Eden

Riss in der Mauer.
Schmutz irgendwo.
Kratzer im Lack.
Fältchen am Po.

Moos in den Fugen.
Unkraut im Beet.
Staub in der Ritze.
Schief, was dort steht.

Wild wuchern Rosen durch Ruinen wenn wir träumen.
Wen trieb die Sehnsucht je sein Eden aufzuräumen?

Im Leben jedoch wurmt uns wie im Wahn
im Kurzschnittrasen ein Blatt Löwenzahn.

Das Nummernschild

Das Nummernschild, das Nummernschild
das konnt sich keiner merken.
Nicht Schwächen, keine Stärken,
das Nummernschild.
Kein Kratzer, keine Beulen.
Es war bei Gott zum Heulen,
das Nummernschild.
Nicht Schnaps-, nur wirre Zahlen,
auch keine Initialen.
Das Nummernschild.
Selbst nicht mit Eselsbrücken
wollte das Merken glücken.
Das Nummernschild
konnt nicht phosphoreszieren,
denn niemand wollt´s polieren.
Das Nummernschild.

Das Nummernschild
war nur ein Mauerblümchen.
Kein Ruhm, noch nicht mal Rühmchen.

Doch eines Nachts im Nebel
da wurde es geraubt,
samt Auto, mittels Hebel,
wer hätte das geglaubt!

Es zieht nun durch die Lande
mit einer Diebesbande
und zählt zu den Gewinnern.
Denn wenn die Räuber flüchten
bleibt nichts außer Gerüchten.
Niemand kann sich erinnern
ans Nummernschild.

Es fühlt sich jung und wild.
Das Nummernschild.

Spielverderber

Bevor das Weihnachtsglöckchen klingelt,
noch eh der Christbaum hell erstrahlt
das Engelshaar sich lieblich kringelt
das Dochtlicht alles gülden malt,

bevor wir glücklich uns beschenken
und speisen bis der Magen drückt:
Lasst uns an all die Menschen denken
die niemand heute Nacht beglückt.

Im Rausch der freien Marktwirtschaft
verblasst der Grund zum Feiern matt.
Wir geben hechelnd alle Kraft
zu zählen, wer am meisten hat.

Wir feiern, weil wir Christen sind.
Lasst uns nicht nach Herodes schrein
und lieber wie das Jesuskind
Spielverderber sein.

vage

Puste Löcher in die Wolken.
Wage Hoffnung.
Hoffnung, vage,
schnell vergänglich,
kehrt sie wieder, unerwartet,
anderswo – jedoch
im selben Himmel.

inspiriert von Maultrommlers “sine ira”

Unliniert

Dichter, schreibst du unliniert
und wähnst dich deshalb vogelfrei:
bist du im Herzen kleinkariert
so bleibt´s dabei.

Definition

Musik stellt nur eine Bedingung:
Schwingung.

Der lyrische Otter

(für Christian M.)

Ein Otter
fraß an einem Dotter
mitten im Flussbettschotter.

Warum
denn nur?

Der Sonnen-Ur
erklärts mir stumm
im Regen:

Das hochgeschei-
te Tier aß Ei
der Verse wegen.

Um die Ecke

Wir wachten beide tags mit einem Rüssel auf.
Zeigten gegenseitig mit dem Finger
auf unsere Schlangennasen,
kugelten uns und feixten schrill.

Na klar, wir nehmen Nachteile in Kauf,
es sind ja riesenlange Dinger!
Doch immer noch besser als Hasen:
idiotisch wer so große Löffel haben will!

Auch wenn wir jede Menge Spott erdulden
und aus Eimern trinken müssen –
wir können uns dafür jetzt um die Ecke küssen!

Minniminiep

Mein erster Ton am Morgen ist:
minniminiep.
Zwar würd ich lieber zart geküsst -
(geflüstert sanft:) ich hab dich lieb -
doch bin ich eher.
Frühaufsteher.

Wer´s klassisch mag:
der Klöppelschlag
schellt schrill und intensiver.
Die Klingelton-
generation
weckt sich weit kreativer -

doch mir verschönt den Tag
der digitale,
bin dran gewöhnt und mag
das minimale
Knopfzellenpiep:
minniminiep.

Wenn ich einst sterbe, leget mir
den Wecker in die Linnen.
Die Auferstehung soll Punkt vier
“minniminiep” beginnen.

Oktopus

In meinem kleinen Gartenteich,
ich traute meinen Augen,
sah ich etwas tentakelgleich
an einem Goldfisch saugen.

Das wird doch wohl kein Krake sein?
Ich runzelte die Stirne,
schnell sammelte ich Fallobst ein
und warf mit einer Birne.

Oktopus ließ vom Goldfisch ab,
ergriff die Frucht und zielte,
das Obst verfehlte mich nur knapp,
wohl weil der Krake schielte.

Es kam zu einer Birnenschlacht,
es flogen die Geschütze!
Doch ich bekam – zwei gegen acht -
ganz schwer was auf die Mütze.