Blumengrüße von Herzen

Vor einiger Zeit gab es auf Netzkritzler einen Bericht über eine Präsentationslesung zu einem Buch, in dem Mumpitz und ich vertreten sind. Hier nun die Rezension zum Werk:

Blumengrüße von Herzen – Marie Rossi (Hrsg.)
ISBN 9783941127050, Flexibler Einband, 152 Seiten, erschienen am 12.05.2010 im Elbverlag, Magdeburg

Eine Anthologie mit Beiträgen von 95 Autorinnen und Autoren? Was muss das für ein gewaltiger Wälzer sein? Doch keine Sorge, das Buch ist mitnichten ein ellenlanges Mammutwerk, sondern ein nettes bündiges Büchlein in hübscher Aufmachung. Und der Inhalt kann sich auch sehen lassen (oder besser: lesen lassen).
Die hohe Anzahl an Autoren begründet sich dadurch, dass nicht nur Kurzgeschichten abgedruckt wurden, sondern auch der sonst oft sträflich vernachlässigten Lyrik ein Forum gegeben wird. Oft sind es ganz kurze, wenige Zeilen ausmachende Haikus, Akrostichen und Elfchen, die auf den Seiten ihren Platz gefunden haben. Doch ob kurz oder lang, als Scharnier zwischen den Kurzgeschichten funktionieren die Gedichte vortrefflich. Schon erstaunlich, wie es manche Autoren hinkriegen, mit sehr knappen Worten viel auszusagen.
Die Kurzgeschichten selbst sind allesamt angenehm knackig, dies besorgt schon allein der begrenzte Platz bei so vielen Autoren. Es wird nicht ausladend und ausschweifend fabuliert, man kommt vielmehr rasch auf den Punkt – und die Pointe.
Blumen sind die schönste Sprache der Welt, heißt es zu Recht. Und jeder in diesem Buch vertretene Autor hat in dieser Sprache seinen eigenen Dialekt. Blumen können ja sehr aussagekräftig sein, und dies wird hier nachdrücklich bewiesen.
Ob des Themas mag es Bedenken geben, dass es zu verzärtelt und zu gefühlig zugeht. Dies ist aber nicht der Fall. Es wird zugegebenermaßen zwar manchmal sentimental, aber genauso oft bissig, ulkig und spannend. Der Wechsel macht’s!
Klar, bei Anthologien ist es immer ein Auf und Ab, was den persönlichen Geschmack angeht. Es wird nie einen Sammelerzählband mehrerer Schriftsteller geben, der einem von A bis Z, von der ersten bis zur letzten Seite gleichmäßig spitze gefällt. Das liegt in der Natur der Sache. Aber dafür ist in diesen Werken immer für jeden Leser etwas dabei. In diesem Buch erst Recht!
„Blumengrüße von Herzen“ reiht sich nahtlos ein in die Reihe aparter Anthologien des Magdeburger Elbverlags. In steter Regelmäßigkeit schreibt das kleine Unternehmen Literaturwettbewerbe zu unterschiedlichsten Themen aus. Wer sich also selber schriftstellerisch betätigt, sollte mal die Verlagswebseite ansteuern. Vielleicht ist man ja im nächsten Band dabei.

Anlesetipps:
– bei den Gedichten: „Schneeglöckchen“ von Andreas „Mumpitz“ Gers (latürnich!) und „Frühlingselfen“ von Sonja Rabaza
– bei den Kurzgeschichten: „Vergissmichnicht“ von Regina Schleheck, „Dornenrosentraum“ von Bibiana Maria Ermrich und „Warum ich Benno liebe“ von Maria Mietasch

Thema des Monats – Sommermärchen

Es ist Juli. Flirrende Hitze liegt in der Luft. Passend dazu haben wir das Thema des Monats Juli ausgesucht: Sommermärchen. Wie ich euch kenne, fällt euch dazu sicher einiges ein. Ihr könnt von euren schönsten Ferienerlebnis berichten, von Fußballerfolgen träumen oder eure heißeste Liebesnacht am Strand beschreiben (bitte bleibt anständig dabei!).

Wer nicht weiß, wie man eine heiße Liebesnacht anständig schildern soll, dem helfe ich gern beim Lektorat seines Textes 😉

Das Thema des Monats ist kein Korsett, in das ihr Euch zwingen müsst, sondern einfach nur eine Anregung, euch auch (aber nicht nur) damit zu beschäftigen. Nach der sehr guten Resonanz auf die letzten Themen hoffe ich diesmal auf eine ebenso rege Beteiligung. Alle bisherigen Themen und Beiträge findet Ihr übrigens HIER.

Viel Spaß beim Schreiben!

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Shaggy Feat. Ravon – In The Summer Time

Bilder zaubern Worte – Der Baum

Ist es Euch nicht auch schon passiert, dass Ihr ein Bild gesehen habt und dachtet: Dazu könnte ich jetzt eine Geschichte schreiben? Unter dem Slogan „Bilder zaubern Worte“ bieten wir ab sofort regelmäßig ein Bild an, das Euch Inspiration für einen Text sein soll.

Das aktuelle Motiv ist der Baum.

Manchmal sieht man vor lauter Wald die Bäume nicht mehr. Aber es lohnt sich, jeden einzelnen genau zu betrachten, denn jeder Baum erzählt eine Geschichte. Er erzählt vom Leben, das er ist und spendet. Er erzählt von den Gefahren, die er überstand. Und manchmal erzählt er von denen, die an ihm vorüberkamen und für die er eine Bedeutung bekam.
Ich bin gespannt, welche Geschichten Euch die Bäume erzählen.

Ihr könnt Eure Texte auf Euren Blogs einstellen und sie werden dann hierher verlinkt. Wer mag, kann auch auf seinem Blog eine eigene Kategorie dafür anlegen. Auf dem Gemeinschaftsblog „Netzwerk“ habe ich das schon gemacht.

Und nun wünsche ich Euch viel Spaß beim Schreiben!


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Ein Nachbericht

Am 7. Juni 2010 fand im Café Stilbruch in Gladbeck die Buchvorstellung der Anthologie „Blumengrüße von Herzen“ aus dem Magdeburger Elbverlag von Marie Rossi statt.
Man muss ganz eindeutig sagen: Dieser Montag hatte es in sich!
Als Initiator des Spektakels stelle ich fest: Es hat sich mehr als gelohnt.

Insgesamt traten neun der im Buch versammelten Autorinnen und Autoren an, dem Publikum ihre Texte vorzustellen. Teilweise nahmen sie dafür weite Wege auf sich. Alle Vortragenden außer meiner Wenigkeit seien an dieser Stelle namentlich erwähnt: Andreas Gers aus Nottuln, die Leverkusenerin Regina Schleheck, die Münsteranerin Bibiana Maria Ermrich, Dorothea Möller aus Hamm, Elfie Nadolny aus Andernach, die Wittenerin Maria Mietasch, Kathrin Reinemann aus Nimshuscheid und die Einheimische Brigitte Vollenberg. An dieser Stelle ein herzliches Danke.

Vor etwa 50 Gästen (das Stilbruch war damit praktisch voll) wurde ein außergewöhnliches Potpourri aus Geschichten, Gedichten und Liedern geboten – die Spanne reichte von hart bis zart, ulkig bis ernst, kauzig bis seriös, erstunken bis autobiografisch!
Klar, solche Multi-Autoren-Lesungen sind stets ein Wellental. Zwar ist für jeden was dabei, aber jeder Zuhörer trifft auch auf Texte, die nicht zu seinen Lieblingsliteraturgattungen zählen.
Doch es sollte schließlich die „Band“-Breite des zugrunde liegenden Werkes repräsentiert werden, und dieses Anliegen wurde voll erfüllt, das Grundthema wie ein Mosaik erfasst. Famos! Obwohl ich mir persönlich noch ein bisschen mehr Lyrik gewünscht hätte. Na, vielleicht beim nächsten Mal.

Es wäre unfair, jemanden besonders hervorzuheben. Wie allein schon die Verkaufsergebnisse des Büchertischs nahelegten, hat ein jeder Eindruck hinterlassen. Es wurde schwer was losgeschlagen, also ein gutes Feedback erzielt.
Einem Aktiven muss allerdings doch gesondert gehuldigt werden: Andreas „Der Große Mumpitz“ Gers hat in Gladbeck viele Fans gefunden. Logo, wer bei einem Literaturevent mit einem Instrument aufläuft, hat einen Vorteil gegenüber den „Unbewaffneten“. Aber bloß kein Neid (na, vielleicht ein kleines bisschen. Die Herzen der Groupies flogen dem Großen Mumpitz nur so zu). Seine Lyrik- und Liedtexte sorgten für eine Mordsstimmung, was uns anderen Vortragskünstlern natürlich enorm nützte. Es kamen gar Vergleiche mit Reinhard May auf, und der prominentere Barde von beiden schnitt dabei wahrlich nicht besser ab. Im Gegenteil. Andreas, ich würde mich riesig freuen, noch öfters mit Dir auftreten zu dürfen.
In diesem Sinne: Wer nicht da war, hat schwer was verpasst!

Dirty Harry und Mumpitz grüßen mit Blumen

Der Elbverlag hat es nun schon zum zweiten Mal geschafft, zwei Netzkritzler-Autoren in einem Buch zu vereinen. Nach der Weihnachtsanthologie, in der Mumpitz und Songline vertreten waren, finden sich nun in „Blumengrüße von Herzen“ Dirty Harry und Mumpitz zusammen.

Das Buch beinhaltet die besten Beiträge zum Wettbewerb „Blumengrüße von Herzen“. Anlässlich der Veröffentlichung findet am 07.06.2010 in Gladbeck eine Lesung statt, an der auch Dirty Harry und Mumpitz teilnehmen werden.

Wer Zeit und Lust hat, kann gerne vorbeischauen.

Der nächste Wettbewerb des Elbverlages läuft bereits unter dem Thema „Augenblicke, die berühren“. Zugelassen sind Kurzprosa, Gedichte, Elfchen, Haiku und Akrostichon. Einsendeschluss ist der 10.09.2010.
Infos: Elbverlag, dort links auf “Ausschreibungen” klicken.

Es wäre schön, wenn sich wieder mehrere Netzkritzler an dem Wettbewerb beteiligen. Vielleicht sind wir ja dann in der nächsten Anthologie noch zahlreicher vertreten.

Im Handumdrehen

Ich bin ja für meine langen Kurzgeschichten berüchtigt, aber nicht jeder mag ausgedehnte Texte am Bildschirm lesen, wie man mir zuweilen zu verstehen gab. Darum hier mal ein Quickie. Wie sollte es in diesen Tagen anders sein, es geht um Fußball. Irgendwie jedenfalls:

Im Handumdrehen

Der „Heilige Rasen“ ist lediglich ein profaner Kunststoffbelag, die ausdruckslosen Figuren sind allesamt von der Stange und andauernd drehen irgendwelche Hitzköpfe durch. Wobei gerade Letzteres außerordentlich befremdet. Ein Kreisen der Stange um 360 Grad ist nämlich als unfaires Ablenkungsmanöver verpönt und beim Schuss sogar streng verboten. Es gibt Leute, die behaupten, Tischfußball sei kein wahrer Fußball, kein echter Sport. Aber nach Meinung von Hektor Sauermann von den „Gladbecker Dreschflegeln“ hatten diese Stänkerer Schläge verdient. Für ihn gab es jedenfalls nichts Schöneres als Kickern, und heute sollte es sein Tag werden. Er stand kurz vor dem Turniersieg. Er hatte sich bis ins Finale durch- und seinen Endspielgegner beinahe niedergekämpft. Der arme Kerl ihm gegenüber war so gut wie erledigt. Sein Blick flackerte ängstlich, sein verschwitztes Haar hing ihm wirr in die Stirn und das ungeduldige Ruckeln an den Griffen verriet seine Panik. Doch Hektor kannte kein Mitleid. Angriffslustig bleckte er die Zähne. Einen noch! Einmal noch die kleine Hartplastikkugel ins gegnerische Gehäuse pfeffern, dann war er Deutscher Meister im Herreneinzel. Der nächste Ball wurde eingerollt. Eine kurze Strecke eierte er die Mittellinie entlang, dann kullerte er auf Hektors Seite. Na bestens, frohlockte der Dreschflegel in Gedanken, die Götter waren mit ihm. Geduldig und ausnehmend vorsichtig ließ er die Spielkugel durch seine Reihen laufen. Jetzt bloß keinen Ballverlust. Vor und zurück, hin und her passte er das Spielgerät von Puppe zu Puppe. Dann sah er die Lücke. Was nun? Mit Schmackes oder mit Gefühl? Ein Pull-shot, ein Abquetscher oder ein Jet? Er entschied sich für einen Schrägzwirbler in der Kuznetzov-Variante. Klack! Tock! Drin! Gewonnen! Die Welt hatte einen Champion mehr, und in der voll besetzten Hamburger Billardkneipe „Blutsturz“, wo der Wettkampf ausgetragen wurde, steppte der Bär. Ungehemmt ließ Hektor seinen Freudentränen freien Lauf, während ein bunter Konfettiregen auf ihn herniederging. Er war gerührt. Welch ein Rausch, was für ein Beifallsorkan. Also ehrlich, dachte er, viel frenetischer kann es im Bernabéu-Stadion zu Madrid auch nicht zugehen.

Den Text gibt es auch noch als Audiodatei bei Netzknistern, gesprochen von Juliane Ahlemeier.

Audio Im Handumdrehen

http://www.merlimerl.de

Fernweh – Thema des Monats Juni

Der Juni naht mit großen Schritten und so ist es an der Zeit, Euch mit einem neuen Thema des Monats wieder einen kleinen Anschubser für kreative Gedanken zu geben. Das Thema des Monats ist kein Korsett, in das ihr Euch zwingen müsst, sondern einfach nur eine Anregung, euch auch (aber nicht nur) damit zu beschäftigen. Nach der sehr guten Resonanz auf das Maithema „Liebesbriefe“ hoffe ich auf ebenso rege Beteiligung zum neuen Thema „Fernweh“.

Kennt ihr das auch? Dieses Gefühl, einfach raus zu wollen, frei zu sein, sich nach Möglichkeit auch andere Länder anzusehen? Es gab Zeiten, da habe ich eine neue Reise gebucht, kaum dass ich von der vorherigen zurückgekehrt war. Weil ich wieder ein Ziel brauchte und die Gewissheit, in ein paar Monaten wieder unterwegs zu sein.

Fernweh ist aber nicht nur das Gefühl, die Ferne erkunden zu wollen, sondern auch der dringende Wunsch, aus dem Alltag auszubrechen, und sei es nur für eine begrenzte Zeit.

So bietet das Thema vielfältige Möglichkeiten, einen Text zu verfassen. Ich bin auf Eure Geschichten und Gedichte schon sehr gespannt!

Zur Einstimmung dient das nachfolgende Video. Schimpft nicht, ich weiß, der Gesang ist gewöhnungsbedürftig, aber Melodie und Text finde ich super: Fernweh von Ohrenfeindt aus dem Album „Mit Vollgas und Blaulicht“

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Hier sind Eure Texte:

Madagaskar von Mumpitz

fernweh von Andi

Fernweh von Angie Pfeiffer

Nahglück im Konjunktiv von Songline

Neu! Bilder zaubern Worte

Ist es Euch nicht auch schon passiert, dass Ihr ein Bild gesehen habt und dachtet: Dazu könnte ich jetzt eine Geschichte schreiben? Unter dem Slogan „Bilder zaubern Worte“ bieten wir ab sofort regelmäßig ein Bild an, das Euch Inspiration für einen Text sein soll.

Das erste Motiv dieser neuen Serie ist die Tür.

Türen öffnen Häuser, Räume und Herzen, Türen können offen stehen und verschlossen sein. Türen grenzen aus und laden ein, in Paläste oder einfache Hütten. Damit bieten sie vielfältige Möglichkeiten, sich Geschichten auszudenken.

Ihr könnt Eure Texte auf Euren Blogs einstellen und sie werden dann hierher verlinkt. Wer mag, kann auch auf seinem Blog eine eigene Kategorie dafür anlegen. Auf dem Gemeinschaftsblog „Netzwerk“ habe ich das schon gemacht.

Und nun wünsche ich Euch viel Spaß beim Schreiben!
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Meeresflüstern

…Einen Moment nur innehalten und lauschen…

Den Blick von all den Sandkörnern
Hin zur Brandung bis hinaus auf das Meer,
zu den tanzenden Diamantstrahlen auf azurblauem Wasser,
Funken über weißer zerfallender Schaumkrone

Schließe meine Augen für ein kurzen Moment
Halte inne und gebe mich deiner Musik hin.
Fühle und nehme die Kraft wahr,
Mit welcher die Welle an den Strand treibt

Spüre wie sie sich überschlägt
Und ächzend in sich zusammenfällt.
Doch kaum ans Ufer getrieben,
Zieht sie eine unsichtbare Macht hinfort.

Mit ihr rinnen die unzähligen gerundeten Kügelchen,
Welche schon auf ihren unendlichen Reisen sich nun wieder auf Wanderschaft begeben.
Ebenso Muscheln, gerieben und geglättet von Bewegung und Zeit.
Hier und da nun wasser- und schutzlos Lebewesen, Würmer, Seesterne und kleine Krebse.

Es drängt mit jedem kurzen Rückzug in Richtung Ozean
Schon die nächste, allzeit ungebändigte Woge an den Strand.
Diesmal zahm, nicht verheerend,
Ohne tückischen Überfall, heute im ruhigen, steten Einklang mit dem ewig währenden Naturgesetz.

Immer noch verzaubert von deinem einzigartigen Gesang,
gefangen von dieser Urgewalt,
Den Jahrtausende alten Geschichten,
Welche du mir in diesem Augenblick offenbarst

Schweige und lausche ich,
Überwältigt gebe ich mich für einen Augenblick deinem Leben hin.
Schmecke Salz auf meinen Lippen
Sauge deine Energie tief in mich auf und

nehme dir doch nichts

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Text: Heidi Tietze Linskens

Die siechen, die Griechen

Heute gibt’s mal keine Kurzgeschichte.
Ich wandele stattdessen auf Bleiglass’ Spuren und greife mir ein aktuelles Stück Weltpolitik, über das ich dann (hoffentlich geistreich) reflektiere und philosophiere.
Nun denn, geht los (*hüstel*)!

Die Tage habe ich in den Nachrichten gehört, dass Griechenland bankrott ist, falls nicht bis zum 19. Mai Knete bewilligt wird, wenigstens als Kredit.
Ja mei, und dann? Ich meine, was passiert denn mit einem Staat, der pleite ist? Was sind die Konsequenzen, die Auswirkungen? Der Gedanke lässt mich nicht los.

Früher im Mittelalter hat man Leute, die ihre Schulden nicht bezahlt haben, in einen Schuldturm gesperrt. Es ist aber wohl keine wirkliche Option, einen Schuldturm zu bauen, der groß genug für Griechenland wäre. Selbst einer für Liechtenstein wäre zu überdimensioniert. Und selbst, wenn sich das Land in einem Schuldturm befände, was hätte die Welt davon? Genugtuung? Wohl kaum, bei den zu erwartenden Betriebskosten für so einen Spezialknast. Zudem müsste man das Land aus dem Boden heben, zum Schuldturm transportieren und dann da reinkriegen. Vielleicht hochkant. Ja doch, ich gestehe, ich blödele rum. Bleiglass wäre sicher viel sachlicher bei der Behandlung eines so ernsten Themas. Und sein Text bedeutend fundierter. Phhhh …

Wir können ja Krieg gegen Griechenland führen, aber wahrscheinlich würden die Griechen sofort sagen: „Wir sind völlig blank und haben kein Geld mehr für Waffen. Da hättet ihr ein bisschen früher kommen sollen. Jetzt haben wir wegen des Sparkurses der Regierung obendrein einen halben Bürgerkrieg am Hals. Wir ergeben uns.“ Toll! Ein Sieg für die Statistik. Wirklich sehr befriedigend. Boooooring!!
Ach, da fällt mir was Passendes zum Thema ein: Weiß jemand, warum Griechenland so hoffnungslos in die Miesen gerutscht ist? Genau, weil die Militärausgaben dieses possierlichen Staates, der dieselbe Wirtschaftskraft hat wie das Saarland plus Bremen, seit jeher viel zu hoch sind. Selbst Darth Vader würde vor Neid erblassen angesichts der Menge von Kriegsmaterial, die in Zeus’ Hinterhof rumsteht. Und welche Nation hat Griechenland die meisten Waffen aufgeschwatzt? Wieder richtig geraten: Deutschland! Peace!
Griechenland könnte sich natürlich auch einfach umbenennen. Fußballklubs machen das so, wenn sie in die Pleite rasseln. Aus FC wird dann SpVgg oder aus Arminia Borussia. Bringt dem Rest der Welt jedoch auch nicht viel, außer vielleicht Abwechslung. Allerdings, es wäre bestimmt ganz spaßig, einen Neunamensfindungswettbewerb für Griechenland auszurufen. Wem was Knalliges einfällt, der tue es auf den Seiten von Netzkritzler kund. Ich mache gern den Anfang. Wie wäre es mit Rehaklesien? Oder Dirtyhellas?
Wem der Vergleich mit den Fußballvereinen zu sehr hinkt, der mag sich eher mit dem Plan anfreunden, den die Banken für ihre defizitäre Lage entwickelt haben. Die Kreditinstitute hatten wirklich eine sehr pfiffige Lösung parat: Bad Banks! Dieses Verfahren stammt originär aus dem Comic-Universum. Jeder Superheld wird früher oder später von seinem bösen Ich attackiert, das es aus einer Bizarro-Dimension in unsere Realität verschlägt. Superman bekam es beispielsweise mit Bizarro-Superman zu tun, der Hulk mit Bizarro-Hulk, Captain America mit dem Roten Wächter (einem kommunistischen Ruskie-Superschurken). Solche Bizarros haben alle eines gemeinsam. Sie verschwinden schnell sang- und klanglos in der Versenkung. Was lag für die Banken also näher, sich entsprechende Bizarro-Banken aus einer anderen Dimension herzuholen, ihnen alles Negative aufzuhalsen und sie dann im Orkus verschütt gehen zu lassen? Besser geht’s doch gar nicht. Bei Ländern funktioniert das doch sicherlich auch. Gründen wir also einfach ein Bad Greece.

Eine andere Möglichkeit für Siechenland wäre, sich einfach einem anderen Staat anzuschließen. Falls es einen gibt, der das will. Bei der DDR hat das geklappt, man kann ja zumindest mal fragen. Mazedonien fiele man spontan ein. Seit Jahrzehnten tobt zwar ein Zwist um Landesnamen und Gebietsansprüche, aber im Grunde mag man sich. Vor ewigen Zeiten waren beide Länder eins, warum soll es nicht wieder so sein? Alle Streitereien wären mit einem Streich erledigt. Großmazedonien erwache!
Natürlich könnte Griechenland aber auch ein paar seiner Inseln zur Schuldentilgung verkaufen. Das Land hat ja genug Eilande. Ich gebe zu, der Vorschlag ist nicht von mir. Den hat ein gewisser Josef Schlarmann gemacht, ein Politiker der CDU und Chef deren Mittelstandvereinigung. Also jemand, der sich mit Konkursen auskennt. Ich finde den Vorschlag gut. Ich wäre gern Insel(mit)besitzer. Sich einmal wie Onassis fühlen … hach. Wenn tatsächlich so eine Big Fat Greek Auction zustande käme, empfehle ich, dass wir Deutschen für Korfu bieten. Ist so schön grün da, ideal zum Wandern. Ferner finden sich da jede Menge heimeliger Tavernen.

So ein paar Inselchen dürften allerdings kaum reichen. Und Griechenland komplett kaufen will man ja auch nicht. Was soll man mit den vielen Trümmerbauten? Und was fängt man mit den ganzen Griechen an? Wir haben doch eh schon so viele Arbeitslose.
Man könnte Griechenland natürlich komplett isolieren und warten, bis alle Inländer verhungert sind. Wem das zu hart ist: Man verhängt strikte Wirtschaftssanktionen und harrt aus, bis alle Griechen in ihrer Not ausgewandert sind. In beiden Fällen steht das Land dann leer, und man kann zugreifen. Alsdann siedelt man neue Griechen an. Oder Dirtyhellenen. Hmmmmm, jetzt, wo ich das so schreibe, kommt mir selbst das alles ziemlich abwegig vor. Würde mich mal interessieren, ob ich der Einzige bin, dem dieser Plan irgendwie sinnlos erscheint.

Stellt sich die Frage, ob ein Land wahrhaftig total untergehen kann. Ob es möglich ist, dass ein Staatsgebilde so richtig von der Landkarte verschwindet, außer vielleicht durch eine extreme Verschiebung der Kontinentalplatten. Falls ja, muss man hernach als Gläubiger die Schulden komplett abschreiben? Dann wäre ja gleich der nächste Staat in seiner Existenz bedroht. Man stelle sich das vor: Land um Land löst sich in Logikwölkchen auf. Und alles bloß wegen Buchgeld. Wenn es sich wenigstens um was Handfestes, Reelles wie Goldbarren oder Erdöl handeln würde. Oder um den Schatz von Monte Christo …
Aber so ein Untergang ist wohl auch nur virtuell. Man schaue sich Afrika an. Da krepieren die Leute zwar in Scharen durch Dürren oder Seuchen, etliche Staaten sind in innere und äußere Kriege verwickelt, wirtschaftlich wird nichts aufgebaut, die Rohstoffe werden verscherbelt – und doch existieren diese Länder fort. Immerfort! Und Griechenland soll untergehen, bloß weil das Land ein ein zu hohes Rentenniveau und ein paar tausend Beamte zu viel hat? Ich zweifle.

Das alles bringt mich zu einer viel weiterführenden Frage: Wer hat bei wem eigentlich Schulden? Ich meine, die USA hat ein hohes Staatsdefizit, Australien auch, Deutschland sowieso. Afrika ist komplett am Arsch, Südamerika geht’s nicht viel besser. Spanien, Italien, England, Polen, Russland, Bulgarien – alle gebeutelt! Island steht kurz vor dem Konkurs, genauso wie Irland. In der Schweiz und Luxemburg hat die internationalen Steuerfahndung für leere Kassen und Schließfächer gesorgt. China hat finanzielle Probleme, Japan ebenso und alle anderen Staaten im asiatischen Raum sind auch nicht flüssig. Nahezu jedes Land hat Schulden. Als Kaufmann hab ich mal gelernt, dass sich alles die Waage hält. Die Schulden des einen sind die Forderungen des anderen. Wenn man alles gegeneinander aufrechnet, müsste man ergo auf plusminus null kommen. Aber wir können doch nicht alle bei den Kuwaitern und den Saudis verschuldet sein. Und falls doch, warum leihen die uns überhaupt Geld? Eintreiben können sie die Flocken eh nicht, siehe Griechenland, selbst nicht mit einer spitzenmäßigen Armee. Überdies habe ich gehört, den Ölbaronen geht’s mittlerweile ebenfalls nicht mehr so super. Auch vor denen macht die große Krise nicht Halt. Nix mehr mit güldenem Essgeschirr und edelsteinbesetzten Wolkenkratzern.

Also, wer steht denn nun bei wem wie hoch in der Kreide? Bleiglass, ich bitte um Aufklärung!!

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