Archiv für Juni 2010

Ausgebrannt

Vielleicht hättest Du Dir nicht den Strick genommen, hättest Du Dir ein Beispiel nehmen können….
Die Szene gleich hinter der Haustür, vor weiß verputzter Wand, die Einrichtung Ausdruck typisch deutscher Spießbürgerlichkeit. Eine Marmortreppe führt nach oben, gesäumt vom Geländer. Das Geländer setzt sich oben fort, rahmt den kleinen Flur zu den Schlafzimmern, ragt ein wenig [...]

Weiterlesen »

Nussschalenmann

Die Flüsterer sagten
“Er ist hart wie Stein.”
“Den kannst du nicht knacken”,
raunten sie.
Mit nichts in der Hand,
nur dem Wunsch,
dahinter zu sehen,
fand ich
dein Herz.

Weiterlesen »

Gehen können

„Diese Woche werdet ihr eine Überraschung mit mir erleben“, sagte mein Großvater. Ein paar Tage später stand er morgens auf, wusch sich und sagte zu meiner Tante, die ihm den Morgenkaffee aufs Zimmer brachte: „Heute ist die Überraschung da.“ Dann legte er sich hin und starb.
Humor und Dankbarkeit waren die beiden Eigenschaften, die meinen [...]

Weiterlesen »

Vom Suchen und Finden

Manchmal stehen da solche Sätze und sie gehen einem nicht mehr aus dem Kopf. Die Gedanken kreisen darum und man versucht, den Inhalt zu verifizieren oder zu verwerfen.
„In dir finde ich mich, wie ich mich niemals suchte“, stand da.
Und an anderer Stelle „Man findet sich nicht in anderen, oder?“
Wie findet man sich denn?
Wenn ich mich [...]

Weiterlesen »

Mittagspausentraum

Ich würd jetzt gerne
im Stadtpark kuscheln
in Büschen kruscheln
die Zeit vertreiben
mit Einver-leiben
den Freund begrüßen
nichts denken müssen
nur Sommerblau
um uns herum.

Weiterlesen »

schlaf wandel

gestern
hielt ich die luft an
gefühlstaub geschützt
heute
flüstert jeder meine Atemzüge
deinen namen

Weiterlesen »

ganz einfach

es ist ganz einfach
ich schaff das
hochgehen
frischmachen
die verheulten augen auswaschen
ein blick in den spiegel
- mensch, seh ich scheiße aus -
egal
ein schritt vor den anderen
7 minuten zum parkplatz
doch, ich schaffe das
heimfahren
aussteigen
haustür auf
haustür wieder zu
stille
ganz einfach
stille
ganz allein
für mich
hüll mich ein
lass mich sein
einfach
fließen
einfach
fließen

Weiterlesen »

Wandlungsfrage

Da hängen sie
Raupenleiber
aneinander geschmiegt
netzverwoben.
Ob sie es wissen?
Wissen sie
dass sie aus dem Kokon
als andere herausschlüpfen
den engen Körper abgestreift
als Flieger neu geboren?
Erinnern sie sich dann
an ihr Raupenleben?
Abstreifen täte auch uns manchmal gut.
Hinter sich lassen.
Das Kriechleben aufgeben.
Und fliegen.
Endlich
fliegen
_____________
Foto: Songline

Weiterlesen »

Eine gar traurige Geschichte aus Songlines Schlafzimmer

Es waren einst Millie und Jack
die lebten bei Songline im Eck
bis der Staubsauger kam
ihnen das Leben nahm
nun sind diese Wollmäuse weg.

Weiterlesen »

Nahglück im Konjunktiv

Bist Du mir fern, tut es mir weh,
es zwickt und zwackt der dicke Zeh,
mein Herz mutiert zum Trauerkloß.
Was mach ich ohne Dich hier bloß?
Mir fällt ja nicht mal Lyrik ein,
nur ein Gedicht, das nicht mal fein.
Da hilft nur, höre doch mein Flehen,
dass wir uns zügig wieder sehen.
Dann wär das Fernweh ruckzuck weg,
mein Herz bekäm nen [...]

Weiterlesen »