Christbäume

Die Verdunkelung umfängt uns wie ein schützender Mantel. Kein Lichtschimmer dringt nach außen. Gleichzeitig gibt sie den Gedanken Raum für Vermutungen, für Angst. Wer weiß, was da draußen passiert, was uns noch erwartet.

Ich fühle das Streichholz in meiner Hand, entzünde eine Kerze, die den Raum in ein flackerndes Licht taucht. Jetzt kann ich die Gesichter meiner Kinder erkennen. Sie schlafen. Tief und fest. Anneliese, mit acht Jahren die Älteste, hat sich gewundert, als ich erlaubte, dass sie alle drei im großen Bett schlafen durften.
Weiterlesen »

Youtube-Buchtipp: Mordsmütter

Hallo zusammen!
Ich bin entzückt, wie Gorm von Wickis starken Männern rufen würde!

Bei Youtube ist eine Videorezension zu einem Buch aufgetaucht, das mir sehr am Herzen liegt.

Es handelt sich dabei um die Anthologie „Mordsmütter“ aus dem Verlag Via Terra. Wie einige von Euch wissen, bin ich mit einer Story in diesem erfreulich erfolgreichen Krimiband vertreten.

Edition Bitterböse


Klaro, ich würde natürlich diesen Link nicht posten, wenn das Buch bei der Besprechung nicht positiv wegkäme.
Ein kleines Zwicken im Magenbereich kriegte ich bei dem Satz „Ich persönlich kannte jetzt keinen der Autorinnen und Autoren im Buch“, aber daran kann man wohl erkennen, dass nichts an der Rezi freundschaftsdienstmäßig getürkt wurde (hm, ich sag mal, dass man mich nicht kennt, ist nun weniger überraschend, aber was wohl Sabine Deitmer, Ingrid Noll oder Carsten Sebastian Henn jetzt denken … Ich kann mir ein Grinsen nicht verkneifen).

An alle: Verlage sind generell sehr generös, wenn es darum geht, Rezensionsexemplare GRATIS rauszurücken. Das ist für beide Seiten eine Win-Win-Aktion. Einfach mal bei den Verlagen nachfragen.

@Kulturveranstalter: Die Mordsmütter kann man buchen. Auftritte in wechselnden Besetzungen sind problemlos möglich. Wie heißt es so schön: Alles im Leben ist eine Honorarfrage, aber das Leben selbst ist eine Mischkalkulation.
Wer sich was Hochwertiges ins Haus holen möchte, der frage bitte an, und zwar entweder beim Via-Terra-Verlag oder bei Mitherausgeberin Regina Schleheck.

Regina Schleheck


Mich persönlich kann man natürlich auch darauf anhauen, ich leite es dann weiter.
Wie so etwas ausschauen kann, sieht man hier: http://netzkritzler.de/netzwerk/2011/10/inga-hetten-nachbetrachtung-gladbecklesung-04-10-2011/

Ich wünsche viel Spaß beim Schauen und beim Lesen!

http://www.regina-schleheck.de/
http://www.viaterra-verlag.de/

Cover: Mordsmütter


Mordsmütter: Mörderisch gute Geschichten rund um den Mythos Mutti
Mechthild Zimmermann, Regina Schleheck (Hgb.)
Taschenbuch: 320 Seiten
ViaTerra Verlag
ISBN-13: 978-3941970069

Seien wir ehrlich: Leben ist immer lebensgefährlich.

Bloody Marys: Das Leben birgt ein tödliches Risiko – eine Rezension

Bloody Marys: Das Leben birgt ein tödliches Risiko (Cover)


Am Anfang dieser Rezension steht erst einmal die Antwort auf die Frage, wer genau die Bloody Marys überhaupt sind, die dieses Buch verfasst haben.
Es handelt sich dabei mitnichten um einen Club von Liebhaberinnen alkoholischer Cocktails, sondern um einen Zusammenschluss Dortmunder Krimiautorinnen. Im Einzelnen sind dies Eva Encke, Sabine Deitmer, Christina Füssmann, Anne-Kathrin Koppetsch, Sabine Ludwigs und Heike Wulf, vornehmlich lesen die kaltblütigen Ladys für Frauenprojekte.

Die Bloody Marys


Im Jahr 2011 haben die Damen ihr erstes gemeinsames Buch herausgebracht (als Gast gesellte sich noch Jungautorin Sonja Rieckmann hinzu), und das Werk hat sich gewaschen.
Abgründig geht es zu in dieser Sammlung von Mordgeschichten. Von wegen, Frauen morden nur mit Gift! Das vermeintlich schwache Geschlecht meuchelt auf alle möglichen Arten, und zuweilen so brutal, dass selbst Idi Amin aschbleich werden würde.
Und immer führt die Spur nach Dortmund! Die Heimatstadt der Autorinnen bietet die Schauplätze der kriminellen Taten: das berüchtigte U, der Ostenfriedhof, der Reinolditurm, das Westfalenstadion, das Rosarium … Überall liegen Leichen! Nach der Lektüre dieses Buches weiß man, dass nicht nur die Emscher und die Ruhr durch Dortmund fließen, sondern auch der Jordan.

Heike Wulf


Die Autorinnen untereinander zu vergleichen, ist schwierig. Jede Schreiberin hat zwar ihren eigenen Stil, aber alle Geschichten verfügen über ihren ganz speziellen Reiz. Bei Sabine Deitmer ist es besonders die ebenso ausgefeilte wie ungewöhnliche Figurencharakterisierung, welche die Faszination auslöst, bei Eva Encke die Eindringlichkeit der Situationsbeschreibung, bei Heike Wulf die originelle Handlung, bei Christina Füssmann die augenzwinkernde Ironie, bei Anne-Kathrin Koppetsch die emotionale Dichte und bei Sabine Ludwigs die Krassheit der Verbrechen.
Interessant ist, dass man bei vielen Fällen ein bestimmtes Schema ausmachen kann. Mann tut Frau – oft aus purer Lust an der Bosheit – etwas an (z.B. Ehebruch, Missbrauch, Mobbing), Frau übt Vergeltung. So bleibt der holden Weiblichkeit ein moralisches Hintertürchen offen, selbst wenn die Damen in ihrer Rachsucht häufig jedes Maß vergessen. Das sagt viel über das Verhältnis der Geschlechter zueinander und das frauliche Selbstverständnis aus. Als Mann ist man daher besonders über die Geschichten froh und dankbar, in denen Frauen aus pursten niederen Motiven killen und in ihrem Wesen zutiefst verdorben sind. Fast macht sich Erleichterung breit. Nicht nur Männer sind Schweine!
Auf jeden Fall ist in kriminologischer Hinsicht eines glasklar: Das Böse ist in Dortmund heimisch. Schalke-Fans dürfen sich bestätigt fühlen!

Sabine Deitmer

Bloody Marys: Das Leben birgt ein tödliches Risiko (Anthologie)
Sabine Ludwigs (Herausgeber, Mitautor), Heike Wulf (Herausgeber, Mitautor)
ISBN: 978-3942672023
Verlag: OCM GmbH

Berlin – 10 Minuten später

Hihi-Folge

Sollte der Bundespräsident in die Wüste geschickt werden, von sich selbst, von wem sonst, er darf ja nur jemanden begnadigen, der rechtskräftig verurteilt wurde, schade, plädiere ich für die Sahara, auf den Spuren des Forschers Laduslaus Alimasy, der die „paradiesische Vergangenheit der Sahara“ entdeckte. Vielleicht entdeckt der Bundespräsident dort ja auch seine paradiesische Vergangenheit. Oder er entdeckt in der Wüste, das wäre großartig, toi, toi, toi, die baldige paradiesische Zukunft von Frau M.

der dort oben

der dort oben onaniert im Stundentakt hat einen Brief geschrieben weil er emails verteufelt wie diese ganze verdammte Technik

der dort oben schläft ohne Laken auf einer Federkernmatratze zeichnet Luftballons mit Kohle auf Büttenpapier trägt ein Piercing liebt Symphonien von Gustav Mahler glotzt aus dem Fenster tötet mit seinem Blick Vögel pinnt mit winziger Handschrift Anmerkungen in Bücher deren Sinn er bestenfalls halb versteht

der dort oben hat seinen Kleiderschrank mit einem Vorhängeschloss gesichert drei Kinder gezeugt

der dort oben schluckt einen Liter isotonische Brühe um dem Mineralverlust bei Hitze entgegenzuwirken fürchtet sich Namen zu vergessen

der dort oben weiß nicht dass es mich gibt

der dort oben weiß nichts von meiner Existenz sein Fußboden ist meine Zimmerdecke ein Ding mit zwei Bezeichnungen aus unterschiedlichen Perspektiven betrachtet je nach dem Grenze Beton Mauer durchlässig lediglich für eine Ahnung von Leben jenseits das Geräusch von Schritten Husten Klospülung

der dort oben weiß nichts von mir hier unten zwischen uns beiden eine unsichtbare Schicht aus Isolation und Schweigen lediglich mathematisch nachweisbar wie ein kaum vorstellbarer kleinster Punkt so eindimensional wie konkret in seiner Wirkung

ich hier unten schlafe mit zwei übereinander getragenen langen Hosen und einem Fleecepullover zähle die Tage bis zur Sonnenwende finde mein Spiegelbild in Protagonisten japanischer Animes

ich hier unten schreibe Gedichte für Hemdentaschen Schublaben Schuhkartons Niemanden

ich hier unten weiß nichts von dem dort oben ahne nichts von Gemeinsamkeiten reibe mich nicht an Trennendem

ich hier unten

ich hier nebenan zwanzig Zentimeter Lichtjahre entfernt getrennt durch diese Demarkationslinie die den Beton zerschneidet

der drüben nebenan lässt beim Zähneputzen Wasser laufen hat die Zeit abonniert läuft barfuß über zerkratztes Laminat

dem drüben nebenan ist der diagonal oben scheißegal wie ich hier links nebenan für ihn nicht existiere ebenso wenig wie der weit unter mir in seinem Kosmos gefangen lebt

und ich
und ihn
und sie
uns alle
verbindet diese gemeinsame Grenze des

großen grauen
Nichts

(Roger Sponheimer)

Kunst-Sterne am Nachthimmel

Keine Peitschenhiebe mehr auf dem Asphalt

Die bösen Geister werden vertrieben

Heutzutage mit Feuerwerk am Nachthimmel

Vergangenes trifft auf Neues

Traurigkeit weicht der Hoffnung

Zuversicht bekommt Zuwachs

Ohne Erwartungen hat das Neue eine Chance

Gewähren und nutzen wir sie

Text und Fotos: © Tietze Linskens

Jänner

armer Teddy

aus Pixelio.de, fotografiert von Jutta Anger

Mein Rezept contra Frühjahrsdepression… Weiterlesen »

Ein Frohes Neues Jahr!

Die Netzkritzler-Redaktion, sprich: meine Wenigkeit, wünscht allen Autoren und Lesern ein Frohes Neues Jahr!

Vor allem wünsche ich Euch Gesundheit, die Erfüllung Eurer Wünsche und sprühende Kreativität.

Liebe Grüße
Andrea

Ein Foto – Wenige Worte – Große Hoffnung

Mit diesem Foto

wünsche ich Euch allen einen feucht-fröhlichen Rutsch 🙂  ins neue Jahr, außerdem Zufriedenheit, viele kleine Glücksmomente und natürlich Gesundheit!!

lieber gruß aus dus

Wir schenken uns Nichts

Beide Parteien nicken sich zu, als wäre ein Vertrag dadurch perfekt gemacht wie ein Handschlag beim Pferdekauf. Vom Gelübde bis zum Bruch desselben vergehen oft nur Stunden. Wer dieser Tage ohne Einkaufstüte in der Fußgängerzone angetroffen wird, gilt als Sonderling, Unentschlossener, Verwirrter, oder wenn alles nicht zutrifft, als verarmt an Geist und Giro. Um den Spekulationen entgegen zu wirken, verlasse ich das Haus grundsätzlich in den Adventswochen nur mit praller Plastiktüte. In ihr geballt andere leere Plastiktüten.

Ich beginne mit der Suche nach Nichts. Es soll nicht teuer sein, nicht groß oder klein, sollte in das Versteck passen, das ich vorher ausgewählt habe, und nicht der Putzwut des Überraschungsopfers ausgesetzt ist. Es soll ja keine Ahnung haben, dass ich doch….. Mit Grausen denke ich ein Jahr zurück. Der Weihnachtsbaum war durchaus geschmackvoll geschmückt, die Kinder groß und aus dem Haus, unter ihm lagen außer 5 Nadeln eine rote Weihnachtsdecke, und die Scherben einer Christbaumkugel, die es auch nicht mehr aushielt. Sonst eben Nichts. Nach Momenten des Schweigens, begleitet durch Anneliese Rothenbergers alljährliches Wimmern, verschwand sie, und kam kurz darauf mit eben Nichts wieder. Dieses Jahr würde es mir nicht passieren!

Ich dränge mich in die Lieblingsdrogerie meiner Nase und versuche bis Weihnachten in die Nähe des Verkaufstischs zu kommen. Vor mir jene Volksseele, die glaubt sich in den Windungen des Riechorgans seines Lieblingsmenschen aus zu kennen. Produkte schwitzender Tennisprofis, oder die ehemaliger Weltstars kommen ebenso infrage wie „Kanal Nummer 5“, dem französischen Hit aller Zeiten. Nur 4711, das aus einer Mischung besteht, die nach Weniger ist Mehr riecht, jenes Kölnische Wasser, bleibt aus der engeren Wahl ausgeschlossen.

Kurz bevor ich den Tresen erreiche die Durchsage: „Meine Damen und Herren, auch unsere Verkäufer müssen einmal Feierabend haben, bitte haben Sie Verständnis und kommen Sie morgen wieder!“

Manchmal rettet sogar das ewig diskutierte deutsche Ladenschlussgesetz einen vor übereilten Handlungen. Ich kehre heim mit gefüllten Taschen voller Nichts, und erwarte nicht mehr oder weniger, wenn sich die Stimme von Anneliese wieder erhebt und von einem entsprungenen Ross kündigt, das mit einer Wurzel zart anscheinend immer zur Weihnachtszeit das Weite sucht. Ganz ähnlich wie auch ich.