Frohe Ostern!

Jenseits der Eiersuche
und des Kirchgangs,
jenseits des mittäglichen Gelages
und des Spaziergangs danach,
jenseits der Monumentalfilme
im Fernsehen,
ist Ostern vor allem
ein Fest der Zuversicht
für das Danach.

Ich wünsche Euch allen ein frohes Osterfest!

Rezension „Des armen Mannes Ehre“ von Heđin Brú

Heđin Brú
„Des armen Mannes Ehre“
Flamberg Verlag Zürich, 1966

Alte und neue Welt kollidieren. An Generationenkonflikten enstponnen sich die größten Dramen und Epen der Literaturgeschichte (Nibelungenlied z.B.). Oder auch kleine Erzählungen, wie diese hier.

Ein alter Fischer auf den Färöer-Inseln lässt sich dazu hinreißen, beim Fest der traditionellen Waljagd „Grindadráp“ ein großes Stück Walfleisch zu kaufen, obwohl es sein Budget übersteigt.
Für uns mag dieses „Abschlachten“ der Wale im Sund undenkbar sein. Für Ketil, den alten Fischer, ist es die Tatsache diesen Kauf getätigt zu haben, obwohl es seine Finanzen nicht zulassen. Da die Rechnung erst in ein paar Monaten kommt, bleibt ihm Zeit das Geld aufzutreiben. Denn Schulden machen, das ist gegen die Ehre des armen Fischers.

Zugegeben, für uns im Hier und Heute klingt das nicht spannend. Doch wegen der Handlung liest man dieses Buch nicht.
Man liest es, weil man dem Zeitgeist der 1960er und dem Milieu nachspüren will. So erwarten einen liebevoll gezeichnete, schrullige Charaktere und jede Menge Lokalkolorit, das nicht bemüht wirkt.
Mittelpunkt von Ketil‘s Haus ist die Rauchküche, über der auf Balken Hühner herumlaufen, ab und an etwas fallen lassen. Das Grasdach kann bei Sturm wegfliegen, man muss sich darauf legen und die Schäden mit neuem Stroh decken. Seine Frau hatte 40 Jahre lang dieses Haus nicht verlassen. Walfleisch ist Delikatesse, man kaut auf derben Stücken.

Doch bereits die Jungen leben in einer anderen Welt. Die Häuser haben Metalldächer, die Fischerboote Motoren, man geht einkaufen und gönnt sich etwas, zur Not auf Kredit. Walfleisch wird zerkleinert, oder gar gebraten.

Vor diesem Hintergrund laufen viele menschliche Konflikte. Verwandte reden nicht miteinander, untätige Alte jammern, Töchter wollen besser sein als ihre Mütter, der Tagedieb kommt immer durch. Am Ende helfen sie sich und teilen alles – und sei es nur, weil die Tradition es so will.

Die Alten arbeiten und sparen, stehen früh auf, benutzen alles bis zum Gehtnichtmehr. Sie verstehen die Jungen nicht, die auf Kredit leben, ihr Essen beim Krämer kaufen, morgens ausschlafen (also länger als bis 4 Uhr), faul mit Motorbooten fahren und sich fein benehmen.
Die Jungen verstehen die Alten nicht, die nur arbeiten und sparen, ohne zu wissen wozu, anstatt sich Zeit zum Leben zu nehmen.

Als Höhepunkt dient die Beerdigung seines Nachbarn. Die Alten kommen ins Dorf (nach 40 Jahren), sehen all die neuen Häuser, größer und schöner. Finanziert von systematischem Fischfang mit Motorbooten (damals die Industrialisierung der Färöer). Der Ortsvorsteher veruntreute einst Steuergelder, wurde danach als Kämmerer gewählt, weil er immerhin eine zeitlang in Dänemark lebte und vornehm reden kann. Ketils 24-jähriger, etwas minderbemittelter Sohn, bleibt zuhause – wo er mit der Tochter des Tagediebs im Bett erwischt wurde. Für Ketil, den alten Fischer, bricht eine Welt zusammen.
Aber genau darauf zielte dieses Buch ab.

Für uns ist dieser Höhepunkt nicht mehr sonderlich dramatisch. Ein nettes Zeitzeugnis des Lebens auf den Färöer-Inseln der 1960er ist es allemal. Und die menschlichen Konflikte sind ohnehin immer die gleichen. Nur kommen sie hier ganz unaufgeregt daher – was dieses Buch auf jeden Fall zu einer kurzweiligen und gelungenen Unterhaltung macht.

Das war jetzt mehr eine Zusammenfassung als eine Rezension. Nachdem das Buch im Deutschen aber nur über Antiquariate zu finden ist, kann ich ruhig Handlung vorwegnehmen – man sehe es mir nach.

HIER GIBTS WAS GRATIS:

Und wer von diesem kleinen Artikel neugierig wurde: ich biete das Buch g-r-a-t-i-s auf „Free Billy“ an.

Von Moral und Unsitte

Lieber Biber

Lieber Biber


Biber, die im Trocknen üben,

das sind die besonders lieben. Weiterlesen »

Grammatik kommt von Gram

„Schreib den verd… Roman!: Die simple Kunst, einen Bestseller zu verfassen. Ein Anti-Ratgeber“ – eine Rezension.

Schreib den verd... Roman! (Cover)


Und noch’n Schreibratgeber. Das wäre doch nun wirklich nicht nötig gewesen, wird so mancher aufstöhnen. OH, DOCH!! Dieser war schon lange fällig.
Wem die ewige Klugscheißerei der selbsternannten Literaturexperten auf den Geist geht, der wird an diesem Buch sein Vergnügen haben. Und wer sich als Autor fragt, warum seine Manuskripte regelmäßig in den Papierkorb der Lektoren landen, wird nach dem Studium dieses verflucht weisen Anti-Ratgebers ziemlich genau wissen warum.
„Schreib den verd… Roman!“ ist eine Spottschrift, die es in sich hat. Hier bekommt jeder sein Fett weg, der mit seiner Engstirnigkeit den Literaturbetrieb zu einem mainstreamigen Haifischbecken oder durch seine schriftstellerische Unfähigkeit den Buchmarkt unnötig aufbläht. Auf jeder Seite schießt dem (szenekundigen) Leser der Stoßseufzer „Wie wahr!“ durch den Kopf. Wer könnte auch an Merksätzen und Schreibkniffen wie „Nur wer konkret wird, wird auch konkret angreifbar“ oder „So gehen Sie richtig mit Kritik um: ignorieren“ zweifeln – bei dem Einheitsbrei, der heutzutage geboten wird.
Seien es nun allzu geschäftstüchtige Literaturagenten, überkandidelte Lektoren oder an Selbstüberschätzung leidende Autoren, ihnen allen wird mit sardonischer Sprachakrobatik der Spiegel der Einsicht vorgehalten.
Ein urkomisches Buch speziell für Insider! Gegen Ende des Buches werden die Gags ein wenig redundant. Komisch sind sie aber trotzdem.

Schreib den verd… Roman!: Die simple Kunst, einen Bestseller zu verfassen. Ein Anti-Ratgeber
Stephan Waldscheidt (Autor)
ISBN: 978-3932522048; Verlag: Uschtrin

Mit dem Literaturschiff und KrimiautorinVal McDermid auf der „lit.cologne 2012”

Düsseldorf hat seine Kö und seine Großbaustellen – Köln hat seinen Dom und die „lit.cologne”

Und deswegen sitzen wir nun hier, an einem sehr milden Märzabend in der ausverkauften „RheinEnergie”, dem Partyschiff der Köln-Düsseldorfer Schifffahrtsgesellschaft. Aber während der „lit.cologne”, dem jährlich in Köln ausgerichtetem internationalen Literaturfestival, werden auf der „RheinEnergie” keine Parties gefeiert, sondern Lesungen abgehalten, während das Schiff gemütlich den Rhein rauf-und runter tuckert.

Val McDermid ist nicht zum ersten Mal Gast bei der „lit.cologne”, und wir sind auch nicht zum ersten Mal bei einer Lesung von ihr, aber eine Lesung auf einem fahrenden Schiff ist das erste Mal für uns und schon etwas besonderes.

Die Autorin, vom Publikum mit großem herzlichen Applaus begrüßt, wird begleitet von Michael Kessler, seines Zeichens Comedien und Schauspieler, der Teile aus der deutschen Übersetzung liest, und von Angela Spitzig, Bürgermeisterin der Stadt Köln mit Schwerpunkt Kultur und Medien, die die Moderation übernimmt.

Vorgestellt wird der neueste auf Deutsch erschienene Roman „Alle Rache will Ewigkeit” („Trick of the Dark”). „Alle Rache will Ewigkeit” gehört zu Val McDermids – die vor allem mit ihrer Krimi-Reihe um Dr. Tony Hill und Chief Inspector Carol Jordan bekannt wurde, aber auch mehrfach ausgezeichnete Einzelwerke in ihrem Repertoire vorzuweisen hat – stand-alone Krimis

Val McDermid ist – wie eigentlich immer – glänzend aufgelegt und spielt sich mit Angela Spitzig als launiger Moderatorin die witzigen, aber auch nachdenklichen Bälle zu. Sie kommt aus Schottland, aus der Bergarbeiterstadt Kirkcaldy im County Fife, schwärzestes „Macbeth”-Land, wie Frau Spitzig anmerkt. Mit 17 Jahren wurde sie als erste Schottin, die von einer staatlichen Schule kam, in Oxford am St. Hilda’s College angenommen.

Lachend erzählt sie, dass sie dort erst einmal „Englisch” lernen musste, weil ihre Kommilitoninnen ihr schnelles Schottisch überhaupt nicht verstanden. Darüber hinaus spricht sie warmherzig über ihre beiden Mentorinnen, die ihr besonders und vielen anderen Frauen in vergleichbarer Lage engagiert den Weg geebnet haben.

Ihr Aufenthalt am St. Hilda’s College ist das Stichwort für ihren neuesten Roman. „Alle Rache will Ewigkeit” spielt in großen Teilen in Oxford, seine Protagonistinnen sind ehemalige Alumnas und noch gegenwärtig lehrende Dozentinnen eines Frauencolleges. „Alle Rache will Ewigkeit” ist außerdem McDermids erster Kriminalroman, der – bis auf den bereits zu Anfang toten Ehemann einer Protagonistin – fast ausschließlich weibliche Hauptfiguren aufzuweisen hat, die auch noch zu rd. 99 % lesbisch sind.

Die Autorin hatte sich bereits mit zarten 19 Jahren geoutet. In vielen ihrer Romane kommen homosexuelle Menschen beiderlei Geschlechts als tragende Figuren vor oder wird Homophobie thematisiert. Nun also „Alle Rache will Ewigkeit” mit einer eindrucksvollen Anzahl von lesbischen Protagonistinnen, sympathisch und unsympathisch, normal und durchgedreht – und der Killer ist diesmal auch nicht der Gärtner, pardon, die Gärtnerin.

Nach dieser Einführung liest Michael Kessler den Prolog und das zweite Kapitel – meines Erachtens gut ausgewählt, weil Leser, die das Buch noch nicht kennen, noch nicht allzu viel erfahren und doch angespitzt werden, weiter lesen zu wollen. Kessler liest gut und flüssig. Da ich den Roman bereits auf Englisch und Deutsch gelesen habe, kann ich mich entspannt zurücklehnen und mich ein wenig auf das fahrende Schiff und die vorüberziehende Rheinuferlandschaft konzentrieren. Ich sehe schöne Alt- und häßliche Neubauten (die Architekten müssten dafür verhaftet werden) an mir vorbeiziehen, bald sind nur noch Wiesen und Bäume zu erkennen, im schwindenden Abendlicht.

Das Schiff wendet langsam, und auch Kessler hat seine Lesung beendet. Angela Spitzig nimmt die Moderation wieder auf. Die Autorin, die zunächst als Journalistin tätig war, erzählt davon, dass 1987 fast unbeachtet von der Kritik ihr erster Roman „Die Reportage” (aus dem später eine Reihe um die lesbische Reporterin Lindsay Gordon wurde und übrigens auch mein erster McDermid-Roman) erschien. Sie spricht vom Prozess des Ideen-Sammelns und Schreibens und wie sie die Idee von „Alle Rache will Ewigkeit” bereits seit 12 Jahren mit sich herumtrug, bis sie endlich über eine Hochzeitsszene, die sie selbst während einer Tagung in ihrem ehemaligen College beobachtet hatte, den richtigen Einstieg fand.

Val McDermid spricht auch über die Notwendigkeit, gesellschaftlich und politisch wach zu bleiben und an Veränderungen mitzuarbeiten. Ihre Bücher sind nicht explizit politisch, aber spiegeln natürlich die politische und gesellschaftliche Haltung der Autorin wider und begleiten kritisch politische und gesellschaftliche Prozesse.

Dann liest sie selbst, mit ihrem unverkennbar schottischem Akzent, aber trotzdem noch verstehbaren Englisch (hat sie ja trainiert). Auch sie liest aus einem Kapitel, das nicht zu viel verrät, den noch nicht wissenden Leser aber neugierig macht. Val McDermid hat eine kräftige, ausdrucksvolle Stimme, auch sie liest flüssig und vor allen Dingen fesselnd.

Und in der Zwischenzeit hat das Schiff angelegt, die rund 1 1/2 Stunden sind wie im Flug vergangen. Am Steg draußen warten schon die nächsten Zuhörer auf Einlass, um 21.00 h gibt es nämlich die nächste Lesung. Wir gehen aber nicht, ohne uns vorher ein Signet der Autorin geholt zu haben. Es bildet sich eine lange Schlange, aber das Warten lohnt sich. Auch Michael Kessler darf sich im Buch verewigen und dann lasse ich „To Elke (and cats)” hineinschreiben und Val McDermid fügt noch ihr „All the best” dazu.

Beschwingt über diesen schönen Literaturabend gehen wir von Bord. Die Kölner Altstadt ist mittlerweile gut gefüllt. Wir finden noch ein Plätzchen draußen und beschließen mit einem gut gekühltem Kölsch den Abend, bevor es dann zurück in das Dorf an der Düssel geht, das sich kulturell irgendwie ziemlich abgehängt hat.

P.S. „Alle Rache will Ewigkeit” werde ich demnächst einmal gesondert besprechen.

© frida 2012

Unabdingbares

Unabdingbares

aus gemeinfreier Datei http://de.wikipedia.org/wiki/Verliebtheit

Pärchen gibt es haufenweise.
Jedes Frühjahr wuchern sie
in den Parks auf Bänken leise – Weiterlesen »

fridas Filmtipp: „The Best Exotic Marigold Hotel“

ist eine wunderschöne Tragikomödie, nicht nur für die älteren Semester.

Acht Engländer, darunter ein Ehepaar, fliegen oder sollen wir besser sagen: fliehen nach Jaipur. In Jaipur, die „Pink City“ genannte Haupt-und Millionenstadt des indischen Bundesstaates Rajasthan, verspricht das „Best Exotic Marigold Hotel“ gerade den Älteren unter den westlichen Reisenden einen First Class-Aufenthalt für wenig Geld.

Das fortgeschrittene Alter verbindet sie alle. Sie sind bereits allesamt deutlich jenseits der 60: Evelyn (Judi Dench), gerade Witwe und fast mittellos geworden, will einen Neuanfang in Indien wagen, Graham (Tom Wilkinson), der frisch pensionierte Lordrichter, möchte in Jaipur eine alte Schuld abtragen.
Das Ehepaar Douglas (Bill Nighy) und Jean (Penelope Wilton), er ebenfalls Pensionär, der seine Rente im IT Start-up der Tochter versenkt hat, sie chronisch unzufrieden, möchte seinen Lebensstandard allerdings mit weniger Geld wahren.
Madge (Celia Imrie), bereits mehrfach verheiratet und ebenso geschieden, auf der Suche nach einem neuen Ehemann, Norman (Ronald Pickup), der umgekehrt auf der Suche nach einer Frau ist.
Und Muriel (Maggie Smith), die alles hasst, was nicht die gleiche Hautfarbe hat wie sie und die sich dennoch in Indien eine Hüfte einsetzen lassen will.

Sie alle treffen sich bereits im Flieger und landen gemeinsam im „Best Exotic Marigold Hotel“(„now with guests“), das in Wahrheit eine bessere Bruchbude ist, geführt von Sonny („Slumdog Millionär“ Dev Patel), einem sehr netten, aber wenig geschäftstüchtigen „Schluffi“. Sonny hat selbst jede Menge Probleme: Kein Geld, eine Mutter, die seine Freundin Su… nicht akzeptiert, die wiederum von ihm eine Entscheidung fordert.

Der Film erzählt seine Geschichte in vielen kleinen Episoden. Graham sucht (und findet) seinen lange verschollenen indischen Geliebten. Evelyn findet Arbeit als „kulturelle Trainerin“ in dem Callcenter, in dem auch S… arbeitet. Douglas stürzt sich mit Begeisterung auf die indische Kultur, während sich im Gegensatz dazu Jean völlig von der Außenwelt abkapselt. Norman findet sein Glück mit der gleichaltrigen und ebenso einsamen Carol, die er im edlen Country Club kennenlernt, und Madge – sie findet ebendort vielleicht ihr Glück ein wenig später.

Und Muriel? Ausgerechnet Muriel, der – scheinbar – unverbesserlichen Rassistin, die mit „stiff upper lip“ ihre trockenen englischen Kekse kaut, wird von einer Dalit-Frau (Dalits sind die „Unberührbaren“) eine Lehre erteilt, die nachhaltige Wirkung zeigt.

Und so entfaltet sich ein kleines Universum von menschlichen Befindlichkeiten, Sehnsüchten, Lernprozessen von Menschen, die sich bereits im letzten Drittel ihrer Lebenszeit befinden und jede/r sein oder ihr ganz eigenes Päckchen an Lebenserfahrung mit sich herum trägt.

Warmherzig und witzig, nachdenklich, komisch und auch traurig zugleich, nimmt der Film junge und alte Zuschauer mit in das bröckelnde Gemäuer des „Best Exotic Marigold Hotel“, in die flirrende Hitze Jaipurs, das wie alle indischen Großstädte kurz vor dem Infarkt zu stehen scheint. Regisseur John Madden („Shakespeare in Love“) nutzt Indien aber nicht nur als exotische Kulisse. Madden hat sich ganz im Gegenteil offensichtlich im Vorfeld mit den Besonderheiten indischer Kultur beschäftigt. So kommen denn auch spezifisch indische Befindlichkeiten nicht zu kurz, ganz ohne einen westlich-überheblichen Blick herab, sondern vielmehr auf Augenhöhe zwischen britischer Steifheit gepaart mit Understatement und indischer Chaoslehre. Das führt zu vielen vergnüglichen Situationen, in denen beide Seiten ihr Fett wegbekommen.

Getragen wird der Film von einem glänzend aufgelegten Ensemble angelsächsischer Charakterdarsteller. Judi Dench, die Grand Old Dame des britischen Kinos, als Evelyn fast erstickt in ihrer Trauer und doch sich nicht selbst aufgebend. Tom Wilkinson als stiller Graham, der schwer an einer Jahrzehnte alten Last trägt, die doch noch von ihm genommen wird. Maggie Smith als Muriel, anfänglich ein rassistisches, pardon, Miststück, die sich dann doch wandlungs-und lernfähig erweist.

Bill Nighy als melancholischer Douglas, in einer Ehe erstickt, die schon seit Jahren nicht mehr funktioniert, der nahezu euphorisch in die indische Kultur eintaucht und am Ende fast doch noch die falsche Entscheidung trifft, während Penelope Wilton als seine Ehefrau Jean die undankbarste Rolle von allen hat, weil sie unbelehrbar bis zum Schluss der negativste Charakter sein muss.

Und last, but not least, Celia Imrie als Madge und Ronald Pickup als Norman, für die das Leben im Alter ganz selbstverständlich auch Liebe und Sex beinhaltet.

Auch die indischen Schauspieler/-innen, die bis auf den Briten Dev Patel allesamt aus Bollywood kommen, machen ihre Sache sehr gut und runden den Film wie ein indisches Masala-Gericht würzig ab.

„The Best Exotic Marigold Hotel“ ist beste Unterhaltung in einer Tradition, wie sie fast nur die Briten zustande bekommen. Man geht höchst beschwingt und gut gelaunt aus dem Kino – und das habe ich in den letzten Jahren leider nicht allzu oft getan – nicht, weil die Filme schlecht waren, sondern weil das Sujet der gehobenen und intelligenten Komödie leider immer weniger wird.

„The Best Exotic Marigold Hotel“, GB 2011, Regie: John Madden, ca. 124 min

© frida 2012

fridas Filmtipp: „Die Eiserne Lady“ („The Iron Lady“)

ist eine höchst sehenswerte persönliche Annäherung an eine höchst umstrittene Frau.

Ja, sie war eine „Eiserne Lady“- wie die Sowjets sie tauften – eine gepanzerte Frau, die nur so in einem rein männlichen Umfeld zu überleben glaubte: Margaret Hilda Thatcher, geb. Roberts, nunmehr 86 Jahre alt, erster und bisher einziger weiblicher Premierminister Großbritanniens, eine bis heute kontroverse Figur, deren Politik („Thatcherismus“) bis in die Gegenwart hinein wirkt und nach wie vor ebenso kontrovers diskutiert wird.

Phyllida Lloyds Film „Die Eiserne Lady“ ist nun weder eine reine Auseinandersetzung mit Thatchers Politik, noch reines Biopic. Er nähert sich Margaret Thatcher auf der persönlichen Ebene und bildet gleichzeitig das politische Umfeld, in dem Thatcher sich bewegte und das sie maßgeblich mitprägte, ab, ohne sich zwangsläufig zu positionieren.

Der politische Aufstieg und Abgang, nicht Fall, der Margaret Thatcher wird in Rückblicken aus der Erinnerung der jetzt alten Thatcher erzählt. Seit ihren beiden Schlaganfällen Anfang der 2000er Jahre leidet Margaret Thatcher an fortschreitender Demenz. Der Film setzt als Metapher für diese Demenz Thatchers schon lange verstorbenen Ehemann Denis, mit dem Thatcher in persona kommuniziert. Denis Thatcher, von Jim Broadbent als liebevoller Softie gespielt, war zeit seiner Ehe mit Margaret der stille Mann im Hintergrund, ein Mann ohne eigene politische Ambitionen, der seine Frau bedingungslos unterstützte.

Margaret Thatcher, die soziale Aufsteigerin, allein unter Männern, die den Fehler machten, sie allzu lange politisch nicht ernst zu nehmen. Die Tochter eines Kolonialwarenhändlers, eine Vater-Tochter, die in Oxford studieren konnte, hart gegen sich selbst, umso härter gegen alle, die aus ihrer Klasse stammten oder sogar noch darunter. Der Grundstein ihrer Politik, dass jeder seines Glückes Schmied ist und der Staat sich weitestgehend herauszuhalten hat, wird in jenen frühen Jahren gelegt, als sie gegen den Alte-Herren-Club, die Oxford-und Cambridge-Clique der Konservativen Partei antritt.

Und tatsächlich einen Wahlkreis gewinnt. Im leuchtend blauen Kostüm sitzt sie als einzige Frau wie ein Paradiesvogel inmitten des dunkel gewandeten Herren-Clubs, übrigens auf beiden Seiten der unterschiedlichen politischen Lager, „Unterhaus“ genannt. Sie wagt es, für den Parteisitz zu kandidieren. Sie poliert sich rhetorisch und äußerlich auf, aber auch Jahre später, schon als Premier, ist sie immer noch allein unter Männern.

Was sie nicht einmal als Problem sieht, gibt sie schon früh zu, dass sie sich unter Männern viel wohler fühlt als unter Frauen. Als Premier ist sie diejenige, die eisern alle Maßnahmen zur Senkung der Staatsquote durchsetzt, und ihre zaghafteren Kabinettskollegen fast wortwörtlich „an den Eiern“ packt. Für andere Frauen in der Politik muss sie selbst nicht viel übrig gehabt haben, jedenfalls ist nirgendwo überliefert, dass sie etwa in ihren eigenen Reihen das Fortkommen von Frauen gefördert hätte.

Ohne Thatchers Politik gutheißen zu wollen, ist es schon bemerkenswert, mit welcher Beharrlichkeit und Konsequenz sie gegen alle Widerstände ihre Politik der Deregulierung durchsetzte. Immerhin hatte sie die längste Amtszeit von allen bisherigen Premierministern, führte unter ihrem Vorsitz die Konservativen zweimal zum deutlichen Wahlerfolg. 1984 überlebte sie einen Bombenanschlag der IRA während des Parteitags der Konservativen in Brighton.

In ihre Amtszeit fielen der Falkland-Krieg – der ihr einen ungeheuren Popularitätsschub brachte –aber auch der längste Bergarbeiter-Streik der englischen Geschichte, der mit einer kompletten Niederlage der Bergarbeiter-Gewerkschaft endete und Thatcher den Vorwand lieferte, die Macht der Gewerkschaften erheblich einzuschränken. Ihr Stern sinkt mit der Einführung der sog. „poll tax“, einer Kopfsteuer, die jeden Bürger, egal ob arm oder reich, gleichermaßen trifft. Aber bevor es zum Dolchstoß durch ihre Partei kommt, erklärt sie ihren Rücktritt.

Der Film erzählt das politische Werden, die lange Zeit der politischen Dominanz und das Vergehen der Margaret Thatcher in langen Flashbacks der alten Margaret, die zunehmend Zeit und Raum durcheinander bringt. Durch die absolute Fokussierung auf die Person Thatcher benötigt solch ein Film unbedingt eine starke Schauspielerin. Und die hat Phyllida Lloyd – die bereits mit Meryl Streep in „Mamma Mia!“ zusammengearbeitet hat – in Meryl Streep gefunden.

Meryl Streep, die ich noch nie wirklich schwach gesehen habe, liefert als Margaret Thatcher eine ihrer besten Performances ab. Ein absoluter Höhepunkt schauspielerischen Könnens, das völlig zu Recht mit einem Oscar® und einem Golden Globe belohnt wurde. Komplementär dazu ist die Maske vor allem der alten Margaret Thatcher ein Meisterwerk für sich, was eigentlich auch mit einem Oscar® hätte belohnt werden müssen. Wüsste man nicht, dass sich Meryl Streep dahinter verbirgt, könnte man meinen, die wahre Margaret Thatcher hätte sich hier ein Stelldichein gegeben. In Aussehen, Haltung und Duktus und sicherlich auch in der Sprache – leider habe ich die Originalfassung nicht sehen können – eine grandios perfekte Annäherung an die politische Margaret Thatcher gelingt es Meryl Streep dennoch, hinter dem Panzer den Menschen Thatcher durchschimmern zu lassen, auch wenn das nicht zwangsläufig zu höheren Werten auf der Sympathie-Skala führt – was es ja auch nicht muss.

Ganz im Gegensatz zu den eher verhaltenen Kritiken der professionellen Filmkritik – denen „Die Eiserne Lady“ nicht politisch genug ist, obwohl ich des Öfteren den Eindruck hatte, dass vielen Kritikern der politische Hintergrund überhaupt nicht präsent ist – ist für mich „Die Eiserne Lady“ eine überaus sehenswerte persönliche Annäherung an eine nach wie vor höchst umstrittene Politikerin.

„Die Eiserne Lady“ („The Iron Lady“), GB 2011, Regie: Phyllida Lloyd, ca. 105 Minuten.

© frida 2012

Lesung: Literarisches Frühlingserwachen in Rentfort-Nord

Sie lassen es blühen, bringen kräftige Triebe aus und hellen das Stadtklima auf.
Pünktlich zum Frühlingsanfang sprießen die Gladbecker Schriftsteller Harry Michael Liedtke und Dirk Juschkat aus dem Wintergrau hervor und entfalten literarische Knospen.
Am Mittwoch, den 28.3. heißt es im Stadtteilbüro Rentfort-Nord in der Schwechater Straße „Frühling und Liebe“, wenn die beiden Wortbastler zu einer Lesung bitten. Es ist bei aller Romantik und Naturliebe indes nicht zu befürchten, dass es allzu herzig und gefühlig wird. Zwischen zarten Textpflänzchen schießt reichlich starker Tobak ins Kraut.
Während sich der Rentforter Satiriker Harry Michael Liedtke in seinen Kurzgeschichten über Gier, Gold und Steuertricks auslässt, widmet sich Schelmendichter Dirk Juschkat philosophischen Themen wie Zufallsbegegnungen, unerfüllter Liebe, Trennungsschmerz und Heuschnupfen.
Musikalisch untermalt werden die beiden Literaten vom jungen Musiker Vincent Röken aus Rentfort, der solche Evergreens wie etwa „Waltzing Matilda“ oder „The House of the Rising Sun“ frühlingsfrisch auf dem Keyboard interpretiert.
Zwei Stunden Dichtkunst mit Musik bei Gebäck und Kuchen – der Frühling kann kommen!

Autorenlesung „Frühling & Liebe“
Dirk Juschkat & Harry Michael Liedtke (musikalische Begleitung: Vincent Röken)
Am Mittwoch, den 28.3.2012 von 15.30 bis 17.30 Uhr
Im Stadtteilbüro Rentfort-Nord, Schwechater Str. 38, 45966 Gladbeck
Der Eintritt ist frei. Es wird Kaffee und Gebäck gereicht.
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Tigermenge

TigergebissAm Tigris nahm dereinst
ein Tiger –
nein, nein, am Tigris –
nicht am Niger –
ein Bad
in einer Menschenmasse –

das war klasse!

© Max Pesie