Alle Texte zu Kategorie ‘Zauberlieder’

Geduld

Wär ich ein Falter, sagen wir,
und liebte weißen Klee,
und einen Rasen gäbe es,
den ich so gern
benaschte und bestäubte,
und würde er alsbald geschnitten,
er läge blütenlos
am nächsten Morgen:
ich wartete geduldig,
blass beflügelt,
hörte das Gras in Ruhe wachsen,
vertriebe mir die Zeit
mit Glückskleeblättersuche.
Bis endlich neue Blütenigel
sich duftend öffnen.

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Muskelkater

Bäuchlings baumelt die Seele
am Strand. Ein Fuß gräbt im Sand.
Zwischen Sehnen von Ferse und Kniekehle
schmiegt sich entspannt
die hautsamtweiche
nixengleiche
haselbraune
Muskelkatze.
Später, beim Gang in die Düne -
Obacht! Da naht er:
Ein streunender Hüne,
sein Schnurrhaar erzittert.
In Freilaune wittert
ein schwarzschöner Kater!
Verfolgt sie – greift an!
Bezwingt sie mit krallscharfer Tatze.

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Dunkel

Es ruft in den Wipfeln ein Käuzchen.
Wie düster es klagt,
hoch über des Waldfriedhofs Kreuzchen.
Mich schaudert.
Kaum zu atmen gewagt.
Gezaudert.
Was es bloß ruft,
und wen,
und warum?
Ich könnt recherchieren,
doch lausche nur stumm.
Mag nicht das Geheimnis verlieren.

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Und plötzlich wogen die Gedanken

Und plötzlich wogen die Gedanken,
Gefühle peitschen sie im Kreis,
verschleudern sie mit Tatzenpranken
aus ihrem eingefahrnen Gleis.
Ein aufgeschrecktes, banges Wirren
zu eng, so eng! Im Kopf das Tier
schnaubt bebend, bis die Scheiben klirren
und Worte fließen auf Papier,
ergießen sich im Schwall der Fluten
erfinden sich zu Reim und Klang.
Erschöpft versiegt das warme Bluten,
gerinnt zum Eid, ein Leben lang.

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Verborgen

Als ich den See mir einmal zweisam dichtete
und kraulend durch die warmen Wogen schob
sah ich verstohlen, wie im Nass ein Periskop
erwuchs, sich spähend auf mich richtete.
Kein Scham, kein Furcht, ganz sorglos dachte ich:
du siehst mich schwimmen -
doch niemals, lachte ich,
die Hinrgespinste, die dich schufen, glimmen.

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Bilder zaubern Worte – Am Küchentisch

Tisch und Stühle
haben keine Gefühle.
Aber die, die die Holzplatte schmückte,
Vase und Kerzen drapierte,
die Stühle zurecht rückte…
Und der, der einst aufgeregt schwitzte,
als sie es ihm hier herzhüpfend gestand.
Der Knirps, der mit dem Messer hantierte
und unbemerkt die Kerben in die Kante ritzte.
Du auf dem Kippelstuhl. Streifige Wand,
von der Lehne gescheuert.
(Im Streit mal mit einer Apfelsine gefeuert.)
Von deinem [...]

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Sommer im Garten

Die Hängematte abseits der Terrasse
zwischen den beiden Apfelbäumen –
dort ist mein Sehnsuchtsblinzelland,
wo ich mich sanft bebrist
so gern verschaukeln lasse.
Im Blätterschattenspiel gerate ich ins Träumen,
sehr wohl kann sein, was du nicht siehst.
Ein Rauschen trägt mich fort zum Nordseestrand…
Das Krähgekrächze wird zum Möwenschrei,
mit rauer Zunge leckt der Zeiten Zahn
den Muschelsand zu glattem Brei.
die Brandung schmirgelt Kiesgeschiebe
im Räderrausch [...]

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Bio

Lächelnd lehnte ich
irgendwo an einer Wand.
Ein altes Zettelchen,
das ich zerknüllt
in meiner Jacke
wiederfand.
Lasagne-Platten
Möhren (Bio)
Rotwein
Hack (Bio)
Gouda
Ich liebe dich
Petersilie (tiefgekühlt)
Milch (doch nicht)
den Rest haben wir noch
ach so, und Eier (Bio)
Alles bio, hatte ich gelacht.
Ein Spiegelsaal,
wie deine Augen blitzten.
Noch immer rieche ich die Nacht
die wir uns nach dem Mahl
stibitzten.

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Wahre Träume

Wenn du nach hinten schaust, wird alles klein.
Nach vorn der Blick wächst alles auf dich zu.
Du kamst und gehst am Ende ganz allein
und bleibst im Jetzt in deiner Größe du.
Nur deine Träume brechen diese Regel:
Vergangenheit und Zukunft werden groß,
blähst bunt bemalt auf deinem Weg dein Segel,
doch nur mit Tränen lässt du wieder los.
Wenn nun ein [...]

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Rose zur Nacht

Die Rose trauert.
Der Blüte Blut
ertränkt den Mut.
Im Herzen kauert
Verzagen.
Ihr Stachel stach
im Dunkelstolz.
So hart das Holz.
Der Stängel brach
mit Klagen.
Die Nacht entzwei.
Der Morgen gibt
ihr sanft geliebt
den Rat verzeih
zu sagen.
Die bange Rose nickt
geknickt.

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