hinzu. „Hey, ich hatte eigentlich vor hier zu chillen…“Lance chillt eigentlich immer und überall, deshalb heißt er in Fachkreisen der “Chillorillo”.
Ana hört zu und ist begeistert. „Das klingt schon klasse, was noch fehlt ist ein vernünftiger Background. Das mache ich, ok?“
So ist ganz spontan und ohne Probe dieser Song entstanden!
Klasse, was!!!the very final yesterday is here

Surprise, Surprise

„…und die Einkaufsmeile in Manchester ist so toll! Ich freue mich total darauf. Alan führt Verhandlungen und ich werde shoppen gehen, bis ich ins Koma falle!“ Aufgeregt strahlte Alice ihre Freundin an. „Am Abend sind wir dann zu einer Verabschiedungsfeier für den Geschäftsführer einer Firma, mit der Alan zusammenarbeitet, eingeladen. Ich werde ein richtig tolles Wochenende haben.“ Hier musste Alice Luft holen, was ihrer Freundin Gelegenheit zu einem Kommentar gab. „Ich hoffe, dass alles so toll abläuft, wie du dir das vorstellst…“

„Du olle Unke, na klar, ich werde es dir berichten!“

„Guten Morgen, kleine Hexe“, Alan stupste seine Frau sacht an. „Zeit um aufzustehen, ich habe heute früh einen Termin. Barry, der neue Mann bei Omega Vision, holt uns in der Lobby ab und fährt voraus. Die Firma ist in Bolton. Unterwegs setzte ich dich ab, du kannst dir den Vormittag damit vertreiben Schuhe anzuprobieren. Wenn ich fertig bin rufe ich dich an und hole dich wieder ab.“

Alice räkelte sich wohlig in den Kissen. „Lass dir ruhig Zeit, mein Schatz. Ich werde mich schon beschäftigen. Anschließend fahren wir direkt zum Hotel, nicht wahr?“

„Ja, und dort findet dann auch die Feier für Gary statt, Barry ist sein Nachfolger. Es soll eine Überraschung werden, er scheint tatsächlich nichts zu ahnen. Jetzt aber raus aus den Federn. Die Sonne scheint und Manchester wartet auf dich.“

In der Lobby angekommen wurden die beiden schon von einem unscheinbaren Mann mittleren Alters erwartet. Er schüttelte Alice kräftig die Hand und murmelte etwas unverständliches. „Das ist Barry“, erklärte Alan.

Auf dem Weg zum Hotelparkplatz wandte sich Alan an seinen Geschäftspartner. „Was meinst du, Barry, können wir meine Frau in Manchester absetzen und dann weiter nach Bolton fahren?“

Dieses Mal gab der Angesprochene einen längeren Monolog von sich, doch wieder verstand Alice kein Wort. Fragend sah sie ihren Mann an.
„Barry meint, dass wir zu viel Zeit verlieren, wenn wir erst in die Innenstadt von Manchester fahren. Auf unserem Weg ist allerdings ein riesiges Einkaufszentrum. Er schlägt vor dich dort abzusetzen. Was meinst du?“

Resigniert zuckte Alice die Schultern. „Ja, wenn er meint…“

Im Auto wandte sie sich an ihren Mann. „Ich habe immer geglaubt, ein ganz passables Englisch zu sprechen, aber dieser Mensch hört sich an, als ob er ständig auf einem Handtuch herum kaut. Ich verstehe kein Wort von dem was er sagt!“

Alan grinste von einem Ohr zum anderen. „Das kann ich mir vorstellen. Barry spricht einen fürchterlichen Slang. Er ist aus Yorkshire und angeblich soll es dort sprachtechnisch schlimmer zugehen als im tiefsten Bayern. Ich habe oft selbst alle Mühe um ihn zu verstehen…
Holla die Waldfee…“, dieser Kommentar war eher an den vorausfahrenden Barry gerichtet, denn der fuhr so schnell, dass Alan alle Mühe hatte um ihm zu folgen. Auf der Autobahn angekommen schien er die rechte Spur komplett für sich gepachtet zu haben.

Alan schüttelte verblüfft den Kopf. „Du meine Güte, hier in Großbritannien ist die erlaubte Höchstgeschwindigkeit auf der Autobahn 70 Meilen in der Stunde. Ich fahre jetzt 90 und Barry ist mir immer noch ein gutes Stück voraus. Er scheint sich keine Gedanken um die Geschwindigkeitsbeschränkung zu machen, aber ich glaube wir müssen an der nächsten Abfahrt runter, dann wird er sich wohl ausgetobt haben.“

Doch hier irrte sich Alan gründlich. Barry bretterte durch den nächsten Ort, als ob er sich auf dem Circuit de Monaco befinden würde, und Alan bemühte sich ihm zu folgen.

Es ging durch enge Straßen …

vorbei an parkenden Autos …

bis…

mit einem satten Splitterton verabschiedete sich der linke Seitenspiegel, was Alan veranlasste den Wagen am Straßenrand anzuhalten. Barry schien nichts mitbekommen zu haben, denn er raste unbeirrt weiter
.
„Sch…!“ Alan stieg aus und spurtete zu dem parkenden Fahrzeug, das er offensichtlich gestreift hatte.
Wenig später erschien er wieder auf der Bildfläche, die Teile des zerlegten Spiegels in der Hand. „Die Leute hier sind ja echt entspannt. Der Typ dem der Wagen gehört hat mir die Teile hier in die Hand gedrückt. An seinem Wagen ist nichts beschädigt, meint er und ich soll meinen Spiegel wieder zusammensetzen. Das hätte mir zu Hause passieren müssen.“
Nach einigem hin und her hatte er den Spiegel tatsächlich wieder zusammengebaut und grinste vergnügt vor sich hin. „Wenn es jetzt bei der Abgabe dieses Leihwagens auch noch regnet, dann bin ich aus dem Schneider. Die paar Kratzer sind fast nicht zu sehen!“ Er zückte sein Handy. „Jetzt muss ich erst mal schauen, dass ich Barry wieder einfange.“

Der zeigte sich baff erstaunt, denn er hatte immer noch nicht bemerkt hatte, dass Alans Auto ihm nicht mehr folgte.
Schließlich trudelte man mit einiger Verspätung bei Omega Vision ein. Eine nette Dame fuhr Alice zu der versprochenen Shoppingmall und versprach sie pünktlich wieder abzuholen.

„Och nö, ich habe gedacht wir fahren jetzt gleich zum Hotel und ich kann mich vor den Lunch noch etwas frischmachen“, Alice war die Enttäuschung ins Gesicht geschrieben.

„Sorry, kleine Hexe, das hatte ich auch so geplant. Doch jetzt werden wir eben mit Gary und Barry zum Lunch gehen. Das lässt sich nicht ändern.“

Ein kleinwüchsiger Inder gesellte sich zu dem Pärchen und schüttelte Alice eifrig die Hand. „Ich bin Larry“, stellte er sich vor.

„Das glaubt mir kein Mensch. Ich war mit Tick, Trick und Track zum Lunch und sie haben sich tatsächlich gegenseitig die Pommes vom Teller geklaut…“, Alice schüttelte ungläubig den Kopf. Endlich im Hotelzimmer angelangt hatte sie es sich nach einer ausgiebigen Dusche auf dem Bett bequem gemacht.
„Du vergisst Nigel, das ist Onkel Dagobert, denn er ist Banker und hat das Sagen bei Omega Vision. Hast du bemerkt, dass Larry, der Inder, sich während des ganzen Essens ein weißes Ding an die Nase gehalten hat?“

Alice nickte eifrig. „Allerdings! Und er hat sich das Ding immer abwechselnd rechts und links ins Nasenloch geschoben. Das Teil hat mich irgendwie an einen Tampon erinnert, es war aber keiner. Meinst du er kokst?“

„Jetzt geht deine Fantasie mit dir durch! Das war höchstens ein Nasenspray, kleine Hexe“, erwiderte Alan amüsiert. „Larry ist für die Finanzen zuständig, das wird er nicht auf die Reihe kriegen, wenn er ständig high ist. Aber merkwürdig war die ganze Veranstaltung schon.“

Womit Alan nicht Unrecht hatte. Während Onkel Dagobert Nigel seine Fish `n Chips in Windeseile verschlungen und damit begonnen hatte, seinen Tischnachbarn die Pommes Frites vom Teller zu nehmen und sie sich in den Mund zu stopfen, popelte sich Larry in aller Seelenruhe mit einem weißen Stäbchen in der Nase herum. Dabei erörterten die Herren die Weltwirtschaftslage, tauschten sich über die Vorzüge der neuesten Kaffeemaschinen und Autos aus dem Hause BMW aus und erzählten Witze. Während Alan bei dieser Unterhaltung fleißig mitmischte gab sich Alice eher wortkarg und war erleichtert, als sich die Veranstaltung dem Ende zuneigte.

Jetzt sollte also das Überraschungsfest starten. Die Gesellschaft hatte sich um die schön gedeckte Tafel versammelt und wartete gespannt ab, denn die Hauptperson fehlte.
„Ich hoffe irgendjemand hat Gary einen Tip gegeben, sonst ist er wohlmöglich unterwegs“, murmelte Alan.

Plötzlich kam Bewegung auf. Barry telefonierte hektisch, wandte sich der Allgemeinheit zu, erklärte lautstark etwas und eilte, den indischen Larry im Schlepptau, aus dem Raum. Alice zuckte resigniert die Schultern, wieder einmal verstand sie nur Bahnhof.
Alan klärte sie auf. „Weil Gary nicht Bescheid wusste sitzen er und seine Frau jetzt beim Italiener vor einer großen Pizza. Barry und Larry haben sich auf den Weg gemacht um das Pärchen schnellstmöglich hierher zu buxieren. Das ist ja eine interessante Feier!“

„Das stimmt allerdings, hier scheint aber auch gar nichts wirklich geplant worden zu sein.“
Nach einiger Zeit erschien der atemlose Barry wieder auf der Bildfläche, ihm folgte Larry und nach einiger Zeit betrat ein ratloser Gary zusammen mit seiner Frau den Raum. „Was ist das…“, er verstummte abrupt, denn alle Gäste hatten sich erhoben und applaudierten, während Barry den fassungslosen Jubilar zu seinem Platz geleitete. Hier ließ sich Gary erst einmal auf seinen Sitz plumpsen und schnappte nach Atem. „Barry, du verdammter…“, was er weiter sagte ging in dem allgemeinen Trubel unter.

Larry meldete sich zu Wort. „Lieber Gary…“, so fing eine lange Rede an, die mit den Worten endete: „…und deshalb haben wir uns überlegt, dir ein Geschenk zu machen, dass du immer bei dir hast; eine Uhr. Doch bedenke das die Goldpreise kräftig angezogen haben und es keine günstige Rolex mehr auf dem britischen Markt gibt.“

Hier stockte er einen Moment und sah sich nach Onkel Dagobert Nigel um. Der saß ganz entspannt und lauschte scheinbar dem Nachhall der Rede.

„Nigel, die Uhr“, rief Larry verunsichert aus.

Der Angesprochene erwachte aus seinem, wie auch immer gearteten, Wachtraum. „Uhr? Ja, sicher, die Uhr. Wo ist sie denn?“

„Du hast sie, ganz bestimmt!“

Nigel schaute zunächst verdutzt und dann unter den Tisch.
„Stimmt, ich hatte die Uhr“, sagte er. „Aber wo habe ich sie denn bloss gelassen?“ Er stand auf und kramte in allen vier Ecken des Raumes herum. „Wo ist denn bloss diese verdammte Uhr“, murmelte er.

Ein eher rustikaler und schon leicht angeheiterter Gast krabbelte unter den Tisch. „Ladys, kneift die Knie zusammen, ich komme“, grölte er zur allgemeinen Erheiterung. Wenig später tauchte er zwischen dem Beinen seiner Frau wieder auf. „Die Uhr habe ich nicht gefunden…“, stellte er fest.

„Und hier ist nichts, dass du nicht schon kennst“, klärte ihn seine Angetraute freundlich auf, was den Herrn dazu veranlasste komplett unter dem Tisch hervorzukommen und sich gutgelaunt und durstig auf seinen Platz zu setzen.

Barry meldete sich zu Wort. „Kann es denn sein, dass du die Uhr noch in deinem Hotelzimmer hast?“

Nigel schlug sich mit der flachen Hand vor den Kopf. „Ich Esel, ja klar. Einen Moment, ich hole sie sofort.“ Mit diesen Worten stürmte er aus der Tür und ließ die Gesellschaft in verblüfftem Schweigen zurück.

Einige Zeit später tauchte er, sehr zur Erleichterung seiner Partner, tatsächlich mit der goldenen Rolex auf und überreichte sie dem freudestrahlenden Gary.

Nachdem die Uhr mit einigen Hindernissen überreicht und alle Reden des Abends gehalten worden waren ging man zum gemütlichen Teil über. Hier erwiesen sich die Briten, wie erwartet, als trinkfest und gemütlich und trotz aller Anfangsschwierigkeiten wurde Garys Fest eine rundum gelungene Feier.

Epilog
„So, jetzt erzähl mal, wie war es in Manchester? Was hast du alles gekauft? Bestimmt lauter angesagte Klamotten! Wie war die Feier?“

„Hmmm“, Alice brummelte unverständliches.

„Was heißt das?“ Ihre Freundin ließ nicht locker.

„Ja also; ich war gar nicht in Manchester, sondern in Bolton.“
„Kenne ich nicht.“
„Das glaube ich sofort, musst du auch nicht kennen lernen. Ich habe nichts gekauft, doch dafür habe ich mit Gary, Barry und Larry zu Mittag gegessen, ach ja und Onkel Dagobert war auch dabei. Larry ist übrigens ein kiffender Inder. Alan hat den Spiegel vom Leihwagen zerstört, was natürlich bei der Abgabe voll peinlich aufgefallen ist. Bei der Feier hat Onkel Dagobert die goldene Rolex verlegt, ein besoffener Brite ist unter den Tisch gekrochen um den Weibern unter den Rock zu schielen und der Jubilar hat seine Pizza nicht gegessen.“
Alices Freundin musterte sie mitleidig. „Und ich habe gedacht, dass es keine Fälle mehr von BSE auf der Insel gibt! Da habe ich mich wohl gründlich geirrt…“

Dackelliebe

Der Dackel Murphy ist gewitzt,
zuweilen grinst er frech-verschmitzt.
Dann ist der große Coup gelungen,
die Speisekammertür bezwungen.
Dahinter hängen gute Sachen,
die Leib und Seele Freude machen.
Drum isst er, was das Herz begehrt
und was ansonsten ihm verwehrt.

Die Folge dieser Freveltat
bleibt ihm natürlich nicht erspart,
doch denkt er: „Herrchen, bleib mal taff,
den Schinken hab ich nicht geschafft.“
Ansonsten ist der Dackel brav,
genießt die Ruhe und den Schlaf.
Von ausgeglichenem Temperament,
hat er das Meiste schlicht verpennt.

Doch wird selbst er zuweilen wach,
vergisst das Futter und den Schlaf:
wenn laue Lüfte lockend weh ’n,
allüberall die Blümchen stehen,
die Bienen summend Nektar sammeln,
der Jüngling öfter kommt ins Stammeln,
Steckt Dackels Nase in der Luft
und wittert ganz besonderen Duft.

Die holde Weiblichkeit, sie lockt,
des Rüden Atem plötzlich stockt:
Wie zauberhaft kann sie nur sein,
wenn ihr Geruch so wunderfein.
Er folgt den Spuren ganz verzückt,
wird schier vor Aufregung verrückt.
Hier muss es sein, der Duft betört,
der Dackel ist bereit für ’n Flirt.

Drängt sich erregt durchs Gartentor,
wie Romeo kommt er sich vor.
Die Tür geht auf und Julien naht,
ihr Romeo verzückt erstarrt-
was allerdings nicht lange währt!
„Was stimmt hier nicht, was ist verkehrt?“
Dies dralle Weibchen geifert, tobt,
ist riesig, hässlich, schon verlobt.

Ihr Freier folgt ihr, knurrt und spricht
„Verschwinde schnell, du kleiner Wicht.
Dies Weibchen hier ist nichts für dich,
denn es steht einzig nur auf mich.
Wenn du dich nicht von hinnen machst,
so kriegst du kräftig was aufs Dach.“
Die Argumente überzeugen,
und Murphy muss sich ihnen beugen.
Er zieht von dannen, ist geknickt,
Tristesse ist da, wohin er blickt.
„Der Liebe will ich nun entsagen
und denk‘ forthin nur an den Magen.
Was nutzt der schönste Zauberduft,
wenn er nichts ist, als heiße Luft!“
Spricht er zu sich und geht nach Haus‘,
schläft sich von seinem Kummer aus.

Drum merke: wenn die Lüfte schwirren,
Und Düfte dich vielleicht verwirren.
Wenn Hummeln brummeln, Blumen blühen,
des Jünglings Wangen sachte glühen,
die Nächte lau, die Sterne blinken,
und Mädchen lachend nach dir winken,
dann prüfe langsam, mit Bedacht,
ob neue Liebe glücklich macht.

Anthologie “Trübsalkiller”, erscheint in Kürze im Wendepunktverlag

Bilder zaubern Worte – Gelsenkirchener Barock

Wie so oft sitze ich an meinem Platz und wie so oft überkommt mich das vertraute Gefühl: Bloss weg hier! Raus aus dem Mief und der Bürgerlichkeit, die das monströse Möbel repräsentiert.
„Gelsenkirchener Barock“, das trifft es am ehesten. Ein gewaltiger Küchentisch, natürlich massiv, wie du immer betont hast. Kurz nach der Währungsreform gekauft, „als es uns allen schon wieder besser ging“. Für 50 Mark, das war damals eine gewaltige Summe, jedenfalls für dich.
„Und, Kind, ich bin jeden Monat pünktlich zum Ersten ins Möbelgeschäft gegangen und habe die Rate auf den Tisch des Hauses gelegt, immer zehn Mark, denn auf einen Jollenbeck kann man sich verlassen!“
Vorsichtig streiche ich über die Kante. Ja, hier ist die Kerbe, die ich mit meinem nagelneuen Taschenmesser in einem Anflug von Protest hineingeritzt habe, weil hier immer still gesessen werden musste. Weil gegessen wurde, was auf den Tisch kam. Außer einer Tracht Prügel hat mir mein stiller Protest nichts eingebracht, doch es hat mich darin bestärkt, so schnell wie möglich weg zu kommen. Mein Leben in die Hand zu nehmen und eigenverantwortlich zu entscheiden.
Letztendlich hast du mich in allem unterstützt, bist da gewesen. Hast zu mir gestanden, massiv und durch nichts zu erschüttern. Genau wie dieser unglaubliche Küchentisch.

Vor einer Woche habe ich dich zum letzten Mal begleitet. Du hast dich niemals aufgegeben, doch zuletzt ist eine große Müdigkeit über dich gekommen. Du wolltest einfach nicht mehr, hattest genug gelebt, gekämpft, gelitten. So bist du gegangen, wohin auch immer. Irgendwann werde ich dir folgen, vielleicht kannst du ja einen Platz für mich freihalten!
Ich stütze mich auf, es ist etwas mühsam aufzustehen, doch der Tisch hilft mir dabei mich aufzurichten. Die Oberfläche fühlt sich ganz glatt an, ist immer noch schön poliert. Kein Wunder, du hast sie immerzu gewienert.
Weißt du was, Papa, ich werde das gute Stück nicht mit in den Sperrmüll geben. Irgendwo im Haus findet sich ein Platz für dein Lieblingsmöbel!
…und ich werde mich schon daran gewöhnen.

Thema Bilder Zaubern Worte, Begegnungen im Park. Es war einmal

Versunken saß Angelina an dem kleinen Tümpel, schaute den Sonnenstrahlen zu, die sich durch das Blätterdach stahlen und goldene Muster zauberten. Die Bäume spiegelten sich im Wasser, das sich ab und zu kräuselte und das Bild ein wenig verschwommen werden ließ.
Wann immer es möglich war, sie sich wegstehlen konnte, lief sie hier her, denn der Weiher übte eine unwiderstehliche Anziehungskraft auf sie aus. Hier fand sie Ruhe und Frieden, konnte Kraft tanken. Musste nicht dauernd präsent sein, immer von Menschen umgeben, die jede ihrer Bewegungen registrierten und kommentierten.
Einerseits war es schön eine Prinzessin, das einzige Kind ihres Vaters, zu sein. Der König liebte sie von ganzem Herzen und erfüllte fast jeden ihrer Wünsche. Andererseits war sie eingezwängt in ein Korsett von Äußerlichkeiten, denn die Etikette musste auf jeden Fall eingehalten werden. Egal wie sie sich fühlte, sie hatte, als Mitglied der königlichen Familie, zu funktionieren.

Nun, daran würde sich nichts ändern, auch nicht, wenn ihr Vater den passenden Gemahl für sie gefunden hätte. Der König war eifrig auf der Suche und hatte schon einige Bewerber in die engere Wahl gezogen und obwohl er sie aufrichtig liebte, erwartete er doch, dass sie seine Entscheidung akzeptierte. So verlangte es die Tradition, so waren auch ihr Vater und die, bei ihrer Geburt verstorbene, Mutter zusammengekommen. Liebe spielte keine Rolle, wichtig war es, die Dynastie fortzusetzen.

Oft fragte sie sich wie es wohl wäre zu lieben. Jemanden zu finden, er diese Liebe erwiderte, der bedingungslos zu ihr stand, ganz egal, was die Tradition befahl. Gerade in der letzten Zeit verspürte sie eine unbestimmte Sehnsucht, die sie immer wieder an den verschwiegenen Weiher führte.
Doch sie hatte lange genug vor sich hingeträumt, bestimmt wurde sie schon vermisst. Energisch stand sie auf, schüttelte ihre Röcke aus und erstarrte, denn sie sah im Wasserspiegel das gegenüberliegende Ufer, dort saß jemand. Verwirrt schaute sie sich das Ufer genauer an und konnte niemanden sehen. Einzig im Wasser erblickte sie einen jungen Mann, der sich jetzt zögernd erhob und ihr zuwinkte. Das konnte nur ein Trugbild sein. Angelina kniff die Augen fest zu und öffnete sie vorsichtig wieder. Der Mann kam einen Schritt näher, stand jetzt direkt am Weiher. Doch eigentlich stand dort niemand, einzig sein Spiegelbild schaukelte sanft auf der Wasseroberfläche. Von heller Panik erfasst raffte Angelina ihre Röcke und lief so schnell sie konnte nach Hause.

„Kind, du bist ja ganz erhitzt und schau dir nur an, wie schmutzig deine Röcke wieder einmal sind! Man könnte dich glatt für eine Bauernmagd halten.“ Ihre erste Hofdame seufzte vernehmlich. „Wo bleibt nur deine königliche Würde! Contenance, meine Liebe! Schließlich sollst du bald verheiratet werden. Welcher ernstzunehmender Freier will schon so einen Wildfang haben.“ Hier musste Frau von Tulpenwalde erst einmal Luft holen, was Angelina die Möglichkeit gab, an ihr vorbei zu schlüpfen. „Es tut mir wirklich leid, ich werde mich bemühen, in Zukunft besser auf meine Röcke zu achten“, rief sie über die Schulter zurück und erklomm leichtfüßig die Treppe zu ihren Gemächern.
Hier setzte sie sich für einen Augenblick aufs Bett. Was hatte sie sich denn da bloss eingebildet. Ein Mann im Wasser, der sonst nicht zu sehen war! Welch ein Unsinn! Bestimmt hatte ihr die Fantasie einen Streich gespielt und es waren nur ein paar Äste, die sich im Wasser spiegelten. Doch Angelina kam nicht mehr dazu, weiter über dieses Trugbild nachzudenken, denn Frau von Tulpenwalde betrat ihr Schlafgemach. „Los, los, meine Liebe. Du musst dich schnellstens umziehen. Dein Vater hat für den heutigen Abend ein Festbankett anberaumt. Der Prinz von Kaiserskronen ist früher als erwartet eingetroffen. Es wird gemunkelt, dass er um deine Hand anhalten will. Er soll ein so schöner Mann sein und sehr wohlhabend dazu.“ Sie nahm Angelinas Hand. „Ach, Kind, dass ich das auf meine alten Tage noch erleben darf. Schon deine Mutter war mir lieb und jetzt bist auch du eine junge Dame.“ Sie ließ abrupt die Hand los und rümpfte die Nase. „Und du siehst nicht sehr damenhaft aus. Hopp, hopp, umziehen ist angesagt. Der Prinz will eine vornehme junge Dame sehen und keine Gänsemagd!“

Zögernd ließ sich Angelina am Ufer nieder. Sie war, seit sie das Trugbild im Wasser gesehen hatte, nicht mehr hier gewesen. Doch heute brauchte sie Ruhe um nachzudenken.
Das Bankett war ein voller Erfolg geworden. Prinz Gustavio von Kaiserskronen, ganz entzückt von ihr, führte ein paar Tage später ein langes Gespräch mit Angelinas Vater. Heute hatte der König ihr mitgeteilt, dass seine Entscheidung gefallen war. „Der Prinz ist eine gute Partie, mein Kind. Wir müssen an die Fortführung der Dynastie denken. Er hat mir zugesichert, unser Königreich ohne wenn und aber an euren ältesten Sohn weiterzugeben. So Gott will, werde ich lange genug leben um meinen Enkel auf dem Thron zu sehen.“

Prinzessin Angelina hörte ihm schweigend zu und obwohl sie seit langem wusste, was von ihr erwartet wurde, regte sich Widerstand in ihr. Sie wurde verschachert wie eine Ware. Weder der Prinz noch ihr Vater hatten es auch nur in Erwägung gezogen, sie zu fragen, ob sie mit einer Heirat einverstanden war. Die Dynastie stand über allem, aber wo blieb ihr Glück? Prinz Gustavio war ihr nicht unangenehm, doch konnte sie es sich nicht vorstellen, ihr Leben mit ihm zu verbringen.

Sie war so in Gedanken versunken, dass sie die Gestalt hinter sich erst gar nicht wahrnahm. Erst eine Bewegung seines Spiegelbildes ließ sie aufschrecken
.
„Bitte lauf mir nicht wieder weg“, sagte er leise. Die Stimme schien leicht wie ein Lufthauch, war in ihren Gedanken. Sie schaute sich um, doch hinter ihr befand sich niemand. Einzig der Wasserspiegel zeigte sein Bild.
„Wo bist du und was bist du?“, fragte sie zögernd.

„Ich stehe genau hinter dir, doch du siehst mich nur im Wasser. Darf ich mich zu dir setzen?“

Angelina rückte ein wenig zur Seite und er setzte sich, im gebührenden Abstand, neben sie. „Was bist du? Wieso kann ich dich nicht richtig sehen?“, fragte sie wieder.

„Das liegt daran, das du ein Mensch bist. Ihr seht meist nur das Offensichtliche. Ich bin ein Wesen der Luft.“ Er rückte ein wenig näher. „Die meisten Menschen sehen nur mit den Augen, das was sie sehen wollen, was in ihre Welt passt. Doch es gibt noch viel mehr.“

Angelina musterte sein Spiegelbild genauer. Er gefiel ihr, saß ganz selbstverständlich neben ihr, als ob das schon immer so gewesen wäre. Er kam ihr seltsam vertraut vor.

„O ja“, lächelte er. „Ich habe schon oft neben dir gesessen, du hast es nur nicht wahrgenommen. Du warst immer in Gedanken versunken und in letzter Zeit so traurig, da habe ich es nicht gewagt, dich zu stören.“

Angelina runzelt die Stirn. „Heiß das, dass du mich schon öfter beobachtet hast? Warum kann ich dich ausgerechnet jetzt sehen“, sie zuckte die Schultern. „Im Spiegel sehen, meine ich.“

„Es ist an der Zeit.“ Sein Ausspruch klang rätselhaft, doch er erklärte nichts. Saß schweigend neben ihr, betrachtete wie sie das Spiegelbild im sonnenblinkenden Wasser.
„Hast du einen Namen“, fragte sie schließlich. Er lachte leise. „Natürlich habe ich einen Namen. Ich heiße Lorián.“

„Lorián“, sie wiederholte den Namen. „Werde ich dich morgen wieder hier finden?“
Er schaute sie ernst an. „Wenn du das möchtest, wirst du mich immer finden.“

Von nun an stahlt sich Angelina jeden Tag aus dem Palast um Lorián zu sehen, und immer fand sie ihn im Spiegel das Weihers. Oft saßen die beiden in stiller Eintracht nebeneinander, sich wortlos verstehend, zufrieden in der Gegenwart des Anderen. Alle Sorgen fielen von ihr ab, wenn sie sein jetzt vertrautes Bild sah. Doch immer öfter kam ihr der Gedanke wie es wäre, ihn in seiner wirklichen Gestalt zu sehen, ihn zu berühren, von ihm berührt zu werden. Sie wagte es nicht, ihre Sehnsucht in Worte zu fassen, denn sie fürchtete ihn zu verlieren. Auch Lorián sehnte sich nach einer Berührung, doch fürchtete er, sie zu verlieren.


So verging die Zeit und die Hochzeit mit Prinz Gustavio rückte immer näher. Angelina hatte alle Anproben über sich ergehen lassen und ansonsten vermieden, an die bevorstehende Hochzeit zu denken, doch sie wurde immer trauriger. Nach wie vor konnte sie sich ein Leben an der Seite des Prinzen nicht vorstellen. Gustavio versuchte in allem, ihr Wohlwollen zu erregen, ihr zu gefallen, doch je mehr er sich anstrengte, um so widerwilliger ließ sie seine Gunstbeweise über sich ergehen. In ihrem Herzen sehnte sie sich nach Lorián.
Als Angelina eines Tages neben ihm am Weiher saß, fasste sie sich ein Herz.
„Was würde passieren, wenn ich deine Hand ergreife“, fragte sie.

Lorián schaute sie einen Augenblick aufmerksam an. „Wenn du das wirklich möchtest, so solltest du es ausprobieren“, antwortete er. Zögernd tastete sie nach seiner Hand, er kam ihr auf halbem Weg entgegen und sie spürte den sanften Druck seiner Finger. Überwältigt schloss sie die Augen und fühlte. Fühlte wie seine Hand an ihrem Arm entlangwanderte, sei sanft streichelte.

„Warum kann ich dich fühlen und nicht wirklich sehen“, murmelte sie, unfähig die Augen zu öffnen und den Zauber zu brechen. Er hielt einen Moment inne, nahm langsam seine Hand von ihrem Arm. „Es gibt eine Möglichkeit“, begann er. „Aber du musst dir ganz sicher sein, denn es gibt kein Zurück.
“
Sie öffnete die Augen. „Ich weiß, dass es kein Zurück mehr gibt, denn ich liebe dich. Ich würde alles dafür tun um immer mit dir zusammen zu sein, wenn das auch dein Wunsch ist.“

„Es ist an der Zeit“, begann er, die Worte ihrer ersten Begegnung wiederholend. „Ich habe über dich gewacht, denn ich liebte dich vom ersten Augenblick, an dem ich dich sah. Doch die Zeit war noch nicht reif und ich übte mich in Geduld. Doch dann wurdest du so traurig und sehnsuchtsvoll, an jedem Tag mehr. Das konnte ich nicht ertragen und wollte dich trösten. Doch dazu musstest du mich sehen können. Deshalb bat ich meine Brüder und Schwestern, die Geister der Luft, um Beistand. Sie gewährten mir die Bitte, du kannst mein Spiegelbild sehen, kannst mich fühlen. Doch wenn wir für immer miteinander glücklich sein wollen, dann musst du werden wie ich.“

„Wie sollte das gehen? Was muss ich tun um wie du zu werden?“

„Meine Brüder und Schwestern müssen dich in ihre Gemeinschaft aufnehmen. Um das zu erreichen gibt es nur eine Bedingung“, hier verstummte Lorián.

„Welche Bedingung? So sag doch!“

Er lächelte sie traurig an. „Sie fordern deinen Tod, damit wir glücklich werden können. Mehr kann und darf ich nicht sagen. Doch wenn du mir vertraust, so werden wir auf ewig zusammen sein.“

Angelina wich schaudert zurück. „Ich will nicht sterben, wenn du mich wirklich lieben würdest, so könntest du das nicht von mir verlangen. Ich will leben und mit dir glücklich sein!“

„Bitte vertrau mir, ich liebe dich!“ Loriáns Spiegelbild verblasste, verschwand plötzlich ganz. Angelina war allein und eine tiefe Traurigkeit überkam sie.

„Aber Kind!“ Frau von Tulpenwalde schloss leise die Tür. „Wo bleibst du denn nur wieder. Dein Vater wartet auf dich, er will ein Wort mit dir reden.“
Angelina hob müde den Kopf. Sie war tränenblind zurück in den Palast gestolpert und hatte sich in ihren Gemächern verkrochen. Jetzt waren die Tränen versiegt und zurück blieben Kummer und Hoffnungslosigkeit.

Frau von Tulpenwalde musterte sie aufmerksam. „Was ist denn nur passiert? Du bist in letzter Zeit nicht wiederzukennen. Du möchtest den Prinzen nicht heiraten, nicht wahr? Gibt es einen anderen?“

„Ja.“ Angelina nickte zögernd. 
„Wenn ich dir nur helfen könnte. Doch du wirst dich damit abfinden müssen, den Prinzen von Kaiserskronen zu heiraten. Glaub mir, du hättest es schlimmer treffen können. Jetzt musst du dich gebührend ankleiden, dein Vater ist schon sehr ungeduldig.“

Auf dem Weg zu den Gemächern ihres Vaters fasste Angelina einen Entschluss: Sie würde den Prinzen niemals heiraten, lieber wollte sie bis an ihr Lebensende ledig bleiben.

„Du bist wohl verrückt geworden! Was fällt dir ein, dich meinen Anordnungen zu widersetzen, du dummes Ding! Ich werde dir die Flausen schon austreiben!“ Der König baute sich drohend vor seiner Tochter auf. „Wenn du nicht gehorchst, so werde ich dich bis zum Tag deiner Hochzeit in deine Gemächer sperren. Du bekommst nur Wasser und trockenes Brot, das wird dich schon gefügig machen!“

So geschah es, der König ließ seine Tochter einsperren und niemand durfte mit ihr sprechen. Einmal am Tag brachte ihr die alte Hofdame Wasser und trockenes Brot. Doch die Prinzessin verspürte weder Hunger noch Durst und rührte weder Wasser noch Brot an, wurde immer durchscheinender und zerbrechlicher. Tag und Nacht saß sie am Fenster, dachte an ihren Liebsten und wünschte sich zu ihm, bedauerte, nicht in den Tod gegangen zu sein, denn dieses Los erschien ihr besser, als das Leben an der Seite des ungeliebten Prinzen zu fristen.

Eines nachts öffnete sich leise ihre Tür. Frau von Tulpenwalde schlich sich ins Schlafgemach. „Ich kann dein Leid nicht mehr mit ansehen, meine kleine Prinzessin“, flüsterte sie. „Du sitzt hier in deinem goldenen Käfig und wirst vor Kummer vergehen. Wenn du zu deinem Liebsten willst, so werde ich dich nicht davon abhalten.“

Angelina erhob sich zögernd. Sollte sie es wirklich wagen? Plötzlich wusste sie genau, was zu tun war. Sie würde zum Weiher gehen und dort auf Lorián warten. Sie würde ihm vertrauen, denn sie wollte nicht ohne ihn sein.

Sie fühlte seine Anwesenheit, ehe er ein Wort gesprochen hatte. „Ich will nur bei dir sein“, flüsterte sie. Auch jetzt schwieg er,nahm sie in die Arme, hielt sie fest. Sie sanken in das Gras
.
„Bis du sicher“, flüsterte er.

„Ja, ganz sicher!“
Er küsste sie leidenschaftlich und die Welt versank um sie.

Als der Morgen dämmerte, nahm er sie bei der Hand, führte sie ganz dicht an den Rand des Weihers. In Wasserspiegel sah sie ihn nah bei sich. „Bist du ganz sicher?“, fragte er noch einmal.

„Ja, ich war mir noch nie sicherer“, antwortete sie mit fester Stimme.

„Dann vertraue mir bitte. Du siehst mein Bild auf dem Wasser, nicht wahr. Bitte komm zu mir.“S
ein Spiegelbild steckte ihr die Arme entgegen.
Plötzlich wusste sie, was zu tun war und sie vertraute ihm mit allen Fasern ihres Herzens.

Sie sprang.

Es wisperte und flüsterte um sie.
Ein warmer Wind umschmeichelte sie, sie schwebte.
„Willkommen“, wisperte es. „Willkommen bei den Wesen der Luft. Du bist jetzt eine von uns.“


Ehe sie antworten konnte, umfing er sie und sie wußte, dass sie für immer vereint bleiben würden.

Verlassen

Verlassen

Nun ist es geschehen,

du lässt mich allein!

Du hast eine Andere,

für mich bleibt nur Pein!

Einst war ich dein Liebstes,

tat alles für dich.

Nun bist du mir untreu,

denkst so gar nicht an mich.

Wo sind all die Versprechen,
die 
du einst du mir gegeben?

„Ich bleib immer bei dir,

für ein ganzes Leben!“

Es waren leere Worte

und Sprüche von dir.

Schon lange vergessen,

jetzt gehst du zu IHR!

Sie ist so viel jünger

und blonder als ich.

Das ist so gemein

und der Zorn schüttelt mich.

Doch was soll das Gejammer?

Plötzlich schäme ich mich.

Denn ich will doch nur gutes

und das Beste für dich.

Was bin ich doch dämlich,

vergreif mich im Ton.

Drum lass ich dich gehen
-
werde glücklich, mein Sohn!