fridas Filmtipp: „Der Seidenfächer” von Wayne Wang

Der amerikanisch-chinesische Regisseur Wayne Wang erzählt in seinem neuesten Film die anrührende Geschichte einer Wahl-Schwesternschaft aus dem alten und neuen China.

Von der chinesischen Sitte des Füße-Bindens – sog. „Lotus”-Füße galten in weiten Teilen Chinas als sexy, waren aber gleichzeitig für die betroffenen Frauen mit schlimmsten Folgen verbunden – hat sicherlich der eine oder andere schon gehört. Dass es in der Provinz Hunan Sitte war, junge Mädchen aus verschiedenen Familien in einer sog. „laotong”, einer Art „Wahl-Schwesternschaft” Zeit ihres Lebens aneinander zu binden, wissen sicherlich nur diejenigen, die sich intensiver mit chinesischer Kultur auseinandersetzen.

Solche „laotongs” wurden bereits im Babyalter bestimmt. Die Mädchen konnten dabei auch aus unterschiedlichen sozialen Schichten stammen. Eine „laotong” war unlösbar und wurde per Kontrakt besiegelt. Jede Frau konnte nur eine „laotong” haben.

Wichtigster Bestandteil einer „laotong” war, dass beide Frauen sich ein Leben lang emotional bedingungslos zur Seite stehen sollten, um sich durch die Fährnisse des weiblichen Lebens zu geleiten. In der Ehe galt es für die Frau, Söhne zu gebären und ansonsten dem Mann und dessen Familie untertan zu sein. Gefühle sparte man sich für die Schwester in der „laotong” auf. Die Frauen kommunizierten untereinander in „nu shu”, einer eigenen Frauensprache. So konnten sie sich Botschaften senden, die für andere geheim blieben.

Der amerikanisch-chinesische Regisseur Wayne Wang, bei uns bekannt vor allem durch die Filme „Töchter des Himmels” und „Smoke”, erzählt in seinem neuesten Film „Der Seidenfächer” (Original: „Snow Flower and the Secret Fan”) die Geschichte einer solchen „laotong” und verknüpft diese mit der Geschichte einer Frauenfreundschaft im heutigen China, vor der Kulisse der Megalopolis Shanghai. Das Drehbuch beruht auf dem gleichnamigen Roman von Lisa See, allerdings wohl erweitert durch die moderne Komponente.

Vor dem aktuellen Hintergrund der fast zerbrochenen Freundschaft zwischen Nina (Bingbing Li) und Sophia (Gianna Jun), die beide als Teenager von der Sitte der „laotong” erfahren und eine solche eingehen, entwickelt sich die Geschichte der „laotong” von Lilie (ebenfalls Bingbing Li) und Snow Flower (ebenfalls Gianna Jun) aus dem alten China. Während Sophia nach einem Unfall im Krankenhaus im Koma liegt, entdeckt Nina Sophias Skript über „Snow Flower and the Secret Fan”.

Lilie und Snow Flower wurden als kleine Mädchen zu „laotongs”,bestimmt, beide wurden zur gleichen Zeit am gleichen Tag geboren und beiden wurden im gleichen Alter die Füße gebunden. Zwischen Lilie und Snow Flower entwickelt sich eine innigste Beziehung, die erst mit der Verheiratung von Lilie einen ersten Einschnitt erfährt. Lilie, die einen „idealen” sog. „Lotus-Fuß” entwickelt hat, wird aufgrund dessen in eine wohlhabende Familie verheiratet, obwohl sie aus einer niederen Schicht stammt. Snow Flower, die aus einer reichen Familie stammt, erleidet dagegen einen sozialen Abstieg, sie muss einen Fleischer heiraten, ein Beruf, der am untersten Rand der sozialen Leiter steht.

In „nu shu” beschriebene Seidenfächer werden zum einzigen Mittel, den Kontakt und die Kommunikation aufrecht zu erhalten. Beide Frauen durchschreiten in ihren lieblosen Ehen tiefste Täler, aber während Lilie durch die Umstände doch noch zur Herrin des Hauses aufsteigt, muss Snow Flower in Gewalt und Armut verharren. Lilie kann dies jedoch nicht akzeptieren. Sie bedrängt Snow Flower, ihren Mann zu verlassen und mit den Kindern zu ihr zu ziehen. Snow Flower, die die fürsorgliche Liebe der Freundin nicht aushalten kann und diese auch missverständlich als „Mitleid” interpretiert, verweigert sich. Schlimmer noch, sie bricht die „laotong”, was völlig unüblich ist. Erst als Snow Flower im Sterben liegt, kommt es zu einer Wiedervereinigung beider Frauen.

Nina erkennt, dass Sophie mit ihrem Roman die Geschichte ihrer eigenen Freundschaft erzählt. Auch Nina stammt ursprünglich aus einer materiell nicht so gut ausgestatteten Familie, während Sophia in gut situierten Verhältnissen aufwächst. Aber Nina macht als Bankerin einen sozialen Aufstieg, während Sophia nach dem Börsen-Crash und Tod des Vaters am Rande der Gesellschaft mäandert. Und Nina versucht – wie Lilie – in das Leben von Sophia einzugreifen – aus bedingungsloser Zuneigung zu ihr. Aber Sophia kann nur Mitleid dahinter erkennen. Scheinbar kommt es wegen einem Mann (in einer Mini-Rolle: Hugh Jackman) zum Bruch, aber die wahren Gründe liegen in fortwährenden Missverständnissen zwischen Nina und Sophia. Und während Lilie und Snow Flower erst im Tod der einen wieder zueinander finden, werden Nina und Sophia sich im Leben wiederfinden.

Wayne Wangs Film erzählt seine Geschichte in bedächtig anmutenden Bildern und langen Einstellungen, auch in den Szenen, die im nie schlafenden Shanghai spielen. Eine Erzählweise, die schon fast altmodisch zu nennen ist, aber nichts Betuliches an sich hat, ganz im Gegenteil. Trotz der Langsamkeit der Erzählung gelingt es Wang dennoch, die Spannung und das Interesse beim Zuschauer zu halten, insbesondere im historischen Part des Films, der nahezu 2/3 Drittel ausmacht und uns in eine doch weitestgehend unbekannte Welt entführt. Der Darstellerin der Lilie/Nina, die den größeren schauspielerischen Anteil zu meistern hat, gelingt es hervorragend auf weiten Strecken allein über ihre Mimik ihre Gefühle widerzuspiegeln.

Dass die innige Zuneigung vor allem von Lilie und Snow Flower von deutlichen homoerotischen Untertönen geprägt ist, geht der Film allerdings seltsam verdruckst an. Hier hätte man dem Regisseur mehr Mut zum Offensichtlichen gewünscht, zumal das der Story ja keinen Abbruch getan hätte.

Ein letztes: Obwohl ich von der Kategorisierung Männer-/Frauenfilm nicht allzu viel halte, ist dieser Film allerdings eindeutig ein Film für Frauen. Am besten zu sehen zu zweit mit seiner besten Freundin oder zu mehreren mit besten Freundinnen oder mit seiner Schwester oder einer anderen weiblichen Lieblingsverwandten.

„Der Seidenfächer” („Snow Flower and the Secret Fan”), Regie Wayne Wang, USA/China 2011, ca. 104 min.

Ein Nachtrag: „Der Seidenfächer” ist zu zwei Dritteln in chinesischer Sprache mit deutscher Untertitelung gehalten. Umso schmerzlicher fällt dann die deutsche Synchronisation ins Gewicht, die von der Stimmlichkeit und in der Intonation bei weitem nicht an die Original-Stimmen heranreicht. Man hätte besser daran getan, den Film gleich komplett im Original zu behalten.

© frida 2012

CAFÉ STILBRUCH Goes Radio

Großartig! Großartig! Großartig!

DAS CAFÉ STILBRUCH GEHT INS RADIO!!

Die erfreulich gute und gut besuchte Lesung im April von Ellen Norten kommt zu der Ehre, über den Äther ausgestrahlt zu werden. Und zwar bei dem erstklassigen kleinen Onlinesender „Radio Voll Normal“.
http://radio-voll-normal.de/

Ellen Norten

Ausstrahlungsdatum ist der 8. Juli, Sendeuhrzeit 16.00 bis 20.00 Uhr.
Also, nichts anderes vornehmen an diesem Tag! Man würde was verpassen, nämlich einen magischen Moment historischen Ausmaßes, wenn ich mal pathetisch werden darf.

Wer wissen will, was ihn inhaltlich erwartet, den verweise ich an den Nachbericht von Julia Röken:
http://www.lokalkompass.de/gladbeck/kultur/eine-na…

Ellen Norten live


Herzlichen Dank an Markus Rennings für die Vermittlung an RVN.
Wieder einmal wird ersichtlich, was mit Teamwork alles möglich ist.

Haltet unserem kleinen Kulturcafé die Treue!!

CSB


http://www.cafe-stilbruch-gladbeck.de/
Und bitte, schickt diese Info rum! Weit rum!!

Es grüßt
Euer Harry Michael Liedtke

Mord, Mond & Mumpitz

Juchee, es gibt was zu feiern. Andreas „Mumpitz“ Gers singt und reimt fröhlich zu meinem Begräbnis. Eingesargt werde ich von ihm demnächst in Moers – und bestattet unter einem Lindenbaum.

Lesung unterm Lindenbaum

Lesung unterm Lindenbaum!

Harry Michael Liedtke liest Kurzgeschichten aus seinem Buch „Begräbnis auf dem Mond“ sowie den Anthologien „Mordsmütter“ und „Unterwegs“ vor.
Gaststar: Irene Scharenberg
Zwischen den Geschichten gibt es musikalische Einlagen von Singer-Songwriter Andreas Gers.

Samstag, 14. Juli 2012 um 19 Uhr
Eintritt: 12 Euro

Antiquariat Angelika Küpperbusch
Wilhelm-Schroeder-Straße 19
47441 Moers
Telefon 02841/92612

Es gibt nur noch wenige Karten, wie ich hörte. Erstaunlich, wie viele meinen Untergang miterleben wollen. Sollte mir das zu denken geben??

Neulich in Köln-Kalk

Ich hatte letztens eine Lesung in Köln-Kalk. An sich nichts Ungewöhnliches, selbst wenn man den Stadtteil nicht unbedingt als Kulturmekka bezeichnen kann. Aber vielleicht ändert sich das ja bald, denn unsere wunderbare Kollegin Bettina Lohaus hat dort ein Offenes Atelier aufgezogen. Eben dort sollte auch auf Bettinas Einladung hin die Lesung stattfinden.

Nun, ich war etwas zu früh in Köln und schlenderte mit meinem Kumpel Dietmar durch Kalk. Viele Leerstände, aber das nur nebenbei.
Ich überquerte eine Seitenstraße und kriegte plötzlich Ärger. Ein Autofahrer – Mitte 30, würde ich schätzen – sah mich, und das frühzeitig in etwa 50 Metern Entfernung, gab Gas und heizte auf mich zu, um mich zu erschrecken (was ihm nicht gelang).
Während er auf mich zukesselte, bölkte der Arsch zweimal fröhlich: „Der Typ ist so doof, wie er aussieht“. Ich zeigte ihm ebenso fröhlich den Stinkefinger und rief ihm ein „Blödes Arschloch!“ zu.
Es kam, wie es kommen musste. Zwei hohle Herren der Schöpfung boten einander Prügel an.

(c) Marianne Labisch

Der Blödsack tat so, als würde er aussteigen, blieb dann aber auf dem Fahrersitz. Ich hingegen wollte nicht wieder über die Straße, die sich fix mit Pkws füllte und staute.
Also belauerten wir einander und bedachten uns mit auffordernden Gesten. Komm doch!!

Das Ganze zog sich etwa drei, vier Minuten hin, ich reichte Dietmar vorsorglich meinen Rucksack und meine Brille. Meinem Begleiter standen die Haare zu Berge, was aber bei seiner Albert-Einstein-Frisur irgendwie immer der Fall ist.

Meiner Plünnen entledigt, war ich eigentlich bereit für die Klopperei. Ich wollte mich gerade mit hochgekrempelten Ärmeln in Bewegung setzen, als mir mehrere Gedanken durch den Kopf gingen:

– Ich bin in einer fremden Stadt. Kommen die Bullen, kassieren sie mich ein. Den Auftritt in einer Stunde schaffe ich dann womöglich nicht, wenn ich erst zum Revier muss. Heißt: Kein Auftritt, keine Einnahmen in Form von Buchverkauf und Kollekte, kein Applaus.
– Zudem würde ich Bettinas Ablaufplanung total über den Haufen werfen. Da ich selbst Organisator von Veranstaltungen bin, weiß ich wie viel Stress das bedeutet. Das kann ich ihr nicht antun.
– Und drittens: Ich verdresche das Arschloch, fang mir aber auch selbst was ein. Zwar komme ich rechtzeitig zur Lesung, aber die Pics, die dort gemacht werden, zeigen mich derangiert und blutbesudelt. Möglicherweise landen solche Fotos dann noch in die Presse. Nee, besser nicht!

Ich ließ mir also von Dietmar meine Brille und meinen Rucksack reichen und zog gemessenen Schrittes von dannen. Natürlich bedachte ich den Autofahrerblödian noch mit einer möglichst verächtlichen Handbewegung. Aber ob die ihm emotional zugesetzt hat … Leider vergaß ich in der Aufregung, mir demonstrativ die Autonummer zu notieren. Das hätte meinem neuesten Feind bestimmt eher die Nachtruhe geraubt. Ärgerlich.

Warum ich das erzähle? Weil es mich beschäftigt. Ich weiß, ich habe mich richtig entschieden und verhalten – allein schon wegen Bettina. Aber das Rationale ist nur ein Aspekt. Wer mich kennt, der weiß, dass ich keine Auseinandersetzung scheue, und bei meiner Statur erst recht keinen Handgreiflichkeiten.

Hier habe ich aber zum ersten Mal gegen meine Natur „besonnen“ reagiert. Ich habe mich dabei erheblich vom schnöden Mammon leiten lassen, wenn ich ehrlich bin, und das verschafft mir kein gutes Bauchgefühl. Der Typ hätte echt Senge verdient. Irgendwie komme ich mir wegen meines Rückziehers fast feige vor, auf jeden Fall unangenehm FDPig.
Ich glaube, ich werde alt.
Was wohl Obelix und Bud Spencer zu der Sache sagen würden? Ich glaube, ich käme nicht gut in ihren Kommentaren weg.

Der Maler

Seine Staffelei war ein Konstrukt, das keinem Wind standhielt. Es war gerade einmal in der Lage ein paar Bögen Papier zu halten, für eine gewisse Zeit. Einige Bögen geschöpftes Papier aus groben Stücken und Stückchen Holz. Nichts Reines. Die anderen Malutensilien verstaute er in einem hinfälligen Koffer. Gequälte Pinsel, Quasten und Schwämme, ein kleines Glas, etwas feinen Sand, eine Schnur, die er für die Raumaufteilung benutzte und Farben. Cremige, ölige, nach Felsspat und Cyan riechende kräftige Mischungen, die dem Innern des Koffers den Geruch einer alten, längst verlassenen Apotheke verliehen. Und ein wenig hatte auch er an seiner Kleidung von allem haften, was man aber erst bemerken konnte, wenn man ihm sehr nah kam. Die Gelegenheit ihm so nah zu kommen war aber gering, denn niemand interessierte sich für ihn.

Seine Schuhe hingen mehr an ihm als dass sie ihn trugen, und hinterließen auf den Pflastern von Paris Spurlosigkeit. Gewissermaßen ging er in der Masse unter, wurde von ihr mit gespült. Die Stadt und das Land hatten andere Wünsche als er. Der größte war die Krankheit abzuschütteln, die alles erfasst hatte und die Leute sterben ließ wie Fliegen. Viele hatten sich von Gott abgewandt und den Glauben verloren, dass er helfen könnte. Einen Gott, der dort im Himmel bisher alles so fein regierte. Einen, auf den man sich verlassen konnte.

Der Maler hatte seinen Blick ebenfalls zum Himmel gewandt. Nicht um etwas zu erbitten, sondern um ihn gewissermaßen fest zu halten. Ihn faszinierte der Gedanke, dass etwas seine wackelige Staffelei trug, das die Erde umspannte wie ein dünnes Tuch. Er brauchte sich keine Gedanken darüber zu machen, ob jemand ihm Wolken abkaufte auf Papier, denn bis auf Wenige waren die meisten arm. Man musste schnell sein mit dem Leben, denn es war sehr schnell vorbei. Man gab des Wenige für Nahrung her und nicht für einen Himmel, der nichts mehr taugte. Vielleicht brauchte man ja eines Tages noch etwas Geld, um sich von der Hölle frei zu kaufen, die sich aufgetan hatte.

Ebenso wichtig wie Nahrung schien dem Maler sein Werk zu sein. Er fühlte sich getrieben und gezogen zu den Stellen, an denen er Ruhe fand, und dem Gestank der vielen Menschen entkommen konnte. An solchen Orten, etwas entfernt von der Stadt, schien sie ihm unwichtig gegenüber ihrem Himmel, dass er sie nur schemenhaft andeuten mochte durch ein paar Kohlestriche. Sollten seine Kollegen doch Wände malen und Türme, Straßen und Menschen, die von allem gefressen wurden. Seine Dramen vollzogen sich an einem Himmel, der das Geschehen im Land klein erscheinen ließ.

Anders als Häuser oder ein Park bewegte sich das Malobjekt, um sich nicht einfangen zu lassen. Ein Modell, das nicht still sitzen wollte und es oft eilig hatte. Es war zornig und sanftmütig, an einem Tag verschwunden, um an einem anderen sich von seiner ungeahnten Größe zu zeigen. Es schoben sich Berge zusammen, die noch vor Sonnenuntergang zusammen brachen, oder taten sich nicht auch Wüsten auf, deren Grenzenlosigkeit lebensmüde machte?

In einem trockenen Versteck stapelten sich seine gemalten Himmel übereinander. Schicht um Schicht, und alle waren mit seiner Unterschrift versehen, die er geschickt im Bild zu verstecken verstand. Manche der Bögen standen sich biegend an die Wand gelehnt, nur wenige hatten einen Rahmen und bekamen dadurch paradoxerweise mehr Weite, mehr Freiheit. Tage, Wochen und Monate voller Momente erfassten den Betrachter, und enthoben ihn für einen Moment. Wenn sich einmal eine Gelegenheit ergab, dass er etwas Himmel jemandem zeigte, der ihm neugierig gefolgt war, erntete er in der Regel Unverständnis darüber, wie er seine Zeit vergab. Das Wertvolle etwas Wertlosem opferte. In den Kunstausstellungen, zu denen tausende pilgerten, zeigten Portraits das Gesicht der Zeit. Ihr Lächeln und ihren Schmerz. Zu diesen war kein Bild von ihm zugelassen worden. Immerhin, er hatte es versucht.

In einem seiner Briefe an seinen Bruder schrieb er:

Mein geliebter Bruder,

wenn ich dir heute schreibe, dann über den Himmel, den ich sah und sehr schnell malte. Ich ahnte, nein ich wusste es am Abend zuvor, dass er einmal kommen würde. Er bestand aus einer mächtigen Fläche in leinblauer Färbung, wie sie nur der Frühling imstande ist zu mischen. Gott sei Dank hatte ich noch von der Paste, die ausreichte, um sie auf den ganzen Bogen zu bekommen. Ich nahm einen der leichten Schwämme und erschrak über die Heftigkeit der Farbe, doch wusste ich um ihre Wirkung, wenn sie trocknete. In der Ferne zog noch die Nacht eine letzte Schleppe aus grau betupftem Stoff, der der besseren Gesellschaft würdig gewesen wäre. Das eigenartige aber war bei der ganzen Malerei, dass ich keine Furcht verspürte, sollte ich das Motiv aus den Augen verlieren. Sollten sich Wolken auftun, um es zu entstellen. Selbst den Hunger spürte ich nicht und nahm nur etwas Wasser zu mir. Die Stadt selbst war beherrscht durch dieses Inferno aus Farbe, und es würde mich nicht wundern, wenn nicht einmal das ausreichte, dass die Menschen den Kopf hoben, um es zu sehen. Ich hatte das bestimmte Gefühl der einzige weit zu sein, der es sah und imstande es fest zu halten. Es glitt mir selbst dann nicht aus den Händen, als es zum Abend ging. Die Landschaft unter dem Himmel malte ich wie sie einmal war. Noch nicht behauen und bebaut, nicht verformt und gedemütigt durch Sünden, zu denen nur der Mensch fähig ist sie zu begehen. Dieses wird mein wertvollstes Bild sein, obwohl ich mir im Klaren darüber bin, wie wenig Wert es hat in anderen Augen. Ich würde es nicht tauschen wollen gegen eines, das mir neulich angeboten wurde für eine meiner Skizzen.

Und Geld, wie viel sollte ich verlangen für einen Himmel, den niemand sieht? Wer wäre bereit sich von Geld zu lösen, um etwas auszustellen, das tagtäglich ist, um das es sich nicht zu kämpfen lohnt? Ein Fremder vielleicht? Einer, der mich neulich interessiert nach mehr Bildern fragte, und dem ich vertraute einige meiner Werke zu zeigen. Er ging unentschlossen, wie ich es befürchtet hatte. Ich kenne es ja nicht anders.

Einmal, ich bin mir aber nicht sicher, wird alles die Seine herunter schwimmen. Die Bögen werden schwimmen können, da sie aus Holz sind, die Farbe wird die Seine unwesentlich färben. Sie wird darüber lächeln wie die Betrachter bisher. An einem fernen Ufer angespülte Fragmente, die von Enten gefressen werden. Hungrig, sie mit etwas Fressbarem verwechselnd. Aber wenn du mich fragst, mein lieber Bruder, warum ich das alles auf mich nehme und dafür selbst hungere, dann kann ich dir sagen, dass es mich erfüllt. Es tröstet mich nichts anderes als ein Bogen, der sich über eine Stadt spannt, die gequält ist von Krankheiten und Mord. Von Lüge und Unaufrichtigkeiten, für die sie dieser Tage bestraft wird. Sie vergessen nach oben zu schauen und zu sehen. Nicht zu beten um sich frei zu kaufen, sondern das Wesentliche in ihre Herzen nehmen, ohne es anderen zu stehlen.

Nehme ich alles für sich. Den Pinsel. Die Farben, die Bögen und die Zeit, und betrachtete es so, wie es sich eröffnet, so ist doch alles nichts. Erst die Komposition der Dinge und einer, der sie erfasst, macht sie zu etwas Großem. Davon, etwas Großes in all der Zeit geschaffen zu haben, davon bin ich sehr überzeugt. Einer der Kritiker stellte fest, dass ich zu schnell malen würde, und empfahl mir mehr Zeit zu nehmen für alles. Ich beschloss am nächsten Tag noch schneller zu malen. Sie kommen und verstehen nichts. Vielleicht klingt das in deinen Augen etwas überheblich, doch male ich nicht für sie, wie ich nur für dich diesen Brief schreibe.

Jeder möge sich von dieser Welt sein eigenes Bild malen. Es ist verdammt hart etwas dafür herzugeben. Etwas, das mit Hunger erkämpft wird kann nicht falsch sein, denn vom Boden erst erkennt man die Höhe, aus der man fallen kann. Die Angst zu fallen habe ich täglich. Nicht um meiner selbst willen, sondern darum, einen Himmel zu versäumen. Einen wie den, den ich soeben malte und hoffe, dass du ihn eines Tages zu Gesicht bekommst. Wir werden uns dann nah sein, wo wir so weit voneinander entfernt leben.

Morgen hat sich der Fremde angesagt. Vielleicht ist er ja doch bereit etwas zu zahlen für eines der Bilder, von dem ich jetzt schon weiß, dass ich mich schwer davon trennen kann. Morgen werde ich den Brief zur Post bringen, man weiß ja nie, wie lange es dauert. Wenn du mir Geld schickst, dann nehme ich es eher für die Bögen statt Brot, und eher für die Farben, aus denen ich satter werde als hätte ich gegessen. Für dich und mich habe ich schon zwei Himmel zur Seite gestellt. Es ist einmal ein Winterhimmel, an den der Frost seine unverwechselbare Handschrift ins Blau gekratzt hat, und einmal das Bild, das ich gestern malte, und das ich für mich zur Seite legen möchte als Beweis, dass es mich gibt. Es muss noch trocknen.

Ich wohne zur Zeit in einer Straße ohne Namen. Sie liegt abseits von jeder gewöhnlichen Straße. Vielleicht schreibst du an mich und beziehst dich auf das bekannte Cafe´ de Paris, das hier nicht weit von mir ist. Vielleicht kennt mich der Bote, wenn er herum fragt. Oder schreib an das Cafe´. Ich hole mir dann deinen Brief.

In Liebe zu dir und Gedanken an deine Gesundheit. In dieser Zeit das Kostbarste, außer dem Himmel für uns alle.

Dein dich liebender Bruder

Er faltete das Papier und gab es in ein Kuvert, das er sorgfältig verklebte. Schrieb in seiner eigenartig schrägen Schrift die Adresse seines Bruders und steckte sie in die zerschlissene Jacke, die er sich über zog. Es war kalt im Frühling, und das Wasser der Seine war kälter als sonst im Jahr. Die Poststelle erreichte er nach einem abendlichen Gang durch die engen Gassen der Stadt. Er warf den Brief ein und begab sich auf den Heimweg, der von einem tiefen Abendrot gezeichnet war wie Blut.

Der Fremde hatte sich davon überzeugen können, dem Wunderling aber seine Hochachtung vor dessen Bildern verschwiegen. Er war ihm auf der Spur, und verfrühte seinen Besuch um einen Tag, indem er ihm jetzt folgte. Der Maler muss ihn eingelassen haben. Vielleicht haben sie noch ein wenig über die Kunst gesprochen, vielleicht ging es um das Geld für einen der Himmel, von denen er sich so schwer trennen mochte. Vielleicht um „den“ Himmel.

In der Zeit, die Paris erlitt, war es nichts Ungewöhnliches, wenn ein Körper die Seine entlang trieb. Das geschah täglich. Es waren auch Hunde dabei und alles, was der Fluss tragen konnte, um es ins Meer zu bringen. Es drehte sich in Strudeln und Schnellen, stieß an Brücken und blieb wie sein Körper auch irgendwo weitab in einem Schilfgürtel hängen, der ihn sanft festhielt. In diesem Festhalten war keine Gewalt. Diese war vorher geschehen.

Seine Bilder waren allesamt verschwunden wie auch er. Das einzige, das man von ihm fand, war ein Bild, das noch nach frischer Farbe roch. Er hatte es zum Trocknen auf den Speicher geschoben unter zwei Dachsparren, die es hielten. Oben, dem Himmel so nah wie es nah sein konnte in diesen Zeiten der Not und Entfernung.

Epilog:

Seine Bilder wurden weltweit zum Zeugnis. Es dauerte allerdings noch etliche Jahre, bis die Welt das Licht in ihnen erblickte.

Spuren

Das Spielcasino lag diskret etwas abseits der Stadt und hatte auf der Rückseite des großen Komplexes die Parkplätze. wurde überragt durch eine Krone an der Spitze eines hohen Mastes, die des nachts goldgelb leuchtete und weithin sichtbar war. Es war empfindlich kalt Mitte Januar und schneite seit dem Morgen. Bis zum Abend hatte sich eine beachtliche Menge Schnee angesammelt. Im Licht der gebogenen Lampen parkte ab und an ein Auto ein, aus dem eine Gestalt entstieg, den Mantelkragen hoch schlug und zum Eingang eilte.

Er war spielsüchtig. Ein Arzt hatte ihm eine Kur in Aussicht gestellt. Nachdem er den Wagen verlassen hatte, zeichneten sich seine Fußspuren im Schnee ab. Spuren, denen er keine Beachtung schenkte, da er sich nicht umsah, sondern mit einem leichten Fieber schnell die Behaglichkeit des großen Raumes suchte. Das Geräusch rollender Kugeln, der Auswurf von Münzen, das spezifische Einrasten einer Zahl oder eines Symbols, das meist seine Adresse neben der des Glücks hatte. Das von sauberen Händen gemischter Karten, die aus hochfein lackiertem Karton waren.

An seinen fünf Hunderter Scheinen hafteten unsichtbar Spuren von Kokain. An allen Scheinen, die im Umlauf waren, hafteten Spuren von Kokain. Er wechselte sie am Counter in Chips, die er lose in seiner Tasche spürte. Er war nicht allein. Eine Jagdgesellschaft, bunt zusammen gewürfelt aus Treibern und Jägern mit Hunden, die offiziell hier keinen Zutritt hatten und dennoch jene waren, die die Chips aus den Taschen hetzten, Plastik, das in tiefen Schächten verschwand, und zum Counter zurück floss.

Es war ein guter Abend. Seine Taschen füllten sich, wie auch seine Laune, die bis zum letzten Einsatz auf den Höhepunkt zusteuerte. Wo er alles setzte, um es zu verdoppeln. Roulette hieß für ihn Rot oder Schwarz. Er hätte auf Rot setzen sollen….

Als er wieder zum Wagen ging durch den Neuschnee, beachtete er nicht die alte Spur, die von seinem Wagen zum Casino führte. Es hätte nur eine sein dürfen. Nur die seiner Füße. Leicht daneben aber gab es eine ebenso alte, der man nicht ansah, dass sie von einem Menschen stammte. Dem Huf des Teufels ähnlich, der hinkend treu seinem Meister folgte, nur auf den Hinterbeinen sich stützend, wobei sie sich im Bereich des Eingangs verlor.

Gemeinsam mit der Spur seines Geldes.

Mauersegler: Sie begleiten mich durch den Sommer

Ich habe sie schon erwartet, die hoch am Himmel im Gleitflug segelnden und sich dann mit ihrem charakteristischen Schrei in meinen Hinterhof stürzenden schwarzen Vögel mit ihren gegabelten Schwänzen. Seit gut zwei Wochen sind sie nun wieder da, aus ihrem Winterquartier im südlichen Afrika, um hier in den nächsten drei Monaten ihre Brut aufzuziehen.

Nach den Mauernseglern – nicht mit den Schwalben zu verwechseln – kann ich ganz locker meine Sommeruhr stellen. Obwohl ich den Eindruck habe, dass es über die Jahre, in denen ich sie nun bewusst wahrnehme und beobachte, immer etwas weniger geworden sind. Das mag sicher auch am Verlust von Brutplätzen liegen, aber ich kann noch gelegentlich an einigen älteren Häusern in meinem Hinterhof unter den Giebeln ihre Nester beobachten.

Einen Mauersegler treffen Sie nie allein. Nein, sein Ding ist das Gruppensegeln, absolut. Und je mehr Mauersegler am Himmel hängen, umso lauter ist ihr schrilles Schreien, das sie auch noch im Straßenlärm hörbar macht. Damit erschrecken sie auch meine zwei samtpfötigen Begleiterinnen, wenn diese träge vom Katzennetz gut gesichert auf der Balkonbrüstung abhängen.

Die Vögel zeigen da überhaupt keine Scheu, ganz im Gegenteil habe ich den Eindruck, sie wüssten ganz genau, dass ihnen diese beiden Jägerinnen nichts anhaben können. Denn sie stürzen sich zum Greifen nah wie kleine Geschosse am Katzennetz vorbei, bevor sie sich wieder hoch in die Luft schwingen. Und das immer und immer wieder.

Mauersegler jagen im Flug, Insekten ausschließlich, bevorzugt am frühen Morgen oder am Abend vor und in der Dämmerung. Sie lieben eindeutig klares und warmes Sommerwetter, an solchen Tagen sind sie besonders lange jagend oder einfach nur sich ihren Flugkünsten hingebend unterwegs. Ist das Wetter zu nass oder zu kühl, dann sind sie kaum oder nur kurz zu sehen.

Ich habe ohnehin den Eindruck, dass die Mauersegler, deren Lebenselixier bis in den Schlaf hinein das luftige schnelle Dahingleiten-und kurven ist, einen großen Teil ihres Tages – wenn sie nicht gerade brüten oder auf der Jagd sind – damit verbringen, sich gegenseitig höchst spielerisch ihre Flugkünste vorzuführen.

Natürlich haben Mauersegler auch Feinde, aber in meinen Hinterhof hat sich bisher noch kein Greifvogel verirrt, und hinterher fliegende Katzen habe ich auch noch nicht gesichtet. Nein, „meine“ Mauersegler teilen sich den Luftraum in meinem Hinterhof ganz friedlich mit den Meisen und Finken, den Amseln und Elstern, den Tauben und den Rabenvögeln, den gelegentlich durchkreuzenden Enten und Kanada-Gänsen.

Ende Juli bis Mitte August, je nachdem wie warm oder kühl der Sommer ausfällt, verschwinden die gefiederten Gäste wieder, so plötzlich, wie sie gekommen sind, von einem Tag auf den anderen. Sie machen sich nun mit ihren Jungvögeln auf ihren langen Flug in ihr Winterquartier. Es ist dann um einiges stiller geworden in meinem Hinterhof, und ich weiß, dass auch bei uns der Sommer langsam in seine letzten Runden geht.

© frida 2012

Aus dem Vorzelt zur Hölle ins Café Stilbruch und ins Kulturmuseum FÜNTE – Tommy Krappweis kommt! Mit Vater Werner!!

Tommy Krappweis kommt aus dem Vorzelt zur Hölle ins Gladbecker Café Stilbruch und in das Kulturmuseum FÜNTE in Mühlheim!

Tommy und Werner Krappweis im Café Stilbruch Gladbeck


Tommy und Werner Krappweis im Kuturmuseum Fünte in Mülheim


Der Starcomedian, Grimme-Preisträger und Erfinder von „Bernd das Brot“ stellt sein neues Buch „Das Vorzelt zur Hölle“ vor.
Mit von der Partie: Der an dem Werk nicht unbeteiligte Herr Papa Werner Krappweis.

Werner und Tommy Krappweis


Am 31.5. um 20:00 Uhr tritt das Duo in der Gladbecker Kult(ur)kneipe Café Stilbruch auf.
Tags darauf am 1. Juni ist dann die Fünte in Mülheim an der Reihe (ebenfalls um 20:00).

DIE EINTRITTSKARTEN WERDEN BEREITS KNAPP! Es wird dringend der Kartenvorverkauf empfohlen!

GLADBECK
Datum: 31. Mai 2012
Beginn: 20:00 Uhr (Einlass: ab 18:30)
VVK: 9,50 EUR / AK: 12,00 EUR
Kartenreservierung dringend empfohlen!

Café Stilbruch
Rentforter Straße 58
45964 Gladbeck
http://www.cafe-stilbruch-gladbeck.de/
E-Mail: info@cafe-stilbruch-gladbeck.de

Ansprechpartner:
Harry Michael Liedtke
E-Mail: Musikfolge@gmx.de
Telefon: 02043 – 42653

Zusätzlich (31. Mai 2012):
Signierstunde in der Buchhandlung Tümmers (Postallee 3; 45964 Gladbeck) von 17:30 Uhr bis 18:30 Uhr.

Karin, Tommy und Werner Krappweis


MÜLHEIM AN DER RUHR
Datum: 01. Juni 2012
Beginn: 20:00 Uhr
VVK: 9,50 EUR / AK: 12,00 EUR
Kartenreservierung dringend empfohlen!

Kulturmuseum FÜNTE
Gracht 209
45472 Mülheim a.d. Ruhr
http://www.fuente-kulturzentrum.de/

Ansprechpartner:
Frank Bruns
Gracht 209
45472 Mülheim a.d. Ruhr
E-Mail: Sheila.Cargador@web.de
Telefon: 0208 – 6969064

Cover


Das Vorzelt zur Hölle: Wie ich die Familienurlaube meiner Kindheit überlebte
Tommy Krappweis (Autor)
Verlag: Knaur TB
Sprache: Deutsch
ISBN: 978-3426784761

Zur Person (Presseinfo): TOMMY KRAPPWEIS
Tommy Krappweis kam am 9. Mai 1972 in München zur Welt.
Er drehte in der dritten Klasse seinen ersten Stop-Motion-Film auf Super-8, adaptierte auf der heimischen Schreibmaschine Ellis Kauts „Pumuckl und die Grippetabletten“ für ein Theaterstück und sang im Alter von 14 Jahren in Bayerns jüngster Rock’n’Roll-Formation.
Schon früh eiferte Tommy Krappweis seinem Vorbild Buster Keaton nach und übte Slapstick-Stürze vom Küchentisch.
Als Stuntman und Slapstick-Comedian in diversen Freizeitparks durfte er das Gelernte mehrere Jahre lang anwenden und schließlich eigene Stuntshows choreographieren.

Vater und Sohn im Vorzelt zur Hölle


Im Fernsehen war er u.a. bei SoKo 5113, als Moderator bei Disney TV und drei Jahre lang als Comedian bei RTL Samstag Nacht zu sehen.
Danach wechselte Tommy Krappweis fast vollständig hinter die Kamera. Sein erster Job als freier Regisseur war ein Musikvideo für Stefan Raab. Unzählige Sketche, Werbefilme, Videoclips, Standups, Drehbücher und Regiearbeiten später erreichte die Folge „Rotkäppchen – Wege zum Glück“ aus der Reihe der Pro7 Märchenstunde mit Tommy Krappweis als Regisseur und Headwriter sensationelle 28% Marktanteil.
Schon im Jahr 1999 gründete er die bummfilm GmbH für Drehbuch, Regie und Postproduction. Er erfand zusammen mit Norman Cöster schließlich die KiKa-Kultfigur „Bernd das Brot“, wofür er 2004 mit dem „Goldenen Spatz“ und dem Adolf-Grimme-Preis ausgezeichnet wurde.

Tommy und Bernd


Seit einigen Jahren schreibt Tommy Krappweis auch Bücher. So entstand eine Reihe von Abenteuergeschichten für Kinder ab 7 Jahren „Der kleine große Paul“ sowie die Fantasy-Trilogie „Mara und der Feuerbringer“.
Das neueste Werk trägt den Titel „Das Vorzelt zur Hölle“ und berichtet urkomisch, bissig und ein bisschen nostalgisch von seinen bisweilen traumatischen Erinnerungen an die Familienurlaube in den 70er Jahren.

fridas Filmtipp: „Saving Face“: Wie pakistanischen Frauen das zerstörte Gesicht wiedergegeben wird

In Pakistan werden jährlich rund 1.000 Säureattentate auf Frauen begangen, mit schrecklichen Folgen für Körper und Seele. Es sind Frauen allen Alters betroffen, auch Kinder. Es sind überwiegend Ehemänner oder Männer, die sich abgewiesen fühlen, die dieses Verbrechen begehen. Sie fühlen sich im Recht, die Frau, die ihrer Meinung nach ihnen gehört, zu maßregeln, zu bestrafen. Die „Schuld“ der betroffenen Frau besteht darin, sich zu Recht gegen einen gewalttätigen Ehemann oder einen aufdringlichen Bewerber zur Wehr gesetzt zu haben.

„Saving Face“, der Oscar® gekrönte Dokumentarfilm der pakistanischen Dokumentarfilmerin Sharmeen Obaid-Chinoy und dem amerikanischen Dokumentarfilmer Daniel Junge – eine Produktion des amerikanischen Kabelfernsehen Kanals HBO – schildert am Beispiel von zwei betroffenen Frauen, was getan wird, dass jene Frauen wenigstens einen Teil ihres Gesichts – und damit auch ihres Lebens – zurückbekommen. Und den Kampf darum, dass Männer nicht mehr wie bisher darauf vertrauen können, mit ihrer Tat ungeschoren davonzukommen.

Zakia, 39 Jahre alt, und Rukhsana, 25 Jahre alt, stehen stellvertretend für alle jene Frauen, die mit Säure attackiert wurden. Zakia wurde dabei die gesamte linke Gesichtshälfte inklusive des Auges weggeätzt. Sie leidet unter starken Schmerzen durch die Vernarbung. Sie kann das Haus nur noch versteckt unter einer Burka verlassen. Zakia wollte sich von ihrem drogensüchtigen Ehemann scheiden lassen. Dieser, völlig uneinsichtig, sitzt in polizeilichem Gewahrsam und erwartet sogar ein Verfahren, weil sie ihn angezeigt hat. Zakia wird dabei unterstützt von der engagierten Anwältin Sarkar Abbas, die sich dafür einsetzt, solche Täter einer Verurteilung zuzuführen.

Rukhsana dagegen lebt noch in der Familie ihres Mannes, obwohl sowohl Schwiegermutter als auch Schwägerin versucht haben, sie zusätzlich zur Säureattacke des Ehemannes zu verbrennen. Rukhsana, deren Haut zusätzlich zu den Verätzungen auch großflächig verbrannt ist, weiß nicht, wohin sie gehen soll. Ihre Tochter wird von der Schwieger-Familie unter Verschluss gehalten.

Dr. Mohammad Jawad, selbst Pakistani, ein in London lebender und arbeitender plastischer Chirurg, verbringt mehrere Monate im Jahr in Pakistan, um Frauen wie Zakia und Rukhsana zu helfen. Es macht ihn sehr menschlich, dass er die Frauen nicht nur als medizinische Herausforderung ansieht, sondern mit ihnen mitleidet. Er ist wütend, „eine Gesellschaft, in der solche Verbrechen üblich sind, hat definitiv ein Problem“, ist sein Credo. Er weiß auch um die Grenzen seiner ärztlichen Heilkunst, wie auch gerade Zakias Fall zeigt. Der Film begleitet ihn durch die Gespräche mit den beiden Frauen, Zakias erster Operation unter sehr bescheidenen medizinischen Bedingungen, zeigt seine Fassungslosigkeit, als er Rukhsanas Geschichte hört.

Dr. Jawad arbeitet eng mit der „Acid Survivors Foundation of Pakistan“ (ASF), einer Stiftung, zusammen, die nicht nur versucht, den Frauen einen geschützten Raum und vor allen Dingen auch seelische Hilfe anzubieten, sondern auch daran arbeitet, ein Gesetz einzubringen, das effizient solche Taten unter strenger Strafe stellt. Eine engagierte Mitstreiterin ist die parlamentarische Abgeordnete Marvi Memon, der es tatsächlich gelingen wird, zusammen mit anderen Abgeordneten ein solches Gesetz durchzubringen.

Ein Hotel in Islamabad, die Stiftung trifft sich, um wieder einmal Einzelheiten des besagten Gesetzentwurfes zu diskutieren. Neben Zakia und Rukhsana sind viele andere Leidensgenossinnen gekommen. Eine immer fassungsloser werdende Zuschauerin schaut in zerstörte Gesichter, auf zerstörte Leben, kann die seelischen Verwundungen und das körperliche Leiden nur eben erahnen. In diesem Moment wird ihr wieder einmal klar, wie glücklich sie sich schätzen kann, in einem Teil der Welt zu leben, in dem Frauen gesetzlich verbriefte und einklagbare Rechte besitzen.

„Saving Face“ hat auch die Ehemänner von Zakia und Rukhsana interviewt. Da sitzen sie nun vor der Kamera, der von Rukhsana ein Milchgesicht, das lügt, dass sich die Balken biegen. Und der von Zakia, der meint, dass die Frau ihm gehört und er mit ihr tun und lassen kann, was er will, uneinsichtig, noch stolz auf seine unsägliche Tat, unterstützt von seinem Vater, der behauptet, Zakia sei geistig krank.

Dr. Jawad kann Zakias zerstörte Gesichtshälfte nur teilweise wieder rekonstruieren. Aber er versorgt sie mit einer raffinierten Prothese, die das fehlende Auge und einen Teil der Vernarbung verdeckt, so dass sie wieder ohne Burka unter die Menschen gehen kann. Ihr Ehemann bekommt unter dem neuen Gesetz gleich zweimal lebenslänglich, ein Präzedenzfall, von dem hoffentlich das richtige Signal ausgeht.

Rukhsana dagegen kann Dr. Jawad erst einmal nicht helfen, denn sie ist wieder schwanger, was er mit Fassungslosigkeit zur Kenntnis nimmt. Am Ende des Films ist sie Mutter eines Jungen geworden. Sie spricht darüber, wie glücklich sie ist, einen Jungen geboren zu haben, denn Mädchen haben es zu schwer, da sie in der pakistanischen Gesellschaft keinen Stellenwert haben. Anzunehmen ist, dass ihr die Geburt des Jungen ein Überleben in der Schwieger-Familie sichert.

„Saving Face“ enthält sich klug eines jeden Off-Kommentars. Die eindrucksvollen Bilder aber von den Frauen, die versuchen, unter schwierigsten Bedingungen ihre Menschenwürde zu bewahren, sprechen für sich und wirken noch lange nach.

„Saving Face“ wurde vor einigen Tagen von WDR 3 ausgestrahlt und ist derzeit noch in der ARD Mediathek zu sehen. Es ist sicher davon auszugehen, dass dieser Film noch in weiteren 3. Programmen gezeigt werden wird.

„Saving Face“, USA 2012, Regie Daniel Junge, Sharmeen Obaid-Chinoy,

www.savingfacefilm.com

© frida 2012

Bilder zaubern Worte – Füße

Ist es Euch nicht auch schon passiert, dass Ihr ein Bild gesehen habt und dachtet: Dazu könnte ich jetzt eine Geschichte schreiben? Unter dem Slogan „Bilder zaubern Worte“ bieten wir regelmäßig ein Bild an, das Euch Inspiration für einen Text sein soll.

Diesmal geht es um Füße.

Füße sind sprichwörtlich vielseitig. Manche leben „auf großem Fuß“ oder werden „mit den Füßen voran“ aus dem Haus getragen. Wer hat nicht schon jemandem „auf die Füße getreten“ oder etwas gesagt, was „weder Hand noch Fuß hatte?“ Nachfolger „treten in die Fußstapfen“ ihres Vorgängers.

Es gibt nackte Füße und Füße in Sandalen, Schuhen oder Stiefeln. Auf langen Wanderungen werden Füße wundgelaufen, bei der Pediküre verwöhnt, in Neckereien gekitzelt und vielleicht beim Liebesspiel … das überlasse ich eurer Fantasie.

Ich bin jedenfalls sehr gespannt, was Euch zum Thema Füße einfällt.

Ihr könnt Eure Texte auf Euren Blogs einstellen und sie werden dann hierher verlinkt. Wer keinen eigenen Blog hat, kann seinen Text auf der Gemeinschaftsseite “Netzwerk” einstellen.

Und nun wünsche ich Euch viel Spaß beim Schreiben!

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Hier sind die Texte zum aktuellen Bild:

Spuren von buckj

Barfuß-Song von Mumpitz

Der Fund im Forst von Songline