Alle Texte zu Kategorie ‘Kurz erzählt’

Marga

„Darf ich mich ein wenig zu Ihnen setzen? Wissen Sie, ich sitze immer auf dieser Bank, jeden Tag, Sommer wie Winter, egal, wie das Wetter ist. Ich sitze hier und hänge meinen Gedanken nach. Einen schönen Hund haben Sie da, ja, ich weiß, Labrador, die mag ich gern. Nein, ich habe keinen Hund, wissen Sie, […]

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Niemand sonst

„Ich wusste, dass du so gucken würdest …“ Gedankenverloren dachte sie an seine Worte zurück. Ja, er wusste es. Wie er so vieles wusste, und sie von ihm, was sie einander anvertraut hatten. Wünsche, Sehnsüchte, Träume. Aber auch die kleinen Dinge des Alltags, Gewohnheiten, Marotten, über die sie von ferne lachen konnten, da sie sie […]

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„Geh!“

„Geh!“, sagst du und ich küsse dich und wende dir meinen Rücken zu. Zuhause nehme ich meinen leicht verstaubten Globus vom Schrank und plane meinen Weg. Mein Finger zieht eine Spur nach Moskau, von dort mit der transsibirischen Eisenbahn nach Peking – das wollte ich immer schon mal machen, weißt du – dann über den […]

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Abgrund oder Turm

„Halt mich!“, schrie er. „Ich halte dich!“, gab sie ihm Zuversicht. Die Szenerie unwirklich. Er hing über dem Abgrund, beide Hände nach oben gestreckt, wo sie bäuchlings lag und ihn hielt. Wie lange schon, war unwesentlich. Wichtiger war die Frage, wie lange sie so noch aushalten konnten. „Lass mich los, sonst stürzt du mit mir […]

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Frage ohne Antwort

Flashback. Ein grauer Tag, der Hügel und die Bäume im Regen. Sturm über der Palme. Nacht. „Siehst du den Stern da oben?“, fragst du. Natürlich sehe ich ihn, wie er leuchtet, für dich und mich. Gedankenkreisel. Ein Vogel, ein König, ein Wagen. Du tiefer als das Meer. Ich suche deinen Frieden in der Frage ohne […]

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Das Brautkleid

„Hier, nimm.“, sagte Katharinas Vater und gab ihr ein Bündel hellen, fast weißen Stoff. Er war kein Mann großer Worte, geschweige denn zu irgendeiner Gefühlsregung fähig. Katharina sah auf das Bündel, dann auf ihren Vater. Sie hätte ihm so gerne gezeigt, wie sehr sie sich freute, doch ihr strahlender Blick verlor sich in seinen Augen, […]

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Die Antwort

Die körperlichen Schmerzen waren schlimm genug. Die Demütigungen waren schlimmer. „Warum?“, fragte er, als er ein Junge war. „Warum?“, als er heranwuchs. Als er ein Mann war, hatte er seine Antwort gefunden. Und als ein Junge zu ihm kam, und ihn fragte: „Warum?“, sagte er ihm: „Weil sie es konnten.“

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Mathe für zwei

Ein Zahlentanz in Spalten und Zeilen. Beträge vereinigen und vervielfachen sich, bilden schließlich ein Ganzes. Eigentlich gibt es schönere Arbeiten, als Statistiken zu erstellen, aber diesmal geht die Fantasie mit ihr durch. Eine 6 und eine 9. Nein, die Summe ist nicht 15, sie ist 69, wenn man es nur richtig anstellt. Schsch, konzentrieren, gleich […]

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Nichts und alles

Auf dem Wasser liegend ist nichts und alles. Im klaren See oder im Meer, die Augen geschlossen, einen leichten Wind im Gesicht. Getragen von den Geschichten der Zeit, die sich die Wesen dieser Welt erzählen. Versunken, nicht ertrunken, vergessend. Ausgeliefert und doch gehalten. Eins mit sich und den Klängen der Tiefe. Um dann die Augen […]

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Spurlos

Bilder malten sich und lösten sich auf. Wirklichkeit verschwamm im Fluss der Zeit, als hätte es sie nie gegeben. Es bedarf nur zweier Spiegel, aus einer Figur eine Unendlichkeit zu schaffen. So waren die Tage unendliche Spiegelungen. Geschehen, doch getäuscht. Nichts, was blieb. „Nein“, schrie sie, „Nein!“ Das Feld war noch da. Es musste da […]

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