Mauersegler: Sie begleiten mich durch den Sommer

Ich habe sie schon erwartet, die hoch am Himmel im Gleitflug segelnden und sich dann mit ihrem charakteristischen Schrei in meinen Hinterhof stürzenden schwarzen Vögel mit ihren gegabelten Schwänzen. Seit gut zwei Wochen sind sie nun wieder da, aus ihrem Winterquartier im südlichen Afrika, um hier in den nächsten drei Monaten ihre Brut aufzuziehen.

Nach den Mauernseglern – nicht mit den Schwalben zu verwechseln – kann ich ganz locker meine Sommeruhr stellen. Obwohl ich den Eindruck habe, dass es über die Jahre, in denen ich sie nun bewusst wahrnehme und beobachte, immer etwas weniger geworden sind. Das mag sicher auch am Verlust von Brutplätzen liegen, aber ich kann noch gelegentlich an einigen älteren Häusern in meinem Hinterhof unter den Giebeln ihre Nester beobachten.

Einen Mauersegler treffen Sie nie allein. Nein, sein Ding ist das Gruppensegeln, absolut. Und je mehr Mauersegler am Himmel hängen, umso lauter ist ihr schrilles Schreien, das sie auch noch im Straßenlärm hörbar macht. Damit erschrecken sie auch meine zwei samtpfötigen Begleiterinnen, wenn diese träge vom Katzennetz gut gesichert auf der Balkonbrüstung abhängen.

Die Vögel zeigen da überhaupt keine Scheu, ganz im Gegenteil habe ich den Eindruck, sie wüssten ganz genau, dass ihnen diese beiden Jägerinnen nichts anhaben können. Denn sie stürzen sich zum Greifen nah wie kleine Geschosse am Katzennetz vorbei, bevor sie sich wieder hoch in die Luft schwingen. Und das immer und immer wieder.

Mauersegler jagen im Flug, Insekten ausschließlich, bevorzugt am frühen Morgen oder am Abend vor und in der Dämmerung. Sie lieben eindeutig klares und warmes Sommerwetter, an solchen Tagen sind sie besonders lange jagend oder einfach nur sich ihren Flugkünsten hingebend unterwegs. Ist das Wetter zu nass oder zu kühl, dann sind sie kaum oder nur kurz zu sehen.

Ich habe ohnehin den Eindruck, dass die Mauersegler, deren Lebenselixier bis in den Schlaf hinein das luftige schnelle Dahingleiten-und kurven ist, einen großen Teil ihres Tages – wenn sie nicht gerade brüten oder auf der Jagd sind – damit verbringen, sich gegenseitig höchst spielerisch ihre Flugkünste vorzuführen.

Natürlich haben Mauersegler auch Feinde, aber in meinen Hinterhof hat sich bisher noch kein Greifvogel verirrt, und hinterher fliegende Katzen habe ich auch noch nicht gesichtet. Nein, „meine“ Mauersegler teilen sich den Luftraum in meinem Hinterhof ganz friedlich mit den Meisen und Finken, den Amseln und Elstern, den Tauben und den Rabenvögeln, den gelegentlich durchkreuzenden Enten und Kanada-Gänsen.

Ende Juli bis Mitte August, je nachdem wie warm oder kühl der Sommer ausfällt, verschwinden die gefiederten Gäste wieder, so plötzlich, wie sie gekommen sind, von einem Tag auf den anderen. Sie machen sich nun mit ihren Jungvögeln auf ihren langen Flug in ihr Winterquartier. Es ist dann um einiges stiller geworden in meinem Hinterhof, und ich weiß, dass auch bei uns der Sommer langsam in seine letzten Runden geht.

© frida 2012

Aus dem Vorzelt zur Hölle ins Café Stilbruch und ins Kulturmuseum FÜNTE – Tommy Krappweis kommt! Mit Vater Werner!!

Tommy Krappweis kommt aus dem Vorzelt zur Hölle ins Gladbecker Café Stilbruch und in das Kulturmuseum FÜNTE in Mühlheim!

Tommy und Werner Krappweis im Café Stilbruch Gladbeck


Tommy und Werner Krappweis im Kuturmuseum Fünte in Mülheim


Der Starcomedian, Grimme-Preisträger und Erfinder von “Bernd das Brot” stellt sein neues Buch “Das Vorzelt zur Hölle” vor.
Mit von der Partie: Der an dem Werk nicht unbeteiligte Herr Papa Werner Krappweis.

Werner und Tommy Krappweis


Am 31.5. um 20:00 Uhr tritt das Duo in der Gladbecker Kult(ur)kneipe Café Stilbruch auf.
Tags darauf am 1. Juni ist dann die Fünte in Mülheim an der Reihe (ebenfalls um 20:00).

DIE EINTRITTSKARTEN WERDEN BEREITS KNAPP! Es wird dringend der Kartenvorverkauf empfohlen!

GLADBECK
Datum: 31. Mai 2012
Beginn: 20:00 Uhr (Einlass: ab 18:30)
VVK: 9,50 EUR / AK: 12,00 EUR
Kartenreservierung dringend empfohlen!

Café Stilbruch
Rentforter Straße 58
45964 Gladbeck
 http://www.cafe-stilbruch-gladbeck.de/

E-Mail:  info at cafe-stilbruch-gladbeck.de

Ansprechpartner:
Harry Michael Liedtke
E-Mail:  Musikfolge at gmx.de
Telefon: 02043 – 42653

Zusätzlich (31. Mai 2012):
Signierstunde in der Buchhandlung Tümmers (Postallee 3; 45964 Gladbeck) von 17:30 Uhr bis 18:30 Uhr.

Karin, Tommy und Werner Krappweis


MÜLHEIM AN DER RUHR
Datum: 01. Juni 2012
Beginn: 20:00 Uhr
VVK: 9,50 EUR / AK: 12,00 EUR
Kartenreservierung dringend empfohlen!

Kulturmuseum FÜNTE
Gracht 209
45472 Mülheim a.d. Ruhr
 http://www.fuente-kulturzentrum.de/

Ansprechpartner:
Frank Bruns
Gracht 209
45472 Mülheim a.d. Ruhr
E-Mail:  Sheila.Cargador at web.de
Telefon: 0208 – 6969064

Cover


Das Vorzelt zur Hölle: Wie ich die Familienurlaube meiner Kindheit überlebte
Tommy Krappweis (Autor)
Verlag: Knaur TB
Sprache: Deutsch
ISBN: 978-3426784761

Zur Person (Presseinfo): TOMMY KRAPPWEIS
Tommy Krappweis kam am 9. Mai 1972 in München zur Welt.
Er drehte in der dritten Klasse seinen ersten Stop-Motion-Film auf Super-8, adaptierte auf der heimischen Schreibmaschine Ellis Kauts “Pumuckl und die Grippetabletten” für ein Theaterstück und sang im Alter von 14 Jahren in Bayerns jüngster Rock’n'Roll-Formation.
Schon früh eiferte Tommy Krappweis seinem Vorbild Buster Keaton nach und übte Slapstick-Stürze vom Küchentisch.
Als Stuntman und Slapstick-Comedian in diversen Freizeitparks durfte er das Gelernte mehrere Jahre lang anwenden und schließlich eigene Stuntshows choreographieren.

Vater und Sohn im Vorzelt zur Hölle


Im Fernsehen war er u.a. bei SoKo 5113, als Moderator bei Disney TV und drei Jahre lang als Comedian bei RTL Samstag Nacht zu sehen.
Danach wechselte Tommy Krappweis fast vollständig hinter die Kamera. Sein erster Job als freier Regisseur war ein Musikvideo für Stefan Raab. Unzählige Sketche, Werbefilme, Videoclips, Standups, Drehbücher und Regiearbeiten später erreichte die Folge “Rotkäppchen – Wege zum Glück” aus der Reihe der Pro7 Märchenstunde mit Tommy Krappweis als Regisseur und Headwriter sensationelle 28% Marktanteil.
Schon im Jahr 1999 gründete er die bummfilm GmbH für Drehbuch, Regie und Postproduction. Er erfand zusammen mit Norman Cöster schließlich die KiKa-Kultfigur “Bernd das Brot”, wofür er 2004 mit dem “Goldenen Spatz” und dem Adolf-Grimme-Preis ausgezeichnet wurde.

Tommy und Bernd


Seit einigen Jahren schreibt Tommy Krappweis auch Bücher. So entstand eine Reihe von Abenteuergeschichten für Kinder ab 7 Jahren “Der kleine große Paul” sowie die Fantasy-Trilogie “Mara und der Feuerbringer”.
Das neueste Werk trägt den Titel “Das Vorzelt zur Hölle” und berichtet urkomisch, bissig und ein bisschen nostalgisch von seinen bisweilen traumatischen Erinnerungen an die Familienurlaube in den 70er Jahren.

fridas Filmtipp: „Saving Face“: Wie pakistanischen Frauen das zerstörte Gesicht wiedergegeben wird

In Pakistan werden jährlich rund 1.000 Säureattentate auf Frauen begangen, mit schrecklichen Folgen für Körper und Seele. Es sind Frauen allen Alters betroffen, auch Kinder. Es sind überwiegend Ehemänner oder Männer, die sich abgewiesen fühlen, die dieses Verbrechen begehen. Sie fühlen sich im Recht, die Frau, die ihrer Meinung nach ihnen gehört, zu maßregeln, zu bestrafen. Die „Schuld“ der betroffenen Frau besteht darin, sich zu Recht gegen einen gewalttätigen Ehemann oder einen aufdringlichen Bewerber zur Wehr gesetzt zu haben.

„Saving Face“, der Oscar® gekrönte Dokumentarfilm der pakistanischen Dokumentarfilmerin Sharmeen Obaid-Chinoy und dem amerikanischen Dokumentarfilmer Daniel Junge – eine Produktion des amerikanischen Kabelfernsehen Kanals HBO – schildert am Beispiel von zwei betroffenen Frauen, was getan wird, dass jene Frauen wenigstens einen Teil ihres Gesichts – und damit auch ihres Lebens – zurückbekommen. Und den Kampf darum, dass Männer nicht mehr wie bisher darauf vertrauen können, mit ihrer Tat ungeschoren davonzukommen.

Zakia, 39 Jahre alt, und Rukhsana, 25 Jahre alt, stehen stellvertretend für alle jene Frauen, die mit Säure attackiert wurden. Zakia wurde dabei die gesamte linke Gesichtshälfte inklusive des Auges weggeätzt. Sie leidet unter starken Schmerzen durch die Vernarbung. Sie kann das Haus nur noch versteckt unter einer Burka verlassen. Zakia wollte sich von ihrem drogensüchtigen Ehemann scheiden lassen. Dieser, völlig uneinsichtig, sitzt in polizeilichem Gewahrsam und erwartet sogar ein Verfahren, weil sie ihn angezeigt hat. Zakia wird dabei unterstützt von der engagierten Anwältin Sarkar Abbas, die sich dafür einsetzt, solche Täter einer Verurteilung zuzuführen.

Rukhsana dagegen lebt noch in der Familie ihres Mannes, obwohl sowohl Schwiegermutter als auch Schwägerin versucht haben, sie zusätzlich zur Säureattacke des Ehemannes zu verbrennen. Rukhsana, deren Haut zusätzlich zu den Verätzungen auch großflächig verbrannt ist, weiß nicht, wohin sie gehen soll. Ihre Tochter wird von der Schwieger-Familie unter Verschluss gehalten.

Dr. Mohammad Jawad, selbst Pakistani, ein in London lebender und arbeitender plastischer Chirurg, verbringt mehrere Monate im Jahr in Pakistan, um Frauen wie Zakia und Rukhsana zu helfen. Es macht ihn sehr menschlich, dass er die Frauen nicht nur als medizinische Herausforderung ansieht, sondern mit ihnen mitleidet. Er ist wütend, „eine Gesellschaft, in der solche Verbrechen üblich sind, hat definitiv ein Problem“, ist sein Credo. Er weiß auch um die Grenzen seiner ärztlichen Heilkunst, wie auch gerade Zakias Fall zeigt. Der Film begleitet ihn durch die Gespräche mit den beiden Frauen, Zakias erster Operation unter sehr bescheidenen medizinischen Bedingungen, zeigt seine Fassungslosigkeit, als er Rukhsanas Geschichte hört.

Dr. Jawad arbeitet eng mit der „Acid Survivors Foundation of Pakistan” (ASF), einer Stiftung, zusammen, die nicht nur versucht, den Frauen einen geschützten Raum und vor allen Dingen auch seelische Hilfe anzubieten, sondern auch daran arbeitet, ein Gesetz einzubringen, das effizient solche Taten unter strenger Strafe stellt. Eine engagierte Mitstreiterin ist die parlamentarische Abgeordnete Marvi Memon, der es tatsächlich gelingen wird, zusammen mit anderen Abgeordneten ein solches Gesetz durchzubringen.

Ein Hotel in Islamabad, die Stiftung trifft sich, um wieder einmal Einzelheiten des besagten Gesetzentwurfes zu diskutieren. Neben Zakia und Rukhsana sind viele andere Leidensgenossinnen gekommen. Eine immer fassungsloser werdende Zuschauerin schaut in zerstörte Gesichter, auf zerstörte Leben, kann die seelischen Verwundungen und das körperliche Leiden nur eben erahnen. In diesem Moment wird ihr wieder einmal klar, wie glücklich sie sich schätzen kann, in einem Teil der Welt zu leben, in dem Frauen gesetzlich verbriefte und einklagbare Rechte besitzen.

„Saving Face“ hat auch die Ehemänner von Zakia und Rukhsana interviewt. Da sitzen sie nun vor der Kamera, der von Rukhsana ein Milchgesicht, das lügt, dass sich die Balken biegen. Und der von Zakia, der meint, dass die Frau ihm gehört und er mit ihr tun und lassen kann, was er will, uneinsichtig, noch stolz auf seine unsägliche Tat, unterstützt von seinem Vater, der behauptet, Zakia sei geistig krank.

Dr. Jawad kann Zakias zerstörte Gesichtshälfte nur teilweise wieder rekonstruieren. Aber er versorgt sie mit einer raffinierten Prothese, die das fehlende Auge und einen Teil der Vernarbung verdeckt, so dass sie wieder ohne Burka unter die Menschen gehen kann. Ihr Ehemann bekommt unter dem neuen Gesetz gleich zweimal lebenslänglich, ein Präzedenzfall, von dem hoffentlich das richtige Signal ausgeht.

Rukhsana dagegen kann Dr. Jawad erst einmal nicht helfen, denn sie ist wieder schwanger, was er mit Fassungslosigkeit zur Kenntnis nimmt. Am Ende des Films ist sie Mutter eines Jungen geworden. Sie spricht darüber, wie glücklich sie ist, einen Jungen geboren zu haben, denn Mädchen haben es zu schwer, da sie in der pakistanischen Gesellschaft keinen Stellenwert haben. Anzunehmen ist, dass ihr die Geburt des Jungen ein Überleben in der Schwieger-Familie sichert.

„Saving Face“ enthält sich klug eines jeden Off-Kommentars. Die eindrucksvollen Bilder aber von den Frauen, die versuchen, unter schwierigsten Bedingungen ihre Menschenwürde zu bewahren, sprechen für sich und wirken noch lange nach.

„Saving Face“ wurde vor einigen Tagen von WDR 3 ausgestrahlt und ist derzeit noch in der ARD Mediathek zu sehen. Es ist sicher davon auszugehen, dass dieser Film noch in weiteren 3. Programmen gezeigt werden wird.

„Saving Face“, USA 2012, Regie Daniel Junge, Sharmeen Obaid-Chinoy,

www.savingfacefilm.com

© frida 2012

Bilder zaubern Worte – Füße

Ist es Euch nicht auch schon passiert, dass Ihr ein Bild gesehen habt und dachtet: Dazu könnte ich jetzt eine Geschichte schreiben? Unter dem Slogan „Bilder zaubern Worte“ bieten wir regelmäßig ein Bild an, das Euch Inspiration für einen Text sein soll.

Diesmal geht es um Füße.

Füße sind sprichwörtlich vielseitig. Manche leben „auf großem Fuß“ oder werden „mit den Füßen voran“ aus dem Haus getragen. Wer hat nicht schon jemandem „auf die Füße getreten“ oder etwas gesagt, was „weder Hand noch Fuß hatte?“ Nachfolger „treten in die Fußstapfen“ ihres Vorgängers.

Es gibt nackte Füße und Füße in Sandalen, Schuhen oder Stiefeln. Auf langen Wanderungen werden Füße wundgelaufen, bei der Pediküre verwöhnt, in Neckereien gekitzelt und vielleicht beim Liebesspiel … das überlasse ich eurer Fantasie.

Ich bin jedenfalls sehr gespannt, was Euch zum Thema Füße einfällt.

Ihr könnt Eure Texte auf Euren Blogs einstellen und sie werden dann hierher verlinkt. Wer keinen eigenen Blog hat, kann seinen Text auf der Gemeinschaftsseite “Netzwerk” einstellen.

Und nun wünsche ich Euch viel Spaß beim Schreiben!

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Hier sind die Texte zum aktuellen Bild:

Barfuß-Song von Mumpitz

Der Fund im Forst von Songline

Die Geschichte zweier Spinner

“Das Chamäleon” von Armin Sengbusch – eine Rezension

Das Chamäleon (Cover)


“Das Chamäleon” ist die Geschichte zweier Profikiller. Und die Geschichte zweier Spinner. Zwar sind die beiden Protagonisten charakterlich ziemlich unterschiedlich, aber außer ihrem “Beruf” eint sie noch etwas anderes: ein völlig verqueres Menschenbild.

Armin Sengbusch ist mit seinem Roman ein echtes Kunststück gelungen. Obwohl sich in dem Buch nicht ein einziger sympathischer Charakter findet, munter zwischen zwei Erzählperspektiven geswitcht wird und das Storyfinale im Grunde vorhersehbar ist, verfügt das Werk über Empathie, eine klare Linie und viel Spannung.

Der Grund dafür ist klar. Dass der Mix aus Kriminalroman, Milieuskizze und Psychostudie fasziniert, liegt an der Wortkunst des Autors. Der Schriftstehler, wie sich der Armin Sengbusch selbst nennt, weiß mit Sprache umzugehen. Dies hat der Hamburger bereits bei zahllosen Poetry Slams bewiesen.

Schriftstehler Armin Sengbusch


Den Werdegang zweier Auftragsmörder “von der Pike auf” zu verfolgen, ist ein interessantes Sujet. Wie ticken solche Leute, die auf Zuruf mitleidlos Menschen eliminieren? Was treibt sie zu ihren Bluttaten? Geldgier, Lust am Töten …? Kann man Gleichmut trainieren und sich vorsätzlich abstumpfen? Wie hält man seine Emotionen unter Kontrolle?

“Das Chamäleon” ist gleichsam ein Buch über Selbsteinschätzung und darüber, wie man von anderen wahrgenommen wird. In dieser Hinsicht enthält das Buch viele aufschlussreiche Gedankengänge und Reflexionen. Hier erweist sich der permanente Perspektivwechsel als ausgesprochen belebendes Element. Wird etwa in einer Passage eine Figur aus Eigensicht als höchst professionell geschildert, werden an ihr schon in der nächsten aus einer Fremdbetrachtung heraus Zweifel gestreut. Widersprüchlichkeiten werden zum Stilmittel.

Man mag sich als Leser an der Kälte stören, die dem Werk über weite Strecken innewohnt, aber andererseits ist die Aura des Unnahbaren, Kalkulierten, Höhnischen und Süffisanten den Protagonisten angemessen.

Wenn “Das Chamäleon” eine Schwäche hat, dann liegt sie in der Figurenanlage. Beide Killer haben im Privaten eigentümlicherweise ausgesprochen vernünftige Ansichten und einnehmende Vorlieben (sei es nun in Bezug auf Ausländerhass, Spießbürgertum oder Rockmusik). Man bedauert fast, dass sie solche Arschlöcher sind.

Dass Berufsmörder Alexander, der seine sozialen Bindungen trotz seiner unmoralischen Tätigkeit nie aufgibt, irgendwann in Gewissensnot stürzt, ist eigentlich logisch. Dass er am Ende zur Weinerlichkeit neigt, beißt sich ein wenig mit der Gedankenlosigkeit und dem Egoismus, die er zu Beginn an den Tag legt. Dieser Entwicklungsprozess mutet ein wenig zu drehbuchartig an. Liebe erklärt nun mal doch nicht alles.
Auch Richard, ein Natural Born Killer und das titelgebende Chamäleon, ist nicht in allen Aspekten seines Wesens wirklichkeitsnah. Einerseits zeigt er als radikaler Misanthrop nicht sonderlich viel Interesse an anderen Menschen, andererseits tarnt er sich für seine Aufträge mit einer Art Mimikry, was doch eigentlich viel Hingabe für die Beobachtung der Umwelt und somit auch eine gewisse Hinneigung zum Volk voraussetzt. Aber diese Tarnfähigkeit wird ihm quasi wie ein Axiom zugestanden, es ist eben so. Das macht die Figur zwar nicht unbedingt unglaubwürdig, aber doch irgendwie un- und übernatürlich.

So recht stören tut die vertrackte Charakterzeichnung indes nicht. Killer haben halt alle einen Hau und sind daher von Natur aus unglaubwürdig. Armin Sengbuschs Crime-Groteske hat Hintersinn und Esprit, sodass sie eine erfrischende Lektüre abgibt.

Das Chamäleon: Roman
Armin Sengbusch (Autor)
Verlag: Kleine Schritte
ISBN: 978-3899681352; 220 Seiten; Krimi

alte dame in grau

mächtig, eindrucksvoll,

mit stoßzähnen, die als waffe gegen uns tödlich wären,

ebenso dein rüssel, der mit leichtigkeit löwen hinwegschleudert

reichst mir deine finger,

ergreife sie und führe dich,

doch in dem wissen: allein weil du es zulässt

dein heißer atem strömt über meine hand,

feucht wird sie,

nicht nur aus ängstlichem respekt

deine dunklen augen mit den längsten wimpern,

die ich je gesehen habe,

ohne groll blicken sie mich an

alte, weise dame, nimmst mich gewaltlos gefangen

wer hat dir brutal all die wunden geschlagen

nie werden sie vor einem richter stehen

du wirst deine peiniger wiedererkennen

und dein eigenes urteil fällen

verübeln könnte ich es dir nicht

streiche ein letztes mal über deine furchen übersäte haut

vorsichtig, fast zärtlich greifst du nach dem obst

der abschied fällt schwer und leicht,

wartet hier doch kein jäger mehr auf dich

***

Afrikanischer Elefant:

Bullen und Kühe besitzen Stoßzähne. Sie dienen dem Graben, Stochern und der Verteidigung. Ihr Rüsselende besteht aus zwei Fingern, auch Lippen genannt. Die Lebenserwartung liegt bei ca. 70 Jahren. Aufgrund ihrer schlechten Futterverwertung haben sie ca. alle 30 Min. Verdauung (5-8 Kothaufen), so hinterlassen sie für Spurensucher eine gute Fährte. Täglich werden bis zu 300kg Nahrung und 150l Wasser aufgenommen.

Die Jagd nach Elfenbein dezimierte den Elefantenbestand in Afrika in der Zeit von 1979-1989 von 1,2 Mill. Auf 600.000. Obwohl 1989 der Handel mit Elfenbein weltweit verboten wurde, schätzte man noch 2009, dass jährlich mehr als 30.000 Tiere gewildert wurden und heute immer noch werden.

Text und Fotos:© Tietze Linskens

Facebook-Song

Einfach super!

Einfach super!

Zweitausend Freunde hab ich,
und die darf jeder seh’n,
die vollends treulich feste
zu mir bei Facebook steh’n.
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fridas Lesetipp: Val McDermid „Alle Rache will Ewigkeit“

Ein College in Oxford, ein dort an seinem Hochzeitstag ermordeter Ehemann, seine Witwe, die sich als Lesbe entpuppt, deren undurchsichtige Geliebte, eine noch undurchsichtigere Therapeutin, und mittendrin eine derzeit suspendierte psychiatrische Gerichtsgutachterin, die von der besorgten Mutter der Witwe auf deren Geliebte angesetzt wird, weil sie davon überzeugt ist, dass die den Ehemann umgebracht hat.

Das sind die Grundlagen für den Plot von „Alle Rache will Ewigkeit“, dem neuesten auf Deutsch erschienenen Kriminalroman von Val McDermid, einer in der Reihe der „stand alone“-Krimis, die im Abstand von 2-3 Jahren zur Tony Hill/Carol Jordan-Reihe erscheinen. Eine Besonderheit von „Alle Rache will Ewigkeit“ ist, dass nahezu alle handelnden wichtigen Personen nicht nur Frauen sind, sondern darüber hinaus lesbische Frauen, deren gemeinsame Grundlage das akademische Milieu des – fiktionalen – St. Scholastika Colleges in Oxford ist. Nun ist Val McDermid bekanntermaßen Lesbe und war darüber hinaus die erste Schottin, die von einer staatlichen Schule auf ein (Frauen-)College in Oxford gehen durfte. Man kann also getrost davon ausgehen, dass sie sich sowohl als auch mehr als gut auskennt.

Der Plot gestaltet sich gewohnt souverän und wie immer komplex, also nicht so leicht zu durchdringen. Charlie Flint wird von Corinna Newsom – ihrer Ex-Dozentin – angeheuert, um Jay Macallen Stewart, die Geliebte ihrer Tochter Magda (der Witwe) als Mörderin des Ehemanns zu entlarven. Charlie, derzeit suspendiert und beruflich frustriert, gleichzeitig verstrickt in einer nicht offen ausgesprochenen amourösen Verwicklung mit einer Therapeutin namens Lisa Kent, obwohl sie in einer langjährigen, eigentlich glücklichen Beziehung steckt, wird zur Ermittlerin wider Willen. Zum einen fasziniert sie die Aufgabe, zum anderen befürchtet sie aber, dass hinter Corinnas Ansinnen auch homophobe Motive stecken, denn Corinna ist durchaus der Überzeugung, dass Magda sich von Stewart hat verführen lassen, ohne tatsächlich genuin lesbisch zu sein.

Parallel dazu entwickelt sich – wie so oft bei Val McDermid – ein zweiter Handlungsstrang, der sich am Ende mit dem Haupterzählstrang verbindet. Jay Macallen Stewart – höchst erfolgreiche Geschäftsfrau – schreibt nämlich an ihrer Autobiografie, die aber offensichtlich von ihr manipuliert wird. Man weiß als Leser/-in nie genau, ob und wie weit Stewart gerade tatsächlich die Wahrheit sagt oder ob wir nur die geschönte Version lesen. Die Erzählungen von Stewart wechseln sich mit den Ermittlungsbemühungen von Charlie ab, so dass man von Cliffhanger zu Cliffhanger eilt. Stewart ist eine Schlüsselfigur, aber nicht nur Charlie Flint, sondern auch als geübte Leserin braucht man sehr lange, um das passende Schloss zu diesem Schlüssel zu finden.

Mit Jay Macallen Stewart und insbesondere Lisa Kent hat Val McDermid die unsympathischsten lesbischen Romanfiguren seit langem kreiert. Beide als höchst manipulative Charaktere angelegt, versteht man so gar nicht, was ausgerechnet die nette und sympathische Charlie an einer „bitch“ wie Lisa Kent so faszinierend findet, dass fast ihre Beziehung dabei drauf geht. Charlie Flint dagegen hätte das Zeug, literarisch zu einer Ermittlerin mit einer eigenen Reihe weiterentwickelt zu werden, vergleichbar einer Lindsay Gordon, aber jetzt auf einem sehr viel höherem literarischen Niveau.

„Alle Rache will Ewigkeit“ ist McDermidsche Krimikunst wie immer auf höchstem Niveau, keine Minute langweilig, gut und flüssig geschrieben, und man muss schon selbst gut aufpassen, dass man sich von Jay Macallen Stewart nicht manipulieren lässt.

„Alle Rache will Ewigkeit“ ist teilweise dafür sehr gescholten worden, dass die Figuren überwiegend lesbisch sind und Val McDermid wurde sogar „Missionierung“ unterstellt. Solchen Rezensenten kann man da nur ins Stammbuch schreiben, dass sie selbst mal ihre eigene Homophobie gründlich überdenken sollten.

„Alle Rache will Ewigkeit“ (englischer Originaltitel: „Trick of the Dark“), Kriminalroman von Val McDermid, 12/2011 auf Deutsch erschienen, 567 Seiten.

 

fridas DVD-Tipp: „The Help“ von Tate Taylor

„Das Geheimnis liegt in der Soße“ hieß es einst doppelbödig in „Grüne Tomaten“. In „The Help“ – jetzt neu auf DVD erschienen – liegt eines von vielen Geheimnissen ebenso doppelbödig im Schokoladenkuchen.

Ein wenig erinnert mich „The Help also schon an „Grüne Tomaten“. Aber während in „Grüne Tomaten“ schwarze Menschen zwar wichtige Nebenfiguren waren , die Gewichtung der Story aber auf der Beziehung zwischen den beiden weißen Frauen lag, liegt die Gewichtung in „The Help“ eindeutig auf dem Schicksal jener Tausenden von schwarzen Frauen, die als Haus-und Kindermädchen die weißen Haushalte im Süden der USA am Laufen hielten, und einfach nur „The Help“ hießen, dem alltäglichen Rassismus nicht nur ihrer „Herrschaften“ weitestgehend schutzlos ausgesetzt.

„The Help“ ist angesiedelt im Jahr 1963, Schauplatz die Stadt Jackson, Hauptstadt von Mississippi, seinerzeit einer der übelsten rassistischen Staaten jenseits der Mason-Dixon-Linie. Aber im Jahr 1963, dem Jahr von JFK’s Ermordung, aber auch von Martin Luther Kings Marsch auf Washington, liegt auch in Jackson bereits ein wenig Rebellion in der Luft.

„I have a dream“ gilt auch für die liberale Skeeter (Emma Stone), der weißen Protagonistin des Films, und für die Haushaltshilfen Aibeleen (Viola Davis) und Minny (Octavia Spencer), den schwarzen Protagonistinnen. Skeeters Traum ist eine Karriere als Schriftstellerin, Aibeleens und Minnys Traum endlich als Menschen unter Menschen wahrgenommen und anerkannt zu werden.

Vom parasitären Lebensstil ihrer weißen Freundinnen zunehmend angewidert, setzt Skeeter mit Unterstützung von Aibeleen und Minny schließlich erfolgreich ihr Traumprojekt um: Ein Buch nicht nur über die „Hilfen“, sondern auch mit „The Help“, in dem der weißen Gesellschaft ein Spiegel vorgehalten wird.

Wunderbar komplementär zu Skeeter sind die Figuren von Aibeleen und Minny gestaltet. Aibeleen mit ihrer leisen Resignation zu Beginn des Films und dann doch am Ende – mutig geworden durch den Erfolg des Buches – über sich hinauswachsend, während Minny ihr Herz auf ihrer Zunge trägt.

„The Help“ ist mal leise wie Aibeleens Traurigkeit, mal lauter wie Minnys vorlautes Mundwerk, deren berühmter Schokoladenkuchen zum Menetekel für die schlimmste Rassistin (besonders fies Bryce Dallas Howard als Hilly Holbrook am Ort wird. Fast zweieinhalb Stunden lang, aber keine Minute langweilig, folgt man Aibeleen und Minny durch einen mit sichtbaren („Coloreds only“) und unsichtbaren Stolperfallen verminten Alltag für jene, die nicht die richtige Hautfarbe haben.

Der Film berührt einen unweigerlich emotional. Und natürlich weiß man, auf welcher Seite man als Zuschauerin zu stehen hat. Darüber hinaus ist „The Help” ein Film mit und über starke Frauen, denn sowohl die weißen als auch die schwarzen Männer fallen hier besonders durch ihre Schwachheit auf.

Abgerundet wird „The Help“ durch hervorragende Schauspielerleistungen und durch einen sehr schönen Soundtrack (Musik Thomas Newman, der Titelsong wird von Mary J. Blige gesungen), der die besondere Stimmung des Südens gelungen einfängt.

Ich empfehle außerdem dringend, sich den Film in der Originalfassung anzusehen, da auch das Südstaaten-Englisch, insbesondere das Black English zur Atmosphäre des Films nicht unbedeutend beiträgt.

Am Ende des Films geht Aibeleen hocherhobenen Hauptes aus dem Haus ihrer „Herrschaft“, nachdem sie endlich Mrs Holbrook in ihre Schranken gewiesen hat. Auf den Gesichtern der weißen Frauen spiegelt sich fassungslos eine Ahnung, dass es allmählich mit ihrer unbeschränkten Vorherrschaft vorbei sein wird.

„The Help“ („The Help“), USA 2011, Regie: Tate Taylor, ca. 140 Min

P.S. Den Roman dazu habe ich noch nicht gelesen, aber werde in der nächsten Zeit damit beginnen.

© frida 2012

fridas Lesetipp: Stephen King „Der Anschlag“

Zeitreisen, Paralleluniversen, Existenzen in verschiedenen Zeitlinien: Die Faszination an Möglichkeiten paralleler Existenzen außerhalb der eigenen Zeitlinie ist nach wie vor ungebrochen. Mit „Der Anschlag“ nimmt nun Stephen King seine Leser mit auf eine Zeitreise in die USA der Jahre 1958 bis 1963.

Der Englischlehrer Jake Epping wird ausgewählt, das Attentat auf John F. Kennedy zu verhindern, um den Lauf der Geschichte positiv zu verändern. Der Zugang zur Vergangenheit ist verborgen im Diner-Alutrailer seines Freundes Al, der, weil schwer krebskrank, selbst die Tat nicht mehr ausführen kann, jedoch besessen von der Idee ist.

Jake, der sich erst widerstrebend auf das Unternehmen einlässt, findet zunehmend Gefallen daran, insbesondere auch daran, dass er Dinge in der Vergangenheit tatsächlich ändern kann. Und während Epping sich in Texas an die Fersen von Lee Harvey Oswald heftet und gleichzeitig als George Amberson eine verdeckte Kleinstadt-Lehrerexistenz – eine neue Liebe in Gestalt der Schulbibliothekarin Sadie inklusive – führt, entfaltet King ein äußerst lebendiges Panoptikum jener Jahre und fängt das typische Klima jener Zeit sehr schön ein: Rock’n’Roll und Petticoat, Autokino und Autos mit Heckflossen, Family Diner und Kleinstadt-Varieté.

Aber das alles ist auch ein wenig zu brav, und die Moralvorstellungen von wenigen überschatten noch das Liebesleben unverheirateter Erwachsener. Schwarze Menschen sind die Fußabtreter der Gesellschaft des institutionalisierten Rassismus, auf denen noch die armen Weißen herumtrampeln dürfen. John F. Kennedy ist dagegen der Hoffnungsträger der sich modernisierenden und liberalisierenden Teile der Gesellschaft.

Für Jake ist Texas Himmel und Hölle zugleich. Himmel, weil er in Sadie eine ebenbürtige Partnerin findet, Hölle, weil er Lee Harvey Oswald aufhalten muss. Oswald ist ein mit Minderwertigkeitskomplexen behafteter, egozentrischer Unsympath, ein Verlierer, der sein Leben nicht auf die Reihe bekommt und darüber hinaus seine Frau misshandelt. Je näher Jake den Oswalds kommt, desto mehr identifiziert er sich mit seiner Welten-Retter-Aufgabe.

Zum großen show down kommt es am Tag des Attentats, dem 22.11.1963 (der Originaltitel 11/22/63 verweist auf dieses Datum) im Schulbuchmagazin (der Ort, von dem Oswald aus JFK erschoss). Aber die Vergangenheit will sich nicht ändern lassen. Immer wieder verweist der Roman auf den „Schmetterlingseffekt“, nach dem auch nur geringfügig veränderte Anfangsbedingungen auf langfristige Sicht zu gänzlich anderen Entwicklungen führen können.

Da die Vergangenheit sich nicht ändern lassen will, tritt sie als Gegner mit allen Mitteln gegen Jake Epping an. Es gibt zwar kein dingliches „Böse“, aber je mehr Jake aktiv eingreift, desto mehr häufen sich schlimme Ereignisse. Am Ende muss Jake erkennen, dass er mit der einen guten Tat in der Folge mindestens tausend böse Ereignisse ausgelöst hat. Dennoch lässt King seinen Roman versöhnlich enden. Jake drückt sozusagen den „restart button“, um die Dinge wieder an die richtige Stelle zu rücken.

Insgesamt ist King mit „Der Anschlag“ ein in sich rundes Werk gelungen, das an keiner Stelle uninteressant oder langweilig ist, wenn auch Kürzungen an der einen oder anderen Stelle dem Roman zusätzlich gut getan hätten. Jake, die Hauptfigur und zugleich der Ich-Erzähler, ist ein netter Typ, dem man die guten Absichten abnimmt und dem man sein zweites Lebensglück in jenem anderen Leben wünscht, auch wenn er im Inneren trotz aller Anpassung Kind seiner Zeit, also im Hier und Jetzt, bleibt. Sympathisch ist mir außerdem, dass Jake nie seine liberalen und aufgeklärten Überzeugungen aufgibt.

Und Stephen King wäre nicht Stephen King, wenn er nicht – wie öfters in seinen Romanen – auch hier Bezüge zu anderen Werken herstellt. So findet der Leser u.a. Verweise auf die Romane „Es“ und „Christine“, und auch auf bekannte Schauplätze (Castle Rock, Derry).

Wie man im Nachwort erfährt, ist der Autor kein Anhänger der Theorie, dass JFK einer Verschwörung zum Opfer gefallen ist. Oswald ist für ihn ein Alleintäter, der allein aus egoistischen Motiven heraus handelte. Ob mit einem lebenden JFK alles anders bzw. besser geworden wäre, müssen wir dem Reich der Spekulation überlassen. King entwirft jedenfalls im Schlussteil des Romans seine ganz eigene Vision von einer Welt, in der JFK weitergelebt hätte.

„Der Anschlag“ (Originaltitel „11/22/63“) von Stephen King, Originalausgabe erschienen 2011, dt. erschienen 2012, ca. 1041 Seiten

© frida 2012