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„Du kannst nicht tiefer fallen als in Gottes Hand.“

Februar 24, 2010 in Mit offenen Augen von Netzkritzler

Margot Käßmann zog heute die Konsequenzen aus ihrer Autofahrt unter Alkoholeinfluss und trat von ihren Ämtern zurück. Ein Schritt, der Respekt verdient.

Nein, sie hat nicht den Kopf in den Sand gesteckt und die Sache ausgesessen. Sie hat nicht darauf gehofft, dass über den Vorfall irgendwann Gras wachsen würde. Sie hat keine Entschuldigung und keine dumme Ausrede gesucht, um im Amt bleiben zu können.

Margot Käßmann ist heute einen Weg gegangen, den man sich in der Vergangenheit von manchem Politiker gewünscht hätte: Sie hat sich zu ihrem Fehlverhalten bekannt und ist von ihren Ämtern als Landesbischöfin der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Hannovers und als Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland zurückgetreten.

Am vergangenen Samstag hatte sie mit einem Blutalkoholwert von 1,54 Promille eine rote Ampel missachtet. Man mag es Zufall nennen, oder Glück, oder auch göttliche Vorsehung, dass dabei niemand zu Schaden kam. Doch auch wenn die Sache glimpflich abgegangen ist: Eine Trunkenheitsfahrt mit einem Wert ab 1,1 Promille gilt generell als Straftat und wird mit einer Geldstrafe, 7 Punkten in Flensburg und dem Entzug der Fahrerlaubnis geahndet.

Kann jemand, der eine Straftat begangen hat, noch eine moralische Instanz sein? In den Augen Margot Käßmanns nicht. Sie begründet ihren Rücktritt damit, dass sie nicht mit der notwendigen Autorität im Amt bleiben könne. Damit beugt sie sich ihrer eigenen Moral und wirft diese nicht um der Macht willen über Bord.

In ihrer Presseerklärung hat sie sich bei allen bedankt, die sie auf ihrem Weg begleitet haben. Und sie endete mit einer Feststellung, die sie auf ihrem weiteren Weg als Pastorin begleiten wird: „Du kannst nicht tiefer fallen als in Gottes Hand.“
Für sie ist gerade jetzt die Zeit, da sie diese Hand braucht.

von tiehe

Peenemünde

Februar 5, 2010 in Mit offenen Augen von tiehe

Traumwerkstatt für Raketenpioniere, Wissenschaft und Forschung, aber auch die Brutstätte einer neuen “Vergeltungswaffe”

Nein, wahrlich kein schauriger Anblick, kein Gefühl des Verbrechens nimmt mich nach dem Ausstieg aus der Bahn gefangen. Die Häuser entlang der Straße zum Verfall verdammt, zerschlagene Fenster, zerstörte Unterkünfte einer einst gut situierten Arbeitnehmerschaft, so wie man es noch an vielen Orten sehen kann. Die Natur bemächtigt sich ihrer und möchte schon Gras darüber wachsen lassen.

Nicht einmal der Eingang zum Museum schreckt mich auf.
Doch nur wenige Schritte später und ersten Berichten Überlebender lauschend, nimmt mich die Deutsche Geschichte gefangen.

Die riesige Halle, einst das Kraftwerk der Heeresversuchsanstalt, mit den drei mächtigen Schornsteinen, deutet schon das große Wahnsinnsprojekt, welches innerhalb kürzester Zeit zwischen 1936-1945 aus dem Boden gestampft wurde, die Machtgier und den Geltungsdrang an:
Auf diesem Stück Land befand sich Göbbels Brutstätte für seine Vergeltungs- und Demoralisierungswaffe, hier wurde die Rakete zum Zweck der Zerstörung und militärischer Überlegenheit gebaut, so ihrer Unschuld beraubt, ein Traumflieger zu den Gestirnen zu sein.

Hier lebten Forscher, Wissenschaftler und Militärgesandte in besten Unterkünften inklusive Urlaub an der See und rauschenden Festen.
Dort nebenan wurden Deportierte, KZ-Häftlinge und Zwangsarbeiter angekarrt, zusammengepfercht unter unmenschlichen Bedingungen, ohne Rücksicht auf Verluste.
Hier Ruhm und Geltungsdrang – Dort reiner Überlebenskampf
Hier die Träume der Menschheit in greifbarer Nähe – Dort alles zum Zwecke der Machtergreifung und alltägliche Grausamkeiten an den Menschen

Eine eigene abgeschottete Stadt, die soviel Erfinder- und Pioniergeistgeist in sich barg, welches der Verantwortung der Wissenschaft gegenüber Mensch, Natur ,Ethik und Moral nicht gerecht wurde und so unendliches Elend für viele Tausende von Menschen hervorbrachte, die einfach benutzt wurden als Arbeitsmaterial und jeder Zeit als erneuerbar galten.

Und doch schaue ich zum Himmel, sehe in die Tiefe des Universums und fühle für einen Moment den Wunsch, nach den Sternen zu greifen, ihnen ein Stückchen näher zu kommen, ein Winziges ihrer Geheimnisse lüften und verstehen zu können. Mein Gefühl, so weit vom Bestreben nach Macht, Gewalt und Vernichtung entfernt, verliert sich in Melancholie und Traurigkeit beim Eintritt in die riesige Halle.

Auf einfache Art und Weise und wohl gerade deshalb so beeindruckend, unter die Haut gehend wird die Geschichte des 2.Weltkrieges dokumentiert.
Beginnend mit den Versailler Verträgen, Ausbreitung der Schlachtfelder, UN-Charta, Kinderlandverschickung, Vertreibung, Verluste, Elend, Technisches Wettrüsten, Kalter Krieg und Peenemünde mittendrin:
Denn genau hier gelang im Oktober 1942 der technische Durchbruch. Die erste Fernrakete wurde gezündet, jedoch nur zum Zweck, dem Militär größere Überlegenheit zu geben.

Beklemmung macht sich breit, kein Lachen, ernste und traurige Gesichter, Blicke des Unverständnisses bis hin zur Hilflosigkeit begegnen mir. Und auch ich trage all diese Gefühle von Raum zu Raum auch in mir. Meine Eltern kommen mir in den Sinn, selbst noch Kinder in jener Zeit, mussten flüchten, sich in Kellerräumen verstecken, zusammengepfercht, immer die heulende Sirene im Ohr. Ein Ton, der sich für alle Ewigkeit einprägt, sich unauslöschlich im Hirn eingebettet hat und sie auch später noch bei Alarmübungen zusammenzucken ließ.
Das Knacken, Knallen, die pfeifenden Geräusche der Bomben, das Bersten einer gefüllten Wasserleitung, die tödliche und zerstörerische Kraft des Einschlages und das Bröckeln und tosende Zusammenfallen der Häuser- Kartenhäusern gleich- waren sie doch bis dato Schutzburg und boten immer das wohlbekannte Dach über dem Kopf.

Schwarzweißfotos an der Wand
Mutter und Sohn, alleine zwischen all den zerbombten Häusern, ihr ganzes Hab und Gut in einem Koffer- überlebt, ja, das haben sie, ihre Blicke spiegeln all die Trauer und Hoffnungslosigkeit deren ein Mensch fähig ist, gepaart mit dem Unverständnis und keinerlei Kraft für die Frage nach dem – Warum -.

Hilflos stehe ich vor diesem Foto. Tränen steigen in mir auf, wollen einfach wegspülen, was so schwer zu ertragen und wohl nie zu verstehen sein wird. Schnell verlasse ich diesen letzten Raum, um mich zu fangen und wieder ruhig atmen zu können.

Am Ende des Rundgangs noch Fotos vom Weltall, ebenso von unserem wunderschönen Blauen Planeten. Ein Sandkorn nur im Universum, doch für uns auf Erden bedeutet es

LEBEN

Und in diesem Moment fällt mir wieder der Spruch von I. Kant ein, welchen ich auf einer Stele vor dem Museum gelesen habe:

Zwei Dinge erfüllen das Gemüt mit immer neuer und zunehmender Bewunderung und Ehrfurcht je öfter und anhaltender sich das Nachdenken damit beschäftigt:
Der bestirnte Himmel über mir und das moralische Gesetz in mir!
Immanuel Kant (1724-1804)

Text : Tietze Linskens

“We cannot allow that everybody does as he pleases.”

Januar 29, 2010 in Mit offenen Augen, Multimedial, Surftipps von Netzkritzler

Englisch wird die Arbeitssprache. Jeder muss Englisch verstehen und Englisch sprechen können.
Das sagt unser neuer EU-Kommissar Günther Oettinger. Und er geht selbst mit bestem Beispiel voran:

Der Aufschwung ist da!

Dezember 12, 2009 in Mit offenen Augen von Netzkritzler

Es geht doch nichts über einen Außenminister, der elegant über’s internationale Parkett schwebt. Unser Guido Westerwelle hingegen hat’s mit dem Schweben nicht so, zumindest dann nicht, wenn er Englisch spricht. Aber urteilt selbst.