Linksverkehr

Das Problem ist nicht, dass das Lenkrad auf der rechten Seite ist. Das Problem ist nicht der Linksverkehr, nicht, dass ich nach dem Einsteigen immer nach links zu dem dort nicht vorhandenen Sicherheitsgurt greife, nicht, dass mein linker Ellbogen keinen entspannenden Halt auf dem Fenster findet.
Das Problem ist, mit der linken Hand die Gänge einzulegen und das Auto in der Mitte der Fahrspur zu halten. Schon nach 500 Metern quietscht es.
„Mama, du bist an den Bordstein gefahren.“
Huch.
Das hätte ich nicht gedacht.
Neben dem Kommando „links fahren“ bekomme ich nun wesentlich häufiger das Kommando „Mitte“, was mich in der Fahrspur halten soll. Alternativ klingt vom Nebensitz auch „Bordstein!“, „MAMA!“ oder nur noch „Aaaah!“, wobei letzteres so schrill herüberschallt, dass ich den Wagen etwas schneller nach rechts ziehe als sonst. Erleichtertes Aufatmen meiner Tochter.
„Du bist beinahe in das parkende Auto reingefahren!“
„Echt?“

„Echt. Und das ist auf meiner Seite.“
„Aber auf meiner Seite kommen mir Autos entgegen, ich habe Angst, ich rasiere denen den Seitenspiegel ab.“
„Mama, guck mal, das Auto vor uns, das fährt in der Mitte“
„Ich auch.“
Tochter neben mir: „Das gibt’s doch nicht, dass du das nicht siehst!“
Tochter auf der Rückbank: „Ich will hier raus!“
Vorne lachen wir, schließlich ist das hier ein echtes Abenteuer. Von hinten dringt nur noch ein „Das ist nicht lustig“ nach vorne.

„Ich finde, ich mache es schon prima“, sage ich.
Bis das nächste „Aaaah!“ vom Nachbarsitz herüberschallt.

P.S.
Ein paar Tage und rund 1000 Kilometer später kam vom Rücksitz: „Mama, du fährst jetzt richtig gut.“
Ich werde auch nicht mehr im Kreisel angehupt, seit ich verstanden habe, dass man dort innen und nicht außen fährt, während man seine Runden dreht, bis man sich für eine Ausfahrt entschieden hat 🙂

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